Im Sommer 2018 verschärfte sich die Situation hinsichtlich Borkenkäferschäden, sie verursachten im Laufe des Jahres österreichweit Schäden von über fünf Millionen Festmeter. Die rechtzeitige Abfuhr und bekämpfungstechnische Behandlung des befallenen Holzes erwiesen sich als bedeutendes Problem bei der Borkenkäferbekämpfung. Einige neue Methoden wurden dazu erprobt.

Der Sommer 2015 brachte einen dramatischen Anstieg der Schäden durch Borkenkäfer in den nördlichen und östlichen Teilen Österreichs. Seither bewegen sich diese auf Rekordniveau, insbesondere die Bezirke an und nördlich der Donau sind betroffen. Für diese Gebiete zeigt sich für die Jahre seit 2002 ein signifikanter Zusammenhang der Schäden durch Borkenkäfer mit hoher Temperatur und wenig Niederschlag.

Regionale Unterschiede

Borkenkäfer und andere sekundäre Rindenbrüter gehören sehr wahrscheinlich zu den Gewinnern des prognostizierten Klimawandels (Hoch et al. 2016 und 2017). Die Situation der letzten Jahre führt die dahinterliegenden Mechanismen vor Augen: Höhere Temperaturen während der Vegetationszeit ermöglichen Arten wie dem Buchdrucker eine raschere Entwicklung und durch mehrere Generationen ein wesentlich erhöhtes Vermehrungspotenzial. Trockenheit während der Vegetationszeit, verstärkt durch höhere Temperaturen, schwächt die Abwehrfähigkeit der Bäume gegen Attacken durch Borkenkäfer.

Die Entwicklung der Borkenkäfer verlief regional höchst unterschiedlich, die Rekordschäden der letzten Jahre beruhten im Wesentlichen auf einem enormen Anstieg in den nördlichen Landesteilen (Donauraum und nördlich davon). So trugen 2017 das Mühl- und Waldviertel gemeinsam zu etwa 50 Prozent der österreichweit verzeichneten Borkenkäferschäden bei (Abbildung 1). Diese deutlich überproportionalen Schäden begannen mit dem trocken-heißen Sommer 2015.

Eine Forschergruppe analysierte Borkenkäfer-Schadholzstatistiken aus 17 europäischen Staaten bzw. Regionen und konnte dabei zeigen, dass eine hohe Temperatur während der Vergetationsperiode sowie Trockenheit und Sturmschäden im Vorjahr die Wachstumsrate der Schäden durch den Buchdrucker förderten (Marini et al. 2017).

Diese Studie bestätigte somit die weithin akzeptierte große Bedeutung des Brutholzangebotes bei der Entstehung von Kalamitäten dieser Art auf der einen Seite und den Einfluss klimatischer Rahmenbedingungen auf der anderen Seite. Die Wechselwirkung zwischen Abwehrfähigkeit der Fichten und Anzahl der Buchdrucker bestimmt demnach, ob es zu Stehendbefall kommt. Ist die Massenvermehrung der Käfer stark genug, werden auch vitale Fichten erfolgreich attackiert (Christiansen & Bakke 1988).

Betrachtet man die Borkenkäferschäden in Wald- und Mühlviertel seit Beginn der Dokumentation der Waldschädigungsfaktoren (DWF), zeigt sich ein Zusammenhang der Wachstumsrate der Schäden mit Temperatur und Niederschlag: In warmen, trockenen Jahren steigen die Schäden, während sie in kühlen, niederschlagsreichen Jahren abnehmen (Abbildung 2). Der sonst oft beobachtete Einfluss der Schadholzmenge durch Sturm, Schnee oder Eis war für den Untersuchungszeitraum in den beiden Regionen nicht nachzuweisen.

Auch diese Analysen verdeutlichen den dramatischen Anstieg der Borkenkäferschäden im Jahr 2015 durch hohe Temperaturen und geringe Niederschlagsmengen. Höhere Niederschläge im Jahr 2016 dämpften die Entwicklung, die Borkenkäferpopulationen blieben jedoch auf extrem hohem Niveau, so dass 2017 auch wieder die Schäden zunahmen.

Die Witterungsbedingungen im Jahr 2018 waren für den Buchdrucker optimal. In ganz Österreich waren die Temperaturen deutlich über dem langjährigen Mittel. Für den Buchdrucker gab es ab Beginn der Brutaktivität keine längeren Perioden, die die Entwicklung gedämpft hätten. Die fertig entwickelte erste Generation des Jahres flog häufig bereits Ende Mai bis Anfang Juni aus. Schließlich konnten sich in den tieferen Lagen überall drei Generationen, in höheren Lagen häufig noch zwei Generationen im Jahr entwickeln.

Wohin mit dem befallenen Holz?

2018 kam auch noch ein logistisches Problem hinzu: Die großen Mengen an Käferholz konnten oft nicht rechtzeitig abgeführt oder nicht sofort verarbeitet und damit ungefährlich gemacht werden. Die Notwendigkeit, ein breiteres Spektrum an Methoden für die bekämpfungstechnische Behandlung zur Verfügung zu haben, wurde dabei offensichtlich. Das BFW erprobte deshalb einige erfolgversprechende Verfahren.

Nasslagerung ist ein bekanntes Verfahren zur Konservierung von unbefallenem Holz. Versuche am BFW zeigten, dass eine Beregnung mit 10-20 Liter/m²/Tag auch den Schlupf von Buchdruckern aus befallenem Holz unterdrücken kann (Thür 2019).

Ein anderer Ansatz war, durch Abdeckung von Poltern den Ausflug der sich entwickelnden Borkenkäfer zu verhindern. Silofolie oder ein Zellstoff-Polypropylen-Laminat stellten für den Buchdrucker keine wirksame mechanische Barriere dar. Bei letzterem könnte allenfalls unterstützend mit Insektiziden gearbeitet werden. Bau-Vlies zeigte in ersten Vorversuchen interessante Eigenschaften. Wie weit die Barrierewirkung tatsächlich eine insektizidfreie, alternative Bekämpfungsmöglichkeit bietet, muss in weiteren Versuchen getestet werden.

Die Situation entlasten könnte auch eine Entrindung des Holzes, beispielsweise im Rahmen der Aufarbeitung durch Harvester. Dies wird im Projekt DEBARK erforscht, an dem das BFW in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) arbeitet. Untersucht wird der Einfluss der Entrindung von befallenem und unbefallenem Holz zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf die Entwicklung der Borkenkäfer, mit Schwerpunkt auf den Buchdrucker.

Ebenso wurde die Bläueentwicklung bei entrindetem und nicht entrindetem Holz beurteilt. Die vorläufigen Ergebnisse stimmen aus forstschutztechnischer Sicht zuversichtlich, bedürfen aber noch weiterer Untersuchung. Desgleichen untersucht die BOKU die Methode aus der Sicht der Arbeitstechnik und Logistik. Eine Frage ist auch die Akzeptanz bei den Abnehmern.

Unter den derzeitigen Klimaszenarien werden Borkenkäfer – letztendlich nicht nur bei der Fichte – weiterhin von Bedeutung sein. Vor allem in jenen Gebieten, die durch Änderungen in der Niederschlagsverteilung und -menge durch Trockenheit zusätzlich belastet sind, werden Massenvermehrungen auch ohne das Vorhandensein von Brutholz aus Sturm und Schnee-Ereignissen möglich sein.

Vor allem in den derzeitigen Schwerpunktgebieten wird sich für die Forstbetriebe und Waldbesitzer neben Bestandesumwandlung als mittelfristige Maßnahme vor allem ein erhöhter Aufwand für Bekämpfungsmaßnahmen ergeben, der nur teilweise durch Förderungsmaßnahmen ausgeglichen werden kann. Von herausragender Bedeutung wird auch 2019 eine Lösung der logistischen und absatztechnischen Probleme und damit die Lagerung von (Käfer)holz in und außerhalb des Waldes unter Ausnützung aller bekämpfungstechnischen Möglichkeiten sein.