Erstmals erfolgt eine waldwachstumskundliche Endauswertung aller zwischen 1885 – 1891 von Boden und Schwappach in Brandenburg begründeten Thuja-Bestände, deren Altersspektrum die Umtriebszeit des einheimischen „Brot-Baums“ – der Kiefer – erreicht hat. Damit konnte eine erste komplexe vergleichende Wachstumsanalyse für den gesamten Produktionszeitraum dieser fremdländischen Baumart durchgeführt werden.

Seit dem Anbaubeginn des Riesen-Lebensbaumes in Europa haben sich zahlreiche Wissenschaftler mit dieser nordwestamerikanischen Baumart beschäftigt. Schwappach (1911) bewertete den Riesen-Lebensbaum bereits nach 25jähriger Beobachtungszeit als eine für die norddeutschen Länder geeignete Baumart und bezeichnete sie als "geeignetes Mischholz" für junge Buchenbestände. Dagegen zeigten sich Zimmerle (1930) und Killius (1931) im Kontext ihrer Beobachtungen in Baden-Württemberg gegenüber der weiteren Einführung dieser Baumart eher reserviert. Lembcke (1959) zählte den Lebensbaum, gestützt auf seine Untersuchungen in 60-70jährigen Beständen der Oberförsterei Freienwalde, aufgrund seiner hohen Produktivität zu den fremdländischen Baumarten, die der Einführung in dem von ihm betrachteten Gebiet würdig sind. Dieser Einschätzung Lembckes schließt sich 40 Jahre später Lockow (2002) an, der in seinen Untersuchungen in den nun schon über 100jährigen Thuja-Beständen nach einer Beziehung zwischen Leistung und Standort sucht.

 

Ergebnisse

Die Entwicklung der Grundflächenmittelhöhe (HG) aller untersuchten Versuchsflächen im Vergleich mit dem ET-Modell für Kiefer von Lembcke, Knapp und Dittmar (1975), MEN (=Mittleres Ertragsniveau) zeigt, dass die Kurven in ihrem Verlauf dem Bonitätsfächer folgen (Abb. 2). Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass das Ganze sich in dessen oberer Hälfte abspielt. Die beste Leistung erreicht die Fläche 115 (38,9 m) im Revier Maienpfuhl und am schlechtesten schneidet die Fläche 14 im Revier Sonnenburg ab. Die gleiche Tendenz zeigt die Entwicklung des Grundflächenmitteldurchmessers (DG) der untersuchten Bestände (Abb. 3). An der Spitze steht hier wieder die Fläche aus Maienpfuhl, Horst 115 (63,9 cm).

Betrachtet man die Entwicklung in der Abb. 4., wird uns das hohe Ertragsniveau des Riesen-Lebensbaumes auch im Alter von 130 Jahren sehr deutlich. Zöge man entsprechend der Umtriebszeit bei der Kiefer den Strich (A) bei 120 Jahren, so offenbarte sich die hohe Volumenleistung der besten Thuja-Bestände gegenüber den bonitätsbesten, vollgeschlossenen Kiefern-Beständen. Im Schnitt leisten die besten untersuchten Thuja-Bestände ~300 m³/ha mehr als die hier modellhaft abgebildeten, hiebsreifen, vollbestockten besten Kiefern-Bestände Brandenburgs.

Bislang wurden in den alten Thuja-Beständen noch keine Qualitätsuntersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse der stammweise durchgeführten Qualitätsansprache der Krone und des Schaftes nach Mitscherlich zeigen, dass unregelmäßige und einseitig deformierte Kronen in den alten Schwappach-Beständen sehr häufig sind. Dieses Ergebnis kann man mit der Fähigkeit der schnellen Einnahme von Freiraum durch die Kronenzweige der Thuja erklären. Das Ergebnis der Ästigkeitseinschätzung der Stammbereiche bis zu ihren Kronenansätzen bestätigt die alte Wahrheit über die ausgesprochen schlechte natürliche Astreinigung bei Thuja. Auffallend ist dabei, dass nicht nur die trocken gewordenen Äste sehr lange am Schaft verbleiben, sondern auch, dass überall dort, wo zu den Schäften genügend Licht durchdringt, neue Äste (Klebäste) entstehen, die als sekundäre Krone in der Konkurrenz um das Licht bei den Bäumen für Vorteile sorgen. Die Schäfte der alten Thuja-Bestände sind meistens einschnürig und im Stammfußbereich stark abholzig ausgebildet. Mit dem Alter nehmen sichtlich die Probleme mit der Stammfußfäule und dem Wurzelschwamm zu.

Waldbauliche Empfehlungen

Weil die Thuja auf exponierten Stellen durch Windwurf gefährdet ist und Trockenheit schlecht verträgt, sollte man in Brandenburg für sie Schluchten, Nord- und Nord-West-Hänge mit tiefgründigen, skelettreichen und frischen Böden in den Endmoränengebieten wählen. Wünschenswert sind auch Lokalisierungen in der Nähe von Gewässern, jedoch sollten Standorte mit Staunässe wegen Wurfgefahr und Hemmung des Wachstums unbedingt vermieden werden. Wichtig ist es, die Thuja unter Schirm zu begründen. Ähnlich wie die Douglasie ist sie besonders in der Jugend gegen Frost empfindlich. Bei Erreichen des Kronenschlusses sollte aber der Schirm bei ausreichender Schneedecke entfernt werden. Ein weiter Pflanzenverband soll frühzeitig das H-/D-Verhältnis der Thuja verbessern, um auf diese Weise in der Jugend dem Schneedruck besser entgegen zu wirken und die Standfestigkeit gegen den Wind zu erhöhen. Nach möglichst früh beginnender negativer Auslese (Entfernen von Zwieseln, Exemplaren mit Steilästen) sollte eine mäßige Hochdurchforstung folgen. Wegen ihrer hohen Schattenverträglichkeit eignet sich die Thuja hervorragend als Mischholz. Als temporäre Mischung in den betroffenen Kiefern-Beständen ist sie auch eine Alternative im Kampf gegen die Spätblühende Traubenkirsche. Bei der Durchführung von Hiebsmaßnahmen sollte man nicht vergessen, dass Thuja sehr empfindlich auf Fäll- und Rückeschäden reagiert und die beschädigten Stellen schnell durch Fäule erfasst werden.

Eine große Schattenverträglichkeit eröffnet dem Waldbauer unzählige Einsatzmöglichkeiten für diese Baumart. Von großer Bedeutung ist auch ihre Neigung zur Bildung von Naturverjüngung. Die Thuja-Bestände geben dem Wild gute Deckung und bieten ausgezeichnete Lebensbedingungen für Kleinlebewesen. Angesicht der noch schwer zu definierenden globalen Klimaveränderungen kann auch Thuja plicata eine Rolle spielen. Für den Aufbau klimaplastischer Wälder der Zukunft erhält man mit dem Riesen-Lebensbaum eine vielseitig einsetzbare Alternative.

Herkunftsempfehlung

Der beste Weg, gutes Thuja-Saatgut zu gewinnen, ist der Rückgriff auf die Bestände, die sich im Verlaufe der letzten 130 Jahre bei uns bewährt haben. Berücksichtigen wir die Ertragsleistung und die Qualität der hier untersuchten Bestände, können wir die Herkünfte MAIENPFUHL 115, MAIENPFUHL 124, MAIENPFUHL 131 und SONNENBURG 47 für die qualitative Überprüfung des Saatguts empfehlen.