Robust sieht anders aus - Risiken des Douglasienanbaues

Die Douglasie: eine anspruchsvolle und keineswegs leicht zu etablierende Baumart. In einigen älteren Voranbauten treten Probleme mit der Stabilität auf. Wurzeluntersuchungen liefern erste Anhaltspunkte zu deren Ursachen.

Die Douglasie fällt immer wieder durch beeindruckende Baumdimensionen und hohe Wuchsleistungen auf. Unter den sich ändernden Standortsbedingungen zielt ihr vermehrter Anbau auf stabile, wüchsige Wälder, die die Investitionen in diese Baumart rechtfertigen. Die Douglasie ist zugleich aber auch eine anspruchsvolle und keineswegs leicht zu etablierende Baumart.

Eine entscheidende Weichenstellung für den Erfolg oder Misserfolg des Douglasienanbaus erfolgt bereits mit der Herkunftswahl, dem Pflanzverfahren und vor allem der Qualität seiner Ausführung. In einigen Versuchsvoranbauten des Staatsbetriebes Sachsenforst förderte Schneedruck bisher verborgene Risiken der Bestandesbegründung zutage. Hohe Anteile gekippter Bäume deuten, in Abhängigkeit von Bodenvorarbeiten und bodenbildendem Grundgestein, auf eine oftmals unzureichende Bodenverankerung hin. Anscheinend hält die Entwicklung des Wurzelwerkes vielerorts nicht mit dem enormen Höhenwachstum mit. Systematische Wurzeluntersuchungen geben erste Anhaltspunkte, welche Ursachen für die unzureichende Wurzelentwicklung maßgeblich sein können.

Wurzeluntersuchungen

Ausgehend von den vermuteten Ursachen wurden verschiedene Begründungsverfahren als auch unterschiedliche Befallsstärken der Rostigen Douglasienschütte bei der Auswahl der 28 Untersuchungsbäume einbezogen. So sind die Douglasien des Versuches in Trossin Kreuzungsnachkommen mit genetisch bedingt sehr unterschiedlich hohem Befall durch die Rostige Douglasienschütte.

Die Versuche in Olbernhau (Gneis) und Conradswiese (Phyllit) unterscheiden sich zunächst hinsichtlich des Grundgesteins vom Sandboden in Trossin. Zudem erfolgten hier streifenweise Bodenvorarbeiten im patentierten PeinPlant-Verfahren, die mit dem Einsatz von Erdbohrgeraten verglichen werden. Rotierende Fräsen vermengen dabei die Humusauflage und der Oberboden zu einem weitgehend homogenen, lockeren Substrat, dem zusätzlich 0,5 kg Kalk pro Laufmeter zugegeben werden.

Zur Ermittlung der Wurzelverteilung im Boden wurden für jeden Baum quer zur Bearbeitungsrichtung ein zwei Meter breites und mindestens 60 cm tiefes Bodenprofil aufgegraben. Die Profile wurden ausgehend von der Stammachse sowohl horizontal als auch vertikal in insgesamt 17 Bodenblöcke unterteilt. Für jeden dieser Blöcke wurden die darin vorgefundenen Wurzelmassen und Bodeneigenschaften, wie pH-Wert, Rohdichte und das Volumen von Grob- und Feinporen bestimmt.

In Anbetracht der Vielgestaltigkeit von Wurzelsystemen ist es relativ schwer, mit wenigen Bäumen die vorgefundenen Unterschiede zu bewerten und statistisch abzusichern. Multivariate Analysen zeigen jedoch markante Unterschiede in der variantenspezifischen Ausprägung der Wurzelwerte auf.

Einfluss der Standortseigenschaften

Ausgehend vom arttypischen Herzwurzelsystem der Douglasie bewirken die physikalischen und chemischen Bodeneigenschaften mehr oder weniger deutliche Abweichungen. Bei Kunstverjüngungen kommen weitere Faktoren hinzu. Die Einflussmöglichkeiten beginnen mit der Anzucht in der Baumschule und reichen bis zur Wahl und Ausführung des Pflanzverfahrens. In einer derart kleinen Untersuchung lassen sich die genannten Faktoren, nicht zuletzt auch wegen ihrer gegenseitigen Beeinflussung, nicht trennen.

Obwohl man der Douglasie eine Vorliebe für gut durchlüftete Böden nachsagt, korrespondiert die Luftkapazität kaum mit den im jeweiligen Bodenblock vorgefundenen Wurzelmassen (Korrelationskoeffizient 0,2). Demgegenüber fällt die Beziehung zwischen den Wurzelmassen und der Bodenazidität (ausgedruckt im pH-Wert / Korrelationskoeffizient 0,5) eindeutig aus. Somit erscheinen bei den in Sachsen vorherrschenden sauren Böden die im Zusammenhang mit der Nährstoffaufnahme stehenden Eigenschaften für die Wurzelmassen wichtiger zu sein.

Bodenbearbeitung kontraproduktiv

Bereits der erste Blick auf die gefallenen Baume und dabei sichtbaren Wurzelsysteme lies einen negativen Einfluss der Bodenvorarbeiten vermuten. Dabei sollten gerade durch die maschinelle Auflockerung des Bodens, die Einarbeitung ungünstiger Humusauflagen und die Kalkapplikation optimale Bedingungen für die Pflanzung und gute Anwuchsbedingungen erzielt werden.

Etwa 15 Jahre nach Anlage der Frässtreifen lässt sich ein Einfluss der Bodenarbeiten auf die Substratdichte und Porenverteilung nicht mehr nachweisen. Das unmittelbar nach dem Fräsen lockere Substratgemisch (vgl. Abb. 5) hat sich deutlich gesetzt, so dass die Fraßstreifen als Vertiefung der Bodenoberflache gut zu erkennen sind. Demgegenüber sind die pH-Werte durch die Kalkung im bearbeiteten Bodenkörper noch immer erhöht. Die Hydroniumkonzentrationen erreichen nur ein Viertel bis die Hälfte der im unmittelbar benachbarten Boden gemessenen Werte!

Aus den gleichen Gründen, weshalb sich die Wurzelmassen tendenziell in der Humusauflage und im Oberboden konzentrieren, führt auch die Verbesserung des bodenchemischen Milieus durch die Kalkung zu einer entsprechenden Zunahme der Wurzelmassen. Im Extremfall konzentrieren sich diese Wurzeln aber fast vollständig im Fraßstreifen.

Hinzu kommen noch Effekte der unzureichenden Verankerung der jungen Pflanze im lockeren Substrat. Wahrscheinlich neigen sich im Zuge des Setzungsprozesses die Stammachsen aus dem Lot und fördern so die Ausbildung anormaler Wurzelsysteme (vgl. Abb. 4). Auch manuelle Kalkbeigaben scheinen eher nachteilige Wirkungen zu entfalten, da die Douglasie empfindlich auf freien Kalk im Boden reagiert (vgl. Abb. 3).

In der Gesamtschau wirken durch die Kalkung hervorgerufenen Gradienten des pH-Wertes in stark sauren Boden, deren chemisches Milieu der Douglasie nicht zusagt, negativ auf die Stabilität. Dabei sind das zwar feinwurzelreiche, aber kompakte Wurzelwerk einerseits, als auch das durch die gute Ernährungssituation beschleunigte Höhenwachstum kontraproduktiv. Im Ergebnis weisen die in Handpflanzung begründeten Douglasien ein ausgedünnteres, aber deutlich weiter reichendes Wurzelsystem und eine bessere Statik auf.

Schüttbefall als wesentliches Risiko

Aber auch auf den für die Wurzelentwicklung optimalen Sandbraunerden fielen Bäume mit symmetrischen und weit ausladenden Wurzelwerken um. Diese Douglasien wiesen einen extremen Schüttebefall auf.

Der durch feucht-kühle Frühjahrswitterung begünstigte Pilz führt nach Befall der austreibenden Nadeln bereits im ersten Sommer zu Nadelbräunung und Nadelfall. Die Zahl der Nadeljahrgänge und die Benadelungsdichte, ausgedrückt in Nadelmassen pro cm Trieblänge, sind gute quantitative Weiser der Befallsintensität. So weisen vitale Bäume an allen vier betrachteten Jahrgängen hohe Nadeldichten auf, während bei anhaltend hohem Befall nur der aktuelle Jahrgang vergleichbare Nadeldichten hat.

Korrespondierend mit der für den Stoffaufbau entscheidenden Nadeldichte nehmen auch die Wurzelmassen mit zunehmendem Schüttebefall ab. Wenngleich die Trieblangen noch über Jahre konstant bleiben können, wird die Pflanze anfälliger gegenüber Trockenperioden und anderen Pilzerkrankungen, wie Wurzelschwamm (Rotfäule) oder Hallimasch, die nicht selten ihr Absterben bedingen.

Weder Euphorie noch Resignation

Die eingangs aufgeführten Schäden durch Schneedruck sind ernüchternd und halten in vielen Revieren Sachsens die Euphorie für den Douglasienanbau in Grenzen. Sie rechtfertigen jedoch auch keine Resignation. Vielmehr fordern Sie uns auf, den Anbau der Douglasie die entsprechende Aufmerksamkeit und Sorgfalt zukommen zu lassen. Bei dieser empfindlichen Baumart ist die handwerklich bestmögliche Pflanzung für den späteren Anbauerfolg ebenso entscheidend wie eine möglichst schütteresistente Herkunftswahl.

Hierzu abschliessend einige Hinweise:

  • Neben der Auswahl einer möglichst schütteresistenten Herkunft gilt es, ihre disbezügliche Gefährdung durch möglichst frühzeitige Räumung des Schirmes zu minimieren. Werden frostgefährdete Lagen beim Anbau gemieden, kann dies bereits nach 5 bis 10 Jahren mit Dichtschluss der Voranbauten geschehen.
  • Bodenvorarbeiten sind nicht generell zu verwerfen. Lockere Bodengefüge können negative Effekte der Pflanzung vermeiden (z. B. bei Stieleiche auf Pseudogley). Unter Berücksichtigung der expliziten Ansprüche der Douglasie an einen gut durchlüfteten Boden, besteht bei dieser Baumart jedoch keine Notwendigkeit für derartige Massnahmen.
  • Die Douglasie sollte nicht bei starker Versauerung des Oberbodens angebaut werden.
  • Von direkten Kalkgaben in Pflanzplatze ist bei Douglasie generell abzusehen.

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