Eine systematische Untersuchung von Eschenbeständen auf die Schadsymptome des Eschentriebsterbens zeigt die flächendeckende Verbreitung in Sachsen erschreckend deutlich. Dabei ist die Schädigung von Naturverjüngungen geringer als die von Voranbauten, Erst- und Wiederaufforstungen. Das Ergebnis deckt sich weitgehend mit den Einschätzungen aus anderen Bundesländern.

Die Schadensmeldungen in Sachsen und die mittlerweile flächige Verbreitung des Eschentriebsterbens machte Untersuchungen notwendig, um Kenntnis über das genaue Schadensausmass zu erlangen.

Über den Krankheitserreger sowie den Infektionszyklus besteht mittlerweile Klarheit. Dagegen sind Fragen zur Prädisposition und zu waldbaulichen Reaktionsmöglichkeiten noch weitgehend offen. Daher wurden in den untersuchten Eschenbeständen zusätzliche Parameter erfasst, um insbesondere Anhaltspunkte für eine eventuelle standörtliche Prädisposition zu finden.

Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind

Aufgrund ihrer hohen genetischen Variabilität, einer weiten standörtlichen Ausdehnung, ihrer großen Stabilität, der bislang geringen Anfälligkeit gegenüber Schaderregern und insbesondere wegen ihrer Trockentoleranz galt die Esche bis vor kurzem als Hoffnungsträger im Hinblick auf den Klimawandel. Doch seit einigen Jahren wird diese Baumart massiv von einer neuen Krankheit, dem Eschentriebsterben, befallen – mit weitreichenden Folgen für ihre wirtschaftliche sowie ökologische Bedeutung. Verursacher ist der Pilz "Falsches Weißes Stengelbecherchen“ (Hymenoscyphus pseudoalbidus) mit der Nebenfruchtform Chalara fraxinea.

Die Schadsymptome des Eschentriebsterbens wurden erstmals 1991 in Polen und dem Baltikum beobachtet. Von dort breitete sich die Krankheit rasant aus – mittlerweile hat sie einen großen Teil des natürlichen Verbreitungsgebietes der Esche bis hin nach Südeuropa erfasst.

Aus Sachsen liegen erste Schadmeldungen in Eschenaufforstungen seit 2005 vor. Um Kenntnis über das genaue Schadausmaß zu erlangen, erfolgte im Zeitraum von September 2010 bis Mai 2011 eine Bonitur von Eschenbeständennach einem einheitlichem Verfahren.

Das Ergebnis der Zusammenarbeit von Sachsenforst, den unteren Forstbehörden der Landkreise und den kreisfreien Städten war erschreckend – es existieren in Sachsen faktisch keine befallsfreien Bestände mehr. Dies deckt sich mit den zwischenzeitlichen Einschätzungen und Untersuchungen anderer Bundesländer.

Schadsymptome

Die Schadsymptome des Eschentriebsterbens sind vielfältig und hängen mit dem Krankheitszyklus zusammen: Im späten Frühjahr entwickelt sich die Hauptfruchtform des Pilzes auf dem vorjährigen Eschenlaub am Boden. Hier bilden sich Sporen, die mit dem Wind verfrachtet werden und die Blätter infizieren. Erste Anzeichen des Befalls sind Verfärbungen der Blätter und insbesondere der Blattspindeln im Sommer. Ab Ende Juli kann diese Verfärbung rasant zunehmen bis hin zu vollständiger Welke und Blattfall. Ausgehend von den Blättern wächst der Pilz in das unverholzte Mark der Zweige und von hieraus in bereits verholzte Bereiche ein. In diesem Stadium entstehen die typischen Rindennekrosen bzw. ein Absterben der Triebe. Die Nekrosen können bereits im Herbst gebildet werden. Das vollständige Ausmaß des Befalls wird jedoch erst im kommenden Frühjahr sichtbar, da der Pilz auch im Winter sein Wachstum fortsetzt.

Insbesondere über befallene Kurztriebe kann sich die Krankheit auch auf den Stamm ausbreiten und führt dort ebenfalls zu Nekrosen. Unterhalb der abgestorbenen Triebe bildet die Pflanze Regenerationstriebe. Mehrfacher Befall führt zur Verbuschung. Befallenes Holz ist nicht infektiös. Vom Eschentriebsterben sind Eschen aller Altersstufen und auf allen Standorten betroffen. Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Intensität auf Nassstandorten etwas höher, was mit den dort günstigen Entwicklungsbedingungen für den Pilz in Zusammenhang gebracht wird. Der Krankheitsverlauf an der Einzelpflanze kann sich, insbesondere an älteren Eschen, über viele Jahre hinziehen, bei Jungpflanzen führt er häufig zum raschen Absterben. Stark befallene Eschen sind geschwächt und werden anfällig für weitere Schaderreger, wie Hallimasch oder Eschenbastkäfer.

Anfangs galten nur die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) und die in Südeuropa heimische Schmalblättrige Esche (Fraxinus angustifolia) als gefährdet, mittlerweile wurde das Eschentriebsterben auch an anderen Eschenarten beobachtet, z.B. an der aus Nordamerika stammenden und bei uns in Auwäldern vorkommenden Rotesche (Fraxinus pennsylvanica).

Empfehlungen für den Staatswald

Maßnahmen zur wirksamen Eindämmung der Krankheit sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bekannt. Anlass zur Hoffnung gibt die Beobachtung, dass in nahezu allen, zum Teil seit mehreren Jahren geschädigten Beständen noch immer Eschen zu finden sind, die wenig bzw. gar nicht geschädigt sind. Für den Staatswald in Sachsen hat das Referat Waldbau und Waldschutz im Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft des Sachsenforstes folgende Empfehlungen gegeben, die auch Grundlage der Beratung von privaten und körperschaftlichen Waldbesitzern sind:

  • Vom Anbau der Esche wird gegenwärtig abgeraten, da eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit des Totalausfalls besteht. Als Ersatzbaumarten kommen in Abhängigkeit vom Kleinstandort insbesondere Schwarz-Erle, Berg-Ahorn und Stiel-Eiche in Kombination mit Hainbuche in Frage.
  • In jungen Eschenbeständen sollten vitale, wenig geschädigte Individuen unabhängig von ihrer Qualität durch Entnahme mehrerer benachbarter Bestandesglieder gefördert werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass großkronige, vitale Eschen widerstandsfähiger sind, auch wenn sie keine vollständige Resistenz gegenüber dem Eschentriebsterben besitzen. Ein Dichthalten von Eschen-Jungbeständen sollte unterbleiben.
  • Das Entfernen absterbender/abgestorbener Bäume ist aus waldhygienischen Gründen nicht erforderlich. Ebenso kann ein Rückschnitt ins gesunde Holz bzw. das "Aufden-Stock-Setzen“ von Jungeschen zwar geschädigte Pflanzenteile beseitigen, aber die Neuinfektion nicht verhindern. Jedoch sollten befallene Altbäume rechtzeitig entnommen werden, bevor es zu einer Holzentwertung kommt. Darüber hinaus sind Aspekte der Verkehrssicherung zu berücksichtigen.
  • Auf das Auftreten von Folgeschäden, insbesondere durch Eschenbastkäfer, ist zu achten. Er kann vorgeschädigte Bäume weiter schwächen. Wird ein Befall durch diesen Käfer erkannt, so sollten befallene Bäume unverzüglich entnommen und das aufgearbeitete Holz aus den Beständen abgefahren werden. Dadurch wird dem Eschenbastkäfer weiterer Brutraum entzogen.
  • Naturverjüngung sollte durch Eingriffe im Schirm gefördert werden (insofern dies keine Ertragseinbußen nach sich zieht), um ihr optimale Wuchsbedingungen zu bieten.

Darüber hinaus wurden vom Sachsenforst wie auch von einigen unteren Forstbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte Versuchsflächen eingerichtet, um den weiteren Verlauf des Eschentriebsterbens, das eventuelle Vorkommen resistenter Individuen sowie die Auswirkungen waldbaulicher Maßnahmen zu untersuchen.