Trockenheit, intensive Sonneneinstrahlung und hohe Temperaturen erschweren die Begründung von Forstkulturen. Bodenhilfsstoffe und Düngemittel können den Anwuchserfolg unter bestimmten Bedingungen unterstützen. Ein universell geeignetes Produkt gibt es jedoch nicht: Entscheidend sind das konkrete Standortdefizit, die gewünschte Wirkung und mögliche ökologische Risiken.
Bodenhilfsstoffe sind nur eine ergänzende Maßnahme
Auf größeren Schadflächen können Wassermangel, Nährstoffdefizite oder ungünstige Bodeneigenschaften den Anwuchserfolg gefährden. Der Markt bietet zahlreiche Produkte, die Wasser speichern, Nährstoffe bereitstellen oder das Bodenleben fördern sollen. Ihre Wirkung unterscheidet sich allerdings erheblich.
Bodenhilfsstoffe und Düngemittel ersetzen daher weder hochwertiges Pflanzenmaterial noch eine fachgerechte Pflanzung. Für den Kulturerfolg sind vor allem folgende Punkte entscheidend:
- vitale Pflanzen mit einem gut ausgebildeten Wurzelsystem und hohem Feinwurzelanteil,
- ein möglichst kühl-feuchter Pflanzzeitpunkt bei ausreichender Bodenfeuchte,
- der Schutz der Wurzeln vor Austrocknung bei Transport und Lagerung,
- ein ausreichend tiefes Pflanzloch bis in den gewachsenen Mineralboden,
- das Vermeiden von Wurzelstauchungen und unnötigem Wurzelschnitt,
- die Begrenzung konkurrierender Begleitvegetation.
Bodenhilfsstoffe kommen ergänzend infrage, wenn ein konkretes Defizit des Standortes ausgeglichen werden soll.
Das Produkt muss zum Standort passen
Je nach Ausgangslage eignen sich unterschiedliche Produktgruppen:
| Ausgangslage | Ziel | Geeignete Produktgruppen |
|---|---|---|
| Sehr trockener Standort mit geringer Wasserspeicherkapazität | Trockenperioden während der Anwuchsphase überbrücken | biobasierte Hydrogele, Pflanzenkohle oder Terra Preta |
| Versauerter Standort | pH-Wert anheben, Bodenstruktur verbessern und Standort langfristig regenerieren | Gesteinsmehle mit Düngewirkung wie Kalk oder Dolomit, gegebenenfalls Holzaschen |
| Nährstoffarmer Standort | Nährstoffdepot aufbauen und biologische Aktivität fördern | Terra Preta oder Komposte |
| Stark gestörter Boden oder Rekultivierungsfläche | Bodenleben wieder aufbauen | Produkte mit zugesetzten Mikroorganismen oder leonardithaltige Produkte |
Vor der Ausbringung nährstoffhaltiger Produkte ist eine Bodenanalyse zu empfehlen. Nur so lässt sich beurteilen, ob tatsächlich ein Nährstoffmangel besteht und welche Dosierung angemessen ist.
Welche Produktgruppen gibt es?
Die untersuchten Bodenhilfsstoffe und Düngemittel lassen sich in zehn Produktgruppen einteilen:
- Hydrogele,
- Pflanzenkohlen und Terra Preta,
- Gesteinsmehle mit geringen Nährstoffgehalten,
- Produkte mit zugesetzten Mikroorganismen,
- synthetische mineralische Düngemittel,
- Gesteinsmehle mit Düngewirkung,
- Holzaschen,
- Komposte,
- Produkte mit sekundären Pflanzenstoffen und weiteren Pflanzenderivaten,
- Schafwolle und andere Dünger tierischen Ursprungs.
Die Produktgruppen unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit, ihrer Kosten und möglicher ökologischer Risiken. Die folgende Auswahl konzentriert sich auf diejenigen Gruppen, die für die praktische Entscheidung besonders relevant sind. Eine ausführliche Bewertung aller Produktgruppen und einzelner marktverfügbarer Produkte enthält die Publikation.
Hydrogele: Wasserspeicher mit Unterschieden
Hydrogele nehmen Niederschlagswasser auf und geben es bei Trockenheit wieder an die Pflanzen ab. Besonders auf grobkörnigen, sandigen Böden können sie die Wasserversorgung verbessern. Auf feineren oder verdichteten Böden ist der Effekt häufig geringer.
Aus ökologischer Sicht muss zwischen biobasierten und polyacrylatbasierten Produkten unterschieden werden. Polyacrylatbasierte Hydrogele werden im Waldboden nur sehr langsam abgebaut. Zudem ist die Unbedenklichkeit ihrer Abbauprodukte bislang nicht abschließend geklärt. Wo Hydrogele eingesetzt werden, sollten deshalb biobasierte Produkte bevorzugt werden.
Auch bei Hydrogelen ist die Dosierung wichtig: Übermäßiges Aufquellen kann den Boden im Pflanzloch zu stark lockern und im Extremfall die Pflanze anheben.
Pflanzenkohle nicht unbehandelt einsetzen
Pflanzenkohle besitzt eine große innere Oberfläche und kann Wasser und Nährstoffe speichern. Sie kann insbesondere auf sandigen Böden die Porosität und Wasserhaltefähigkeit verbessern. Reine, nicht mit Nährstoffen angereicherte Pflanzenkohle kann dem Boden zunächst jedoch Nährstoffe entziehen und diese vorübergehend binden.
Für nährstoffarme Standorte ist deshalb in der Regel „aufgeladene“ Pflanzenkohle – beispielsweise Terra Preta – besser geeignet. Bei der Auswahl sollte auf zertifizierte Produkte geachtet werden. Eine Zertifizierung nach dem European Biochar Certificate (EBC) begrenzt unter anderem mögliche Belastungen mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen.
Komposte: günstig, aber Qualität beachten
Komposte führen Nährstoffe über mehrere Jahre zu und fördern die Aktivität der Bodenorganismen. Durch die Verbesserung der Bodenstruktur können sie außerdem die Wasserspeicherfähigkeit erhöhen. Sie gehören zu den vergleichsweise kostengünstigen Möglichkeiten.
Mögliche Risiken sind die Einschleppung von Unkrautsamen oder Krankheitserregern. Daher sollten nur qualitätsgesicherte und zertifizierte Komposte verwendet werden.
Vorsicht bei schnell wirkenden Düngemitteln
Synthetische mineralische Düngemittel stellen Nährstoffe unmittelbar zur Verfügung. Eine falsche Dosierung kann jedoch zur Auswaschung von Nährstoffen, insbesondere Nitrat, führen. Eine zu starke Stickstoffversorgung kann zudem das oberirdische Wachstum auf Kosten des Wurzelsystems fördern. Die Pflanzen werden dadurch unter Umständen anfälliger für Trockenstress.
Auch Schafwolle und andere Dünger tierischen Ursprungs besitzen häufig hohe Stickstoffgehalte und nicht immer geeignete Nährstoffverhältnisse. Ihr Einsatz sollte deshalb ebenfalls am tatsächlichen Nährstoffbedarf ausgerichtet werden.
Gesteinsmehle mit geringen Nährstoffgehalten sind zwar ökologisch weitgehend unbedenklich und preiswert. Aufgrund ihrer langsamen Verwitterung tragen sie jedoch kaum dazu bei, den Anwuchserfolg innerhalb der ersten drei Jahre zu verbessern.
Qualität und Dosierung entscheiden
Für den Einsatz in Forstkulturen sollten möglichst Produkte gewählt werden, die durch anerkannte Systeme wie RAL, EBC oder DLG geprüft und zertifiziert sind. Dadurch lassen sich Risiken durch Schadstoffe, nicht deklarierte Inhaltsstoffe oder keimfähige Samen reduzieren.
Grundsätzlich gilt:
- nur bei einem konkreten Standortdefizit einsetzen,
- die Anwendungsempfehlungen und Dosierungen einhalten,
- bei nährstoffhaltigen Produkten vorher den Boden untersuchen,
- biobasierte Hydrogele gegenüber polyacrylatbasierten Produkten bevorzugen,
- Pflanzenkohle möglichst zertifiziert und bei Nährstoffmangel bereits „aufgeladen“ verwenden,
- ausschließlich qualitätsgesicherte Komposte, Pflanzenkohlen und Aschen einsetzen,
- Kosten und Arbeitsaufwand in die Entscheidung einbeziehen.
Bodenhilfsstoffe können die Anwuchsphase unterstützen, wenn sie gezielt und standortgerecht eingesetzt werden. Der Erfolg einer Kultur hängt jedoch weiterhin in erster Linie von Pflanzenqualität, Pflanzzeitpunkt, Pflanztechnik und Kulturpflege ab.
Ausführliche Informationen zu Wirkungsweisen, ökologischen Risiken, Kosten, rechtlichen Rahmenbedingungen und einzelnen Produktgruppen enthält die Publikation „Bodenhilfsstoffe und Düngemittel für den Einsatz in Forstkulturen“. Die Untersuchung bildet den Marktstand von August 2025 ab.







