Das Gelingen einer Kultur hängt von zahlreichen Einflussfaktoren ab. Häufig wird der Kulturerfolg durch eine mangelhafte Pflanzenfrische, ungünstige Witterungsumstände nach der Pflanzung, intensive Konkurrenzvegetation sowie hohe Wild- und Mäusepopulationen gefährdet. Nicht selten überlagern sich die genannten Faktoren. Dann sind der Verlust der Kultur oder aber enorme Anstrengungen zu ihrer Sicherung vorprogrammiert.

Erfolg verspricht eine situationsangepasste Verjüngungsstrategie, die sich nicht nur auf die bestmögliche Pflanzung beschränkt, sondern alle Glieder des Verjüngungsprozesses optimal miteinander verknüpft. Dies fängt bereits bei der Wahl zu begründender Baumart(en) und dem entsprechenden waldbaulichen Vorgehen bei der Ernte des Ausgangsbestandes an.

Es folgen die Entscheidungen im Zuge der unmittelbaren Kulturbegründung: neben Pflanzenzahl und Pflanzverband sollten auch Überlegungen zur Kulturvorbereitung (Bodenarbeiten, Herbizideinsatz) und Kultursicherung (Kulturpflegen, Zaunbau, Einzelschutz) einfliessen.

Baumartenspezifische Standortsansprüche

Die Wuchsleistung und Stabilität der Baumarten wird durch die Summe der Standortseigenschaften bestimmt. Die Faktorenkomplexe: Licht und Wärmehaushalt, Bodenwasserhaushalt und die Nährstoffverhältnisse in der Bodenlösung sind hier besonders zu beachten. Wird einer dieser Faktoren stärker limitiert, so bestimmt dieser dann im Wesentlichen die Standortseignung der Baumarten.

Die allgemeine Eignung des Standortes für das Baumwachstum prägt maßgeblich auch die Kulturrisiken. Der schnellere Wuchs verkürzt auf besseren Standorten die schwierige Phase des Wettbewerbes mit der Bodenvegetation und einer Vielzahl anderer Organismen (Mäuse, Pilze und Insekten). Die Gehölze können ihre im aufrechten Wuchs fußenden Vorteile gegenüber Kräutern und Gräsern in kurzer Zeit ausbauen und den Jugendrisiken entwachsen.

Der Kulturaufwand steigt mit der Größe der zu verjüngenden Fläche und der Diskrepanz der Ausgangssituation zur natürlichen Entwicklungstendenz. So besitzen naturnahe Bestockungen mehrheitlich recht hohe Verjüngungspotenziale. Auch unter veränderten Standortbedingungen ist somit die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich Baumarten verjüngen, die unter neuen Umweltbedingungen stabil und konkurrenzstark (wüchsig) sind.

Die Situation ändert sich grundlegend, wenn die Baumartenpalette großräumig eingeschränkt ist und die Bestockung sich weit außerhalb ihres Standortsoptimums befindet. Neben flächigen Bestandeszusammenbrüchen können dann auch lange Phasen der natürlichen Wiederbewaldung eintreten.

Natürliche Verjüngung

Die Beobachtung der natürlichen Verjüngung der Bestände im Forstbetrieb stellt einen wesentlichen Ansatzpunkt für die Gestaltung des Verjüngungsprozesses dar. Das Vorkommen regelmäßig fruktifizierender Altbäume ist dabei allerdings noch kein Garant für ein hohes natürliches Verjüngungspotenzial. Erst das Wechselspiel zwischen der Verjüngungsökologie der Baumarten, der Bodenvegetation und der organischen Auflage ermöglicht oder verhindert die erfolgreiche Etablierung der Keimlinge (Verjüngungsprozess).

Je stärker eine konkurrenzstarke Bodenvegetation und kompakte Rohhumusauflagen die natürliche Verjüngung hindern, umso aufwändiger wird in der Regel auch die Anlage und Sicherung künstlich angelegter Verjüngungen.

Das Setzen räumlicher und zeitlicher Prioritäten bei der Holzernte und Verjüngung der Bestände hilft, auch bei erheblicher Verjüngungsnotwendigkeit, die daraus resultierenden finanziellen Belastungen auszubalancieren. Ziel muss es sein, alle verjüngungsnotwendigen Bestände möglichst noch vor den Problemen einer natürlichen Wiederbewaldung zu verjüngen.

Hohe Priorität haben dabei Bestände, die sich noch gut verjüngen lassen, aber bereits recht instabil sind oder zu einer Verschlechterung der Bodenvegetationsstruktur neigen. Flächen die bereits stark vergrast sind, können nur noch mit großem technischem und finanziellem Aufwand begründet werden. In der Priorität stehen sie hinter den erstgenannten Flächen. Neben jüngeren und konkurrenzstarken Beständen sind auch stabile Altbestockungen in standörtlich begünstigten Lagen von geringer Priorität.

Aufwuchs im Schatten des Altbestandes

Über den Schirm des Altbestandes lassen sich die klimatischen Standortsbedingungen in der Anwuchsphase günstig beeinflussen. Aufgrund positiver Wirkungen auf den Wasserhaushalt der sensiblen jungen Bäume profitieren diese von ausgeglichenen Tagesgängen der Luft- und Bodentemperatur, sowie der Luftfeuchte. Frost- und Strahlungsschäden werden vermieden.

Zunächst ist jede Baumart gut darauf vorbereitet unter dem Kronendach von Altbäumen zu keimen und anzuwachsen. Ihre Charakterisierung als "Licht-" oder "Schattbaumart“ beschreibt hingegen das artspezifische Vermögen unter Schirm zu überdauern und in die Höhe zu wachsen. So ertragen Schattbaumarten wie Buche und Weißtanne längere Schirmstellungen, wogegen Eichen, Kiefern und Birken nach wenigen Jahren wieder vergehen oder ihr Höhenwachstum nach und nach einstellen.

Die vorteilhafte Begründung im Voranbau setzt jedoch stabile Ausgangsbestockungen voraus. Zudem müssen Dichte und Dauer der Überschirmung unter dem Aspekt der Wurzelkonkurrenz um Wasser und Nährstoffe betrachtet werden. Je trockener und ärmer die standörtlichen Voraussetzungen sind, umso kürzer und lichter müssen die Schirmstellungen ausfallen. Ab einer gewissen Grenze überwiegen sogar die negativen Konkurrenzeffekte des Altbestandes und ein Anbau im Seitenschutz ist dem Voranbau vorzuziehen.

Über Vorwald zum Ziel

Bei instabilen Schirmsituationen ist es ratsam, von der Begründung frostempfindlicher Baumarten abzusehen und einen Umweg über eine Zwischenbestockung zu gehen. Auf Umwegen zum Ziel heißt dabei nicht den umständlichsten Weg zu gehen. Häufig lassen sich Baumarten "bequem“ verjüngen, die auf lange Sicht geringe Erfolgsaussichten bieten oder hohen Kalamitätsrisiken unterliegen.

Die Begründung eines Vorwaldes aus Pionier- oder Intermediärbaumarten ist eine Möglichkeit derartige ökologische Sackgassen mit geringerem Aufwand zu verlassen. Entweder kommen die verwendeten Baumarten, entsprechende Keimbedingungen vorausgesetzt, reichlich über Naturverjüngung an (Aspe, Birke, Eberesche) oder lassen sich mit vertretbarem Aufwand anbauen (Lärche).

Vorwaldbaumarten sind unempfindlich gegenüber standörtlichen Extremen (Frost, Trockenheit) und werden von Wild und Mäusen nicht bevorzugt. Ein rasches Jugendwachstum verhilft ihnen, selbst starker Konkurrenz durch die Bodenvegetation zu entkommen und erwirtschaftet zeitig erste Holzerträge. Diesbezüglich kann bei derartigen Anbauten auch gezielt auf besonders schnell wachsende Sorten (Hybridlärche, Hochleistungssorten der Aspe) zurückgegriffen werden.

Wichtig ist es, Vorwälder auch als solche zu verstehen und rechtzeitig auf das langfristige Bestockungsziel hinzuarbeiten. Konkret bedeutet dies, dass ein Vorwald aus Lärche noch bevor sich unter seinem lichten Schirm eine neue Grasdecke einfindet mit langfristig stabilen Baumarten verjüngt wird.

Einsatz technischer Mittel

Technische Mittel helfenausgehend von der situationsangepassten Baumartenwahl das Pflanzverfahren zu verbessern, die Anwuchserfolge zu steigern und die Kulturen gegenüber Fraßschäden zu sichern.

Mit maschinellen Bodenvorarbeiten oder den Einsatz von Herbiziden soll der Aufwand für mehr oder weniger umfangreiche Kulturpflegen und Nachbesserungen minimiert werden. Kalkulatorisch heben sich die Kosten einmaliger Kulturvorbereitung und wiederholter Maßnahmen der Kultursicherung in der Regel bis zur Dickungsphase auf. Aufgrund der Wechselwirkungen zwischen der Konkurrenzvegetation, Trocknis- und Mäuseschäden birgt der Verzicht auf Kulturvorbereitungen jedoch höhere Kostenrisiken und gleichzeitig geringere Qualitätsaussichten.

Die Bandbreite der verfügbaren Geräte ist genauso groß wie die Vielfältigkeit der Verfahren. Vor allem die teureren Verfahren zur Bodenbearbeitung (Lochbohrer, Lochkrümler, Fräse) sind nicht immer sinnvoll und hilfreich. Auf extrem verdichteten Schiefer- oder Lößböden vermindert das durch die Bodenarbeiten herbeigeführte Pflanzbett das Risiko von Wurzeldeformationen durch die Pflanzung. Auf gut durchlüfteten Gesteinsböden und den hydrophoben Diabasböden ist es dagegen eher unnütz oder nachteilig, da es negative Effekte auf die Porenverteilung und den humusbedingten Wasserhaushalt geben kann.

Die Beseitigung verdämmender Bodenvegetationsdecken oder kompakter Rohhumusauflagen mittels Bagger, Pflug oder rotierender Scheiben sind demgegenüber deutlich günstiger, vermindern temporär die Wurzelkonkurrenz der Begleitvegetation und erhöhen die Wahrscheinlichkeit des Ankommens von Begleitbaumarten. Sie sind daher auf allen befahrenen Standorten zu empfehlen.

Beeinflussbarkeit der Risiken

Während die Struktur der Bodenvegetation kleinräumig manipuliert werden kann, ist mit Blick auf die Populationsdynamik und Beweglichkeit von Mäusen auch das das Verhalten und Vorgehen der Waldnachbarn mit entscheidend. Dies gilt in viel stärkerem Maße auch für die verbeißenden Wildarten und die Regulation der Wildtierpopulationen über die Jagd.

Maßnahmen gegen Wildverbiss machen in etwa ein Viertel der Kulturkosten aus. Anhand der Stammzahlen, Größe und Form der Verjüngungsflächen kann eine kostenbasierte Entscheidung zwischen dem Schutz einzelner Pflanzen und der Zäunung der gesamten Verjüngung getroffen werden.

Je nach Flächenform rechnet sich die Zäunung ab Pflanzendichten zwischen 1.500 und 3.000 Bäumen pro Hektar. Der Einzelschutz ist vor allem bei stammzahlarmen Ergänzungen von Naturverjüngungen, oder einzelnen im Weitverband beigemischten besonders verbissgefährdeten Laubbäumen sinnvoll.

Die Menge des benötigten Materials hängt ebenso wie die dem Wild entzogene Äsungsfläche stark vom Verjüngungsfortschritt ab. So bestimmt die Zeit, in der eine Kultur dem Äser des Wildes entwachsen ist, die Wiederverwendbarkeit des Materials und das Risiko des Verlustes der Schutzwirkung durch Beschädigungen. Diesbezüglich verstärken sich die durch entsprechende Kulturvorbereitung herbeigeführten positiven Wirkungen optimaler Anwuchsbedingungen.

Kostengünstig wirtschaften

Möglichst geringe Pflanzenzahlen helfen, Kosten zu sparen, da sie der wesentliche Kostentreiber sind. Allerdings hängt das spätere Ertragspotenzial der Bestände von der Astreinigung in einer Phase relativ gleichförmigen Dichtstandes und der Wipfelschäftigkeit (apikale Dominanz / Knospenstellung) der Baumart ab.

Wichtig ist es daher, dass sich die Kulturen möglichst rasch schließen. Unter widrigen Umständen sollte deshalb ein Risikopuffer eingeplant werden, der Verluste durch Ausfälle bei Pflanzung, Mäuseschäden, Kulturpflegen, Wildverbiss und spätere Erntenutzungen im Oberstand ausgleicht.

Bei Kulturen mit hohen Pflanzenzahlen und teuren Pflanzen bieten sich alternative Trupppflanzungen an. Im Pflanzschema (siehe Abb.4) werden die Anforderungen nach Dichtstand in der Jugend über einen engen Pflanzverband im Trupp mit einer an der Baumdimension zum Zeitpunkt der Kronenfreistellung orientierten Truppgröße zweckdienlich kombiniert. Die Kosten von Eichen- und Buchenkulturen lassen sich bei vergleichbaren Qualitätserwartungen damit um etwa ein Drittel senken.

Darüber hinaus zeigen Beispiele, dass extrem stammzahlarme Kulturen nicht zwangsläufig nur geringwertige Holzsortimente liefern. Die natürliche Astreinigung durch den Dichtstand muss dann in der Regel durch Ästungen kompensiert werden.

Auch die Verwendung qualitativ sehr hochwertigen Pflanzenmaterials kann die erziehende Wirkung des Dichtstandes in Grenzen ersetzen. Dennoch wirkt der im Rahmen eines Bestandeslebens nicht unwahrscheinliche Verlust einzelner Bäume durch zufällige Schadereignisse hier ungleich schwerwiegender. Die Anwendung derartiger Konzepte sollten deshalb zwingend auch das Ankommen von Begleitbaumarten fördern.

Hohen Kulturrisiken wird häufig über die Verwendung größerer Pflanzensortimente begegnet. Allerdings steigen damit die Anforderungen an das Pflanzverfahren, um Wurzeldeformationen zu vermeiden. Die eine ungestörte Wurzelentwicklung garantierenden Saaten scheiden unter dem Regime einer intensiven Konkurrenzvegetation risikobedingt aus.

Erfolgreich – auch bei schwierigen Voraussetzungen

Auch unter widrigen Umständen lassen sich Forstkulturen erfolgreich etablieren. Eine situationsgerechte Baumartenwahl und optimale abgestimmte Begründungsverfahren werden zum Schlüssel des Erfolges.

Je nach Betriebsgröße und dem Anteil verjüngungsnotwendiger Bestände ist es dabei wichtig, sich nicht auf ein bestimmtes Begründungsverfahren zu stützen, sondern verschiedene Verjüngungsverfahren, wie Voranbau, Anbau im Seitenschutz und die Anlage von Vorwäldern geschickt entsprechend der standörtlichen Voraussetzungen und Bestockungssituationen zu kombinieren.

Am wichtigsten aber ist es, den Verjüngungsprozess rechtzeitig zu beginnen und aktiv zu gestalten. Fortwährend nur auf die Störungen zu reagieren und später die Kulturen unter widrigen Umständen begründen zu müssen, ist auf jeden Fall die kostspieligste Variante.