Der Buchdrucker ist in Bayern für mehr als die Hälfte der Schadholzmenge verantwortlich. Höhere Temperaturen und großflächige Fichtenbestände begünstigen seine Entwicklung. Besonders gefährdet sind Fichten, die auf Standorten wachsen, die für sie zunehmend zu warm oder zu trocken werden. Um die Ausbreitung des Käfers zu begrenzen, müssen Waldbesitzende den Befall frühzeitig erkennen und befallene Bäume rechtzeitig aufarbeiten.
Den Schwärmflug rechtzeitig erkennen
Das Borkenkäfermonitoring der LWF startet jedes Jahr am 1. April. Einzelne Käfer können zwar schon früher unterwegs sein, für eine ausgeprägte Schwärmwelle müssen jedoch mehrere Bedingungen zusammenkommen: Die Lufttemperatur muss mindestens etwa 16,5 °C erreichen, eine ausreichende Temperatursumme oberhalb des Entwicklungsnullpunkts von 8,3 °C muss erreicht sein und die Tageslänge muss passen. Anfang April sind Tag und Nacht ungefähr gleich lang. Treffen diese Bedingungen zusammen, schwärmen viele Käfer nahezu gleichzeitig aus.
Den Zeitpunkt zu kennen, ist für die Waldschutzpraxis entscheidend. Nach dem Einbohren der Käfer lässt sich frischer Befall zunächst am Bohrmehl erkennen. Nach etwa ein bis zwei Wochen ist dieses jedoch nicht mehr sichtbar. Wer früh kontrolliert, kann befallene Bäume rechtzeitig aufarbeiten und die weitere Vermehrung eindämmen.
Denn das Vermehrungspotenzial ist enorm: Der Buchdrucker kann im Jahr 3 Generationen und zusätzlich Geschwisterbruten anlegen. Aus einer übersehenen befallenen Fichte können so innerhalb einer Saison zahlreiche weitere Käfer entstehen. Deshalb kommt es darauf an, die Kontrollen zeitlich eng an der Käferentwicklung auszurichten.
Monitoring liefert wichtige Entscheidungshilfen
Um die Entwicklung des Buchdruckers in Bayern zu erfassen, betreibt die LWF ein landesweites Monitoring. An rund 130 Standorten werden Pheromonfallen eingesetzt, um die Käferflüge zu dokumentieren. An 20 Standorten liegen zusätzlich Bruthölzer aus. An ihnen lässt sich unter der Rinde verfolgen, wie weit sich die Brut entwickelt hat.
Betreut werden die Standorte von Revierleitenden der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie von teilnehmenden Betrieben der Bayerischen Staatsforsten, Kommunalwäldern und Nationalparks. Sie kontrollieren Fallen und Bruthölzer wöchentlich und übermitteln ihre Daten von April bis Ende September an die LWF. Dort werden die Ergebnisse ausgewertet und zeitnah veröffentlicht. Aus den Fangzahlen und dem Entwicklungsstand der Brut lassen sich bereits erfolgte Schwärmflüge nachvollziehen und weitere abschätzen.
Das Monitoring wird jährlich an die Situation angepasst. Wo der Befallsdruck hoch ist, können zusätzliche Standorte helfen, die regionale Entwicklung genauer einzuschätzen. In Gebieten mit nur noch wenigen Fichten kann die Überwachung dagegen reduziert werden.
Im Sommer dranbleiben, im Winter aufarbeiten
Borkenkäfermanagement ist eine Aufgabe für das ganze Jahr. Während der Schwärmzeit müssen Waldbesitzende regelmäßig kontrollieren, ob neue Bäume befallen wurden. Befallene Bäume sind zeitnah aufzuarbeiten und aus dem Wald zu bringen, bevor die Käfer weitere Bäume befallen können. Dabei entsteht ein Wettlauf zwischen der Aufarbeitung und dem fortschreitenden Neubefall.
Mit dem Ende der Schwärmzeit ist die Arbeit nicht erledigt. Im Winter bietet sich eine wichtige Gelegenheit, die Käferpopulation für das kommende Frühjahr zu reduzieren. Denn entgegen einer verbreiteten Annahme überwintert der überwiegende Teil der Buchdrucker nicht im Boden: Mehr als 70 % überwintern unter oder in der Rinde. Werden befallene Bäume rechtzeitig erkannt und samt Rinde aus dem Wald gebracht, lassen sich viele Käfer entfernen, bevor sie im Frühjahr erneut ausschwärmen.
Auch im Winter gibt es Hinweise auf Befall. Dazu zählen rot verfärbte Baumkronen, abblätternde Rinde und am Boden liegende grüne bis graugrüne Nadeln. Spechtabschläge können ebenfalls auf Käfer unter der Rinde hindeuten. Ein genauerer Blick auf Ein- und Ausbohrlöcher hilft bei der Beurteilung. Im Zweifelsfall schafft eine Kontrolle unter der Rinde Klarheit.
Die Wintermonate ersetzen jedoch nicht die Kontrollen während der Vegetationsperiode. Erst das Zusammenspiel aus frühzeitiger Befallserkennung im Sommer und konsequenter Aufarbeitung im Winter kann die Vermehrungsdynamik bremsen.
Nicht jede Fichte lässt sich halten
Konsequentes Borkenkäfermanagement kann Schäden begrenzen, aber nicht jeden Baum retten. Wo die Fichte nicht an den Standort angepasst ist, verschärfen Hitze und Trockenheit die Situation. Kommt der Buchdrucker hinzu, steigt das Risiko weiterer Schäden. Besonders deutlich zeigte sich diese Entwicklung beispielsweise im Frankenwald, wo die Trockenheit des Jahres 2018 den Befall stark begünstigte.
Die Fichte wird dennoch nicht überall aus dem Wald verschwinden. Entscheidend ist, wo sie wächst und wie die Bestände aufgebaut sind. Standortgerechte Mischwälder bieten andere Voraussetzungen als großflächige, fichtenreiche Bestände auf ungeeigneten Standorten. Borkenkäfermanagement und langfristiger Waldumbau gehören deshalb zusammen.
Unterstützung für Waldbesitzende
Die Bewältigung des Borkenkäferbefalls ist eine gemeinsame Aufgabe. Die LWF stellt Monitoringdaten, Prognosen und fachliche Informationen bereit. Forstliche Zusammenschlüsse unterstützen beispielsweise bei der Aufarbeitung und Holzvermarktung. Beratungsförsterinnen und -förster helfen, die Situation vor Ort einzuschätzen und geeignete Maßnahmen zu planen. Zudem können Waldbesitzende staatliche Förderangebote für die Bewältigung von Borkenkäferschäden und den Waldumbau nutzen.
Aktuelle Informationen bietet das Borkenkäfer-Infoportal der LWF. Dort finden sich unter anderem eine Risikokarte mit regionalen Gefährdungseinschätzungen und Daten zu den Monitoringstandorten. Der Newsletter “Blickpunkt Waldschutz” informiert über die aktuelle Entwicklung und anstehende Schwärmflüge. Wer Unterstützung im eigenen Wald benötigt, findet über den Försterfinder die zuständige forstliche Beratung.
Fazit: Borkenkäfermanagement endet nicht mit dem letzten Schwärmflug. Wer im Sommer aufmerksam kontrolliert und im Winter befallene Bäume samt Rinde konsequent aufarbeitet, kann die Ausgangsbedingungen für die nächste Saison verbessern. Zusammen mit standortgerechtem Waldumbau und forstlicher Beratung lässt sich das Risiko begrenzen – auch wenn sich nicht jeder Befall verhindern und nicht jede Fichte erhalten lässt.





