Dokumentation von Schäden

Informationen über den Umfang, die Intensität und die regionale Verbreitung von Waldschäden sind nicht nur eine gesetzliche Forderung (§ 34 Pflanzenschutzgesetz der BRD) und wesentlich für die laufende Steuerung im Forstbetrieb sondern sie können auch zur:

  • Erkennung langfristiger Änderungen in der Bedeutung bekannter und neuer Schad­ursachen,
  • der Problemdarstellung gegenüber Öffentlichkeit und Politik sowie
  • zur fundierten Ableitung von Schlussfolgerungen für den gebietsdifferenzierten pro­phylaktischen Waldschutz

dienen. Diese Aufgaben gewinnen vor dem aktuellen Hintergrund des Klimawandels einerseits und der Ausdünnung von Fachkompetenz auf dem Spezialgebiet "Wald­schutz" im Zuge der Personalreduktion andererseits immer mehr an Bedeutung. In diesem Zusammen­hang lohnt ein Blick in Vergangenheit und Zukunft des in den ostdeutschen Bundeslän­dern fest etablierten Forstschutzmeldedienstes.

Historische Entwicklung

Die geschichtliche Entwicklung des kontinuierlichen Forstschutzmeldedienstes, die 1926 mit der Gründung der ersten Hauptstelle für forstlichen Pflanzenschutz am Zoolo­gischen Institut der Forstlichen Hochschule in Tharandt unter Leitung von Prof. H. Prell (siehe Abb. 1) begann, ist ausführlich in einem Beitrag in der Zeitschrift AFZ-Der Wald dargestellt.

In den Anfangsjahren des Meldewesens dominierte die Erfassung von Schäden durch forstschädliche Insekten. Von den 1926 überregional als bedeutsam eingestuften und regelmäßig erfassten 13 Arten wie z. B. Nonne, Buchdrucker und Eichenwickler werden auch heute noch 9 Arten standardmäßig und die übrigen optional erfasst. Fraßschäden durch Mäuse und die beiden häufigen Pilzerkrankungen Eichenmehltau und Kiefern­schütte wurden ebenfalls von Anfang an erhoben.

Später kamen abiotische Schäden hinzu, von denen der Wurf- und Bruchholzanfall von besonderem wirtschaftlichem Inte­resse sind. Gleiches gilt für Schaderreger, die erst in den letzten Jahren wirtschaftliche oder hygienische Bedeutung erlangten bzw. neu auftraten.

Meldung mit Methode

Der Meldedienst stützt sich auf die regelmäßige Berichterstattung einer relativ großen Anzahl von Meldestellen. Diese teilen in festgelegten Zeitabständen und nach vorge­gebenen Richtlinien die Ergebnisse ihre Beobachtungen der zuständigen Hauptstelle mit. Bei der Einführung umfasste der Meldedienst nur den Staatsforst. Er wurde jedoch später auch auf den Privat- und Kommunalwaldbesitz ausgedehnt und fand auch hier Ver­ständnis und uneingeschränkte Bereitschaft zur Mitarbeit.

Innerhalb von Deutschland bestanden bereits während der Einführung des Meldedienstes gebietsweise erhebliche Abstufungen in der Intensität der Datenerfassung. Sie richtete sich nach der jeweiligen Gefährdung der Waldbestände.

In Ostdeutschland war und ist diese z. T. noch heute auf Grund der klimatischen Bedingungen und den großflächigen Reinbeständen der Baumarten Kiefer und Fichte besonders hoch. Deshalb erfolgte in diesem Gebiet eine besonders intensive Erfassung der relevanten Schadfaktoren, die auch heute noch in den östlichen Bundesländern nach einem weitestgehend einheitlichen Muster durchgeführt wird.

Gegenwärtig sind alle Waldbesitzformen in die flächendeckende Überwachung der Waldbestände hinsichtlich des Auftretens von Schädlingen und Schäden integriert. Die Übermittlung der monatlich bzw. im Winterhalbjahr quartalsweise erhobenen Daten an die jeweilige Hauptstelle erfolgte seit Beginn der Einführung 1926 bis 1991 postalisch.

Gegenwärtig wird die Datenübertragung per Internet realisiert. Die Nutzer der Systeme können sich Ergebnisübersichten direkt erstellen und auch eigenständig wei­terführende Analysen erarbeiten.

Um einen Gastzugang für die im Freistaat Sachsen genutzte Version eines webbasierten Forstschutzmeldedienstes zu erhalten, nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf.

Stets auf dem neuesten Stand

Schätzt man heute die Bedeutung des vor 80 Jahren gegründeten Forstschutzmelde­dienstes ein, so kann festgestellt werden, dass er allein und im Verbund mit anderen Kontrollverfahren bislang die an ihn gestellten Erwartungen erfüllt hat. Die Forstbehör­den verfügten damit immer zeitnah über ausreichende Informationen zum Forst­schutzgeschehen in ihrem Zuständigkeitsbereich. Die Waldbesitzer und Bewirtschafter vor Ort erhielten Kenntnis von der Situation in angrenzenden Gebieten. Alle Betroffenen konnten damit sowohl auf aktuelle als auch auf sich entwickelnde Schadereignisse rechtzeitig und angemessen reagieren.

Nach dem Orkan "Kyrill" im Januar 2007 wurde das System in Sachsen zur schnellen Erfassung der angefallenen Wurf- und Bruchholzmengen und in der Folgezeit zur Do­kumentation des Aufarbeitungsfortschrittes auf Ebene der Reviere, getrennt nach den Eigentumsarten genutzt. Abweichend von den standardmäßigen Mel­dezyklen erfolgte auf Grund der in Folge erwarteten hohen Gefährdung durch Borkenkäfer eine wöchentliche Erfassung der Daten.

Einen besonderen Stellenwert hat in den Jahrzehnten des Bestehens die Überwachung des Auftretens von Stammschädlingen erlangt. Aufgrund der Kontinuität in der Anwendung und die beständige Weiterentwicklung stehen für bestimmte Schaderreger nunmehr sehr lange Zeitreihen zur Verfügung.

Durch die Nutzung der neuen Möglichkeiten der Informationstechnologie kann der Zeitaufwand für Datenerfas­sung, -auswertung und -speicherung reduziert werden. Angestrebt wird zukünftig die Einbindung von geografischen Informationen des Auftretens der Schäden.