Im integrierten Waldschutz reichen die Maßnahmen von langfristigem Waldumbau und Anpassung der Waldstrukturen an den Klimawandel, über ein kontinuierlich durchgeführtes Befallsmonitoring bis hin zu akuten Bekämpfungsmaßnahmen. In erster Linie sind das mechanische Verfahren wie die Entrindung der Stämme oder die Zwischenlagerung befallener Stämme außerhalb des Waldes, um der unmittelbaren Ausbreitung der Borkenkäferpopulationen zügig entgegenzuwirken. 

Vorbeugung

Die Wahl standortgerechter Baumarten, die Mischung von verschiedenen Baumarten sowie die Förderung biologischer Gegenspieler durch eine naturnahe Waldbewirtschaftung sind langfristige Maßnahmen, um Borkenkäfergradationen vorzubeugen.

Zur Verhinderung von sich aufbauenden Borkenkäferpopulationen spielt die frühzeitige Beseitigung von bruttauglichem Material beispielsweise nach Windwürfen und Schneebruch eine entscheidende Rolle (vgl. Abb. 1).

Hierzu gehören auch die rechtzeitige Abfuhr regulär eingeschlagenen Nadelholzes sowie die Entfernung und Vernichtung bruttauglicher Resthölzer.

Befallsmonitoring

Die Überwachung von potenziell gefährdeten Nadelbaumbeständen auf Stehendbefall durch Borkenkäfer stellt eine wichtige Maßnahme des integrierten Borkenkäfermanagements dar.

Priorität bei der Käferbaumsuche haben die Ränder von sanierten Befallsnestern sowie durch reguläre Holznutzung freigestellte Bestandsränder (siehe Abb. 2).

Besonders wichtig ist die Kontrolle auch in der Nähe von Windwurf-und Schneebruchnestern [1].
Ziel ist es, den Befall möglichst früh zu erkennen und die betroffenen Bäume rechtzeitig vor dem Ausfliegen der entwickelten Käfer zu entnehmen. Das Management ist dabei umso effektiver, je früher es die Population reduziert.

Kontrollen sollten während der gesamten Flugzeit der Borkenkäfer durchgeführt werden, und zwar bei akuter Gradationsgefahr wöchentlich, sonst im zweiwöchigen Turnus. Auch im Spätherbst und Winter sind sporadische Kontrollen sinnvoll, um verspätet sichtbare Überwinterungsbäume zu erkennen und vor dem Ausflug der Käfer im Frühjahr zu sanieren.

Bekämpfung

Mechanische Maßnahmen – vorbeugend und bekämpfend anwendbar

Grundsätzlich kann durch rechtzeitige mechanische Maßnahmen wie die Entrindung der Stämme oder das Hacken des Holzes (siehe Abb. 3 und 4) sowie durch die Zwischenlagerung befallener Stämme außerhalb des Waldes einer Ausbreitung der Borkenkäferpopulationen entgegengewirkt werden.

Chemische Maßnahmen

Darüber hinaus kann eine Bekämpfung der Borkenkäfer unter Umständen auch mit chemischen Insektiziden in Form der Polterspritzung erfolgen. Eine solche Maßnahme unterliegt jedoch strengen gesetzlichen Auflagen und ist stets das letzte Mittel der Wahl, d.h. sie darf nur angewandt werden, wenn alternative Maßnahmen nicht realisierbar sind.

Borkenkäfermanagement im Klimawandel

Ein klimabedingt erhöhtes Befallsrisiko hat für die Prozesskette des Managements insbesondere Auswirkungen auf den zeitlichen Ablauf und den Umfang notwendiger Maßnahmen [2]. Eine schnellere Käferentwicklung verbunden mit erhöhtem Schadholzaufkommen erfordert eine Beschleunigung der Befallserkennung, -aufarbeitung und -abfuhr oder des anderweitigen Unschädlichmachens betroffener Bäume. Hierzu müssen bisherige Maßnahmen angepasst und erweitert werden (z.B. räumlich differenzierte aktuelle Risikovorhersagen, Erhöhung der Kontrollfrequenz, App-basierte Befallserfassung, Erhöhung der Abfuhr- und Lagerkapazitäten (siehe Abb. 5)).

Betriebliche Abläufe und Kapazitäten sowie politische Steuerungselemente (Förderung) sollten auf zukünftige Kalamitäten vorbereitet und im Ernstfall rasch einsetzbar sein. Gleichzeitig muss dem klimabedingt steigenden Risiko von Massenvermehrungen mit mittel- und langfristigen vorbeugenden Maßnahmen begegnet werden (siehe oben).

Quellenangaben

  1. Kautz, M.; Delb, H.; Hielscher, K.; Hurling, R.; Lobinger, G.; Niesar, M.; Otto, L.-F.; Thiel, J. (2021): Borkenkäfer an Nadelbäumen – erkennen, vorbeugen, bekämpfen. FNR, Gülzow-Prüzen, 54 S
  2. Hlásny, T.; Krokene, P.; Liebhold, A.; Montagné-Huck, C.; Müller, J.; Qin, H.; Raffa, K.; Schelhaas, M-J.; Seidl, R.; Svoboda, M.; Viiri, H. (2019): Living with bark beetles: impacts, outlook and management options. From Science to Policy 8. European Forest Institute.