Revierförster Thomas Einsele und Kreisforstingenieur Urban Hettich erläuterten und demonstrierten den rund 60 anwesenden Waldbesitzern die Methoden und Arbeitsgeräte zur Wertastung von Laub- und Nadelholz.

Astigkeit stellt neben Durchmesser und Stammform das wichtigste Qualitätskriterium bei der Produktion von Wertholz dar. Ausschlaggebend für eine Wertastung ist die Tatsache, dass der Hauptteil des Wertes eines Baumes im untersten Stammabschnitt liegt. Mit einer optimalen Astreinigung in diesem Bereich lässt sich die wirksamste Wertsteigerung erzielen. Das Wesentliche an der Wertholzpflege besteht also darin, zu erreichen, dass die Auslesebäume einen möglichst geraden Stamm ausbilden und astfreies Holz produzieren. Voraussetzung dafür ist nicht nur die Auswahl der Auslesebäume nach ihrer Wuchskraft, Vitalität und sozialer Stellung, sondern auch ihre entsprechende Förderung.

Wichtige Grundsätze der Wertastung

Die Baumarten lassen sich bezüglich der natürlichen Astreinigung in zwei Gruppen einteilen, die Totastverlierer und die Totasthalter. Bei Totastverlierern kann die gewünschte astfreie Schaftlänge durch natürliche Astreinigung im Dichtstand in der Jugendphase erzielt werden, da sie ihre Äste früh verlieren und sich so selbst reinigen. Zu dieser Gruppe gehören die meisten Laubholzarten, v.a. Linde, Buche, Eiche, Esche und Ahorn, nicht aber die Kirsche.

Totasthalter verlieren ihre Äste zu spät und hinterlassen lange Zeit dürre Aststummel. Bildung von astfreiem Holz ist hier nur bei einer rechtzeitigen Astung möglich.

Mit der Wertastung sollte möglichst früh begonnen werden; bei Nadelholz mit ca. 10–15 cm BHD (Brusthöhendurch-messer), bei Laubholz bereits mit 4–8cm BHD. Die entfernten Äste sollten möglichst dünn (< 3cm) und noch nicht verkernt sein.

Grünastung (Entfernung von grünen, lebenden Ästen) ist bezüglich Wundenverschluss und Überwallung geeigneter als Dürrastung (Entfernung abgestorbener Äste). Auch ist die Astung während der Vegetationsperiode allgemein geeigneter als jene während der Vegetationsruhe. Eine Ausnahme bildet hier die Douglasie, welche bei Astung während der Vegetationszeit anfällig für die Rindenschildkrankheit wird. Ansonsten reichen die empfohlenen Astungszeitpunkte von Spätwinter über spätes Frühjahr bis hin zum Sommer.

Um das weitere Wachstum nicht einzuschränken, darf die Krone nicht auf mehr als 60% der ursprünglichen Länge reduziert werden. Bei Nadelholz muss mindestens ein Drittel, bei Laubholz mindestens die Hälfte der Baumhöhe als Krone verbleiben, nur so kann ein gutes Wachstum und damit das rechtzeitige Erreichen des Zieldurchmessers gewährleistet werden. Es sollten jeweils nicht zu viele Äste auf einmal entfernt werden. Oft sind daher mehrere Astungsdurchgänge notwendig. Um den Arbeitsaufwand nicht unsinnig zu erhöhen, werden nur Zukunftsbäume im Endabstand geastet, die eine günstige langfristige Entwicklung in Bezug auf Vitalität und Qualität erwarten lassen.

Sorgfältige und korrekte Schnittführung

Je vitaler ein Baum und je gleichmässiger, kleiner, glatter und sauberer eine Schnittwunde ist, umso rascher wird diese überwallt. Unregelmässige, ausgerissene und ausgefranste Schnittwunden und Rindenverletzungen erhöhen das Fäulnisrisiko. Fachgerecht geschärftes Werkzeug ist natürlich Voraussetzung für einen glatten, splitterfreien Schnitt. Schwere Äste werden idealerweise zuerst 10 – 20 cm vor der Stammbasis abgeschnitten und dann mit einem zweiten Schnitt ganz entfernt. So kann verhindert werden, dass der Ast bis ins Holz hinein einreisst. Beim optimalen Schnitt bleiben keine Aststummel stehen und es wird kein Stammholz verletzt.

Die nachstehende Abbildung 4 zeigt unterschiedliche Schnitte: der Stummelschnitt a) wird bei schweren Ästen als Vorbereitung eingesetzt und verhindert das Aufreissen von Stammholz; Schnitt b) ist ein schlechter Schnitt, weil er zu weit aussen angesetzt wird und so ein zu langer Aststummel verbleibt; Schnitt c) ist der optimale Schnitt. Die Wunde ist möglichst klein und der Astkragen wird nicht verletzt. Schnitt d) ist wiederum ein sehr schlechter Schnitt, weil die Wund- stelle unnötig gross ist und der Astkragen stark verletzt wird.

Astungsvarianten

Darüberhinaus wurden an der Veranstaltung weitere Astungsmethoden diskutiert und demonstriert. Je nach Höhe und Dicke der zu entnehmenden Äste können Handsägen und Handscheren, bei Bedarf mittels einer Leiter, sowie Teleskopsägen (z.B. Sterzik-Säge) und Teleskopscheren verwendet werden. Beim Einsatz einer Leiter sind alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen unerlässlich (Sicherung etc.)! Auch ist das Polstern der obersten Sprosse nötig, damit keine Rindenverletzungen am Stamm verursacht werden.

Die besten Resultate sind immer bei der Astung mit der Handsäge zu erzielen, selbstverständlich nur bei fachgerechter und sorgfältiger Ausführung. Die wenig baumschonende Klettersäge wurde ebenfalls demonstriert, obschon sie sich für diese Arbeit nicht bewährt hat und kaum mehr eingesetzt wird.

Einfache Methode mit grosser Wirkung

Kreisforstingenieur Urban Hettich betonte, dass die Astung eine ökonomisch attraktive und leicht umsetzbare Investition zur Produktion von Wertholz ist. Sie ermöglicht, Wertholz oder sogar Furnierholz bester Qualität zu produzieren. Bei gezielter Förderung respektive Freistellung der Wertholzträger können in verhältnismässig kurzer Zeit dimensionsstarke Qualitätsstämme heranwachsen.