Ja, der Titel ist provokant. Er ist das Resümee langjähriger Waldschutzerfahrungen in Deutschland. Die Situation der Zulassung von Insektiziden für die Ausbringung mit Hubschraubern im Wald lässt insbesondere im "Kiefernland" Brandenburg seit 2010 immer weniger Möglichkeiten, den Waldschutz zu sichern. Schwierig ist dabei, dass die Argumente der Naturschutzseite gegen diese Notfallmaßnahme, insbesondere auf Bundesebene, wenig fachlich fundiert sind und die langjährigen Erfahrungen der Waldschutzspezialisten der Länder prinzipiell in Frage gestellt werden. Benötigt wird dringend die Akzeptanz der im Wald sehr restriktiv angewandten Pflanzenschutzmaßnahmen - durch Politik, Bevölkerung und auch Naturschutzverbände. Es geht letztlich um den Erhalt des Waldes (§1 BWaldG) und damit dessen multifunktionaler Wirkungen.

Was beeinflusst den Vitalitätszustand von Wäldern?

Gerade im Kiefernland Brandenburg sind Forstschadinsekten ein ganz wesentlicher Faktor, der die Vitalität von Bäumen direkt oder indirekt beeinflusst. Und auch wenn Insektizidmaßnahmen nicht populär sind, diese bestimmen den Waldzustand mit.

Das Waldschutz-Monitoring ist eine Grundlage dafür, dass der Forstbereich im Vergleich zu anderen Landnutzern Vorbild ist, was die Erreichung der im „Nationalen Aktionsplan für die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln“ geforderten Ziele betrifft (notwendiges Maß, Teilapplikationen oder Offizialberatung).

In den vergangenen 25 Jahren konnte so selbst Brandenburg - durch den hohen Kiefernanteil im deutschlandweiten Vergleich am stärksten durch Bestandesschädlinge gefährdet - den Insektizideinsatz im Durchschnitt pro Jahr auf ca. 1 % der Waldfläche begrenzen.

Der Rechtliche Rahmen für Insektizideinsätze im Forst (Hubschrauberapplikation)

In der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln ist ein grundsätzliches Verbot von Luftfahrzeugen formuliert. 2012 wurden im Pflanzenschutzgesetz als Ausnahmen für den Einsatz von Hubschraubern Wald und Steillagen im Weinbau festgeschrieben. Dabei hat aber die geforderte besondere Bewertung des Risikos eines Insektizideinsatzes für den Naturhaushalt hohe Hürden aufgebaut. Der administrative Aufwand für den Einsatz von Dipel ES oder Karate per Hubschrauber im Wald ist hoch (Tab. 1). Neue Auflagen verhindern zunehmend eine effektive Bekämpfung. So ist seit 2011 der Einsatz auf maximal 50 % eines Waldgebietes beschränkt. 2014 wurde der Begriff Waldgebiet genau definiert, als im Amtlichen Topografischen-kartografischen Informationssystem (ATKIS) für Wald und Gehölz zusammengefasster Flächentyp.

In den BVL-Genehmigungen für 2014 gab es ein generelles Verbot des Einsatzes in Naturschutzgebieten. Nach dem erwartungsgemäß flächigen Kahlfraß durch Kiefernspinnerraupen im NSG „Lieberoser Endmoräne“ (Abb. 2) erfolgte ein Umdenken.

Am 20. Februar 2015 hat das BVL den neuen Genehmigungsanträgen (§ 18 PflSchG) des Landes Brandenburg stattgegeben. Diese gelten für Deutschland und entsprechend der Zulassungen der beiden Mittel für Bodenapplikationen. Die Entscheidung über den Einsatz der Insektizide in Naturschutzgebieten liegt wieder bei den zuständigen Länderbehörden. Neu ist eine Öffnungsklausel für die 50 %-Regelung, d. h. größere Flächen sind mit Monitoringdaten zu belegen.

Tab. 1: Rechtliche Grundlagen für den hubschraubergestützten Insektizid-Einsatz in den Wäldern: Jährlich neue Anträge.

Argumente für den Einsatz von Insektiziden mit Hubschraubern im Forst bei drohendem Waldverlust

Einige wichtige Argumente für den Beleg des sehr verantwortungsvollen Einsatzes von Insektiziden im Wald:

  • Die Schadensschwelle im Forst ist mit dem Kriterium Waldverlust sehr hoch.
  • Umfangreiche Untersuchungsergebnisse zum Regenerationsvermögen der Kiefer nach massiven Fraßschäden als Grundlage für die Bewertung der Gefährdung von Beständen liegen vor. Waldverluste in der Vergangenheit belegen die Gefährdungseinschätzung.
  • Waldschutzprognosen stützen sich auf ein bewährtes Schädlingsmonitoring (Abb. 3).
  • Offizialberatung erfolgt durch Waldschutzspezialisten.
  • Untersuchungsergebnisse zum Einfluss von Störungen auf die Arthropodenfauna, sowohl durch den Einsatz von Insektiziden als auch Kahlfraß zeigen, dass signifikante sowohl akute als auch langfristige Auswirkungen von Insektizidapplikationen auf Nicht-Zielorganismen nicht nachweisbar sind. Bei Kahlfraß ist die gesamte Zönose durch die Unterbrechung der Nahrungskette über Monate bzw. durch langfristigen Lebensraumverlust betroffen.

Die Argumente des Umweltbundesamtes als Ergebnis der besonderen Bewertung des Risikos für den Naturhaushalt

In den Genehmigungen bzw. Zulassungen des BVL wird vorwiegend von möglichen "erheblichen initialen Effekten auf Populationen von Nichtziel-Arthropoden" ausgegangen und so mit der Notwendigkeit einer Wiederbesiedlung aus unbehandelten Bereichen argumentiert: "…die vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass es zu einer Erholung der Populationen kommen kann, die im Wesentlichen auf einer Wiederbesiedlung behandelter Flächen von außen beruht…". Seit Jahren erfolgen diese Hinweise im Konjunktiv.

Empfehlungen des Umweltbundesamtes zum Insektizideinsatz in Wäldern zeigen leider meist deutlich, dass weder die hohe Schadschwelle im Forst noch der entsprechende Aufwand für Monitoring und Prognose Anerkennung finden und gleichzeitig die realen Konsequenzen einer "Nichtbehandlung" bei bestehender Bestandesgefährdung ausgeblendet werden. Eine differenzierte Abwägung auf Grundlage der unterschiedlichen Wirkungsweise der Mittel erfolgt nur im Ausnahmefall. Der hohen Komplexität des Ökosystems Wald wird wenig Rechnung getragen.

Wie beeinflussen massive Fraß- bzw. Bestandesschäden die Multifunktionalität des Waldes? - Ausgewählte Aspekte

Die Konsequenzen flächiger Waldverluste für einzelne oder komplexe Waldfunktionen sind vielseitig. Einige Aspekte sollen hier diskutiert werden.

Im Zusammenhang mit der Bewertung des Waldes als CO2-Speicher wird dessen nachhaltige Nutzung favorisiert. Vor dem Hintergrund des Klimaschutzes zeigt sich die Brisanz des Verbots von Waldschutzmaßnahmen bei Prognose des großflächigen Verlusts von Wald auch aus sehr globalen Gesichtspunkten heraus deutlich.

Der Forstwirtschaft muss zugestanden werden, wirtschaftliche Konsequenzen von Bestandesverlusten zu bewerten. Holz ist gefragter und nachwachsender Rohstoff.

Betrachtet werden müssen die nach Kahlfraßereignissen erhöhte Gefährdung durch Folgeschäden und die Konsequenzen für die nächste Waldgeneration. Ein verringerter Bestockungsgrad mindert die dämpfende Wirkung des Bestandes bei Frost, hohen Temperaturen oder Sturm. Dramatisch ist auch der Verlust der Naturverjüngung bei Kahlfraßereignissen (Abb. 4).

Fazit

Verbessern lässt sich die Situation nur, wenn alle beteiligten Bundesbehörden (UBA, BfR, BVL) die Notwendigkeit des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln als letztes Mittel des Waldschutzes akzeptieren und die Qualität von Monitoring und Prognose anerkennen. Das schließt die Akzeptanz des Hubschraubereinsatzes ein. Die Fragen des Einflusses von Insektizideinsätzen auf Nicht-Ziel-Organismen müssen in Zukunft deutlicher vor dem Hintergrund der Komplexität der Waldökosysteme und auch unter Abwägung drohendem Waldverlustes diskutiert werden. Es gilt, Allianzen zu bilden, die in der Lage sind, rechtzeitig Strategien für zukünftige Schadszenarien zu entwickeln, wie Folgen von Witterungsextremen oder Quarantäneschädlingen. Dabei bleibt immer das Ziel, Waldschutzprobleme langfristig durch waldbauliche Strategien zu reduzieren.