Das Borkenkäfermonitoring 2022 startete pünktlich zum 01. April. Im April fingen die Monitoringfallen aufgrund der eher kühlen und regnerischen Witterung nur vereinzelt Käfermengen über der Warnstufe von 1.000 Käfern je Falle und Woche. Der Schwärmflug verzögerte sich - wie im letzten Jahr – stark in den Mai hinein. Mit dem Hauptschwärmflug der Fichtenborkenkäfer in den tiefen und mittleren Lagen Bayerns bis 600 m über NN kann in den kommenden Tagen gerechnet werden.

Eine Ausnahme macht der Frankenwald als Hauptschadensgebiet der letzten beiden Jahre: hier zeichnete sich aus den aktuellen Meldungen ein verstärktes Schwärmen bei Höhen bis 600 über NN bereits einige Tage früher ab.

Abb 1 und 2: Borkenkäfermonitoring in Bayern: Spezialisten an der LWF werten die an Fallen und Bruthölzern gesammelten Daten von Forstrevieren aus. Die Ergebnisse daraus werden dann mit der aktuellen örtlichen Lageeinschätzung durch die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten verknüpft und in Kartenform dargestellt (Fotos: Tobias Hase, StMELF).

Voraussetzungen für den Schwärmflug

Damit ein Schwärmflug des Buchdruckers und Befall von Fichten erfolgen kann, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein:

  • Für den Schwärmflug muss die Lufttemperatur über 16,5 °C liegen.
  • Die Summe der Tageshöchsttemperatur über 8,3°C (Entwicklungsnullpunkt des Buchdruckers) ab dem 1. April muss 140 Tagesgrade überschreiten (Bsp.: Tageshöchsttemperatur 18,3 °C – 8,3°C = 10 Tagesgrade).

Eine Tageslichtlänge, wie sie ab Mitte April vorliegt, sorgt für ein zeitgleiches Fliegen der Buchdrucker. Die Temperaturen verschiedener Waldklimastationen der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) bis Anfang Mai zeigen sehr deutlich, dass die benötigte Temperatursumme von 140 Tagesgraden in den tieferen Lagen bis 600 m üNN. erreicht ist.

Sobald es zu warm-trockener Witterung kommt, muss mit einem ersten starken und anhaltenden Schwärmflug gerechnet werden.

Gefährdungspotential

Man geht davon aus, dass ein gleichzeitiger Angriff von einigen hundert Käfern ausreicht, um bei vitalen Fichten die Abwehrkräfte (Harzfluss) zu überwinden. Bei Vorschädigungen oder Trockenheit ist die Widerstandskraft des Baumes entsprechend geringer. Buchdrucker - wie auch sein kleinerer Verwandter, der Kupferstecher - haben ein enormes Vermehrungspotenzial. Je nach Witterungsverlauf können sie unter den gegenwärtigen Klimabedingungen 2 – 3 Generationen im Jahr anlegen. Hinzu kommen noch mehrere Geschwisterbruten je Generation, da die Elterntiere nach erfolgreicher Eiablage die Brutbilder verlassen und ihr Brutgeschäft anderen Orts fortsetzen. Für ein Käferjahr mit günstigen Entwicklungsbedingungen lässt sich daraus etwa folgendes Szenario für Buchdrucker ableiten:

  • Eine befallene Altfichte entlässt mindestens 20.000 Käfer, davon sind mind. 50 % Männchen.
  • Diese 10.000 Männchen sind in der Lage, mind. 20 weitere benachbarte Bäume erfolgreich zu befallen.
  • Daraus können wiederum mehr als 400.000 Käfer (200.000 Männchen) ausschwärmen, die weitere 400 Fichten erfolgreich befallen können.

Handlungsempfehlungen

Für eine erfolgreiche Bekämpfung ist die frühzeitige Suche nach Bohrmehl besonders wichtig. Dieses rieselt bei Brutbeginn als rotbraunes Pulver am Stamm herunter und sammelt sich an Rindenschuppen, am Stammfuß und auf der Vegetation im Umfeld befallener Bäume. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Bereichen, die bereits im Vorjahr betroffen waren sowie noch nicht aufgearbeitetem Sturmholz. Hier finden die Käfer ideale Brutmöglichkeiten vor und können sich massenhaft vermehren. Wird frischer Befall festgestellt, heißt es daher schnell sein.

Diese Bäume müssen konsequent aufgearbeitet und abgefahren oder mit einem Abstand von 500 Metern zum Wald gelagert werden. In diesem Zusammenhang sind geeignete Lagerflächen für das anfallende Käferholz frühzeitig zu planen und freizuhalten.

 

Abb. 5 und 6: Die Bohrmehlsuche ist aufwendig, stellt aber die einzig zuverlässige Möglichkeit für eine frühe Befallsdiagnose dar. Die Suche wird bei trockenem, möglichst windstillem Wetter durchgeführt. Ab Schwärmbeginn sind regelmäßige Kontrollen erforderlich, während der Schwärmwellen möglichst wöchentlich (Fotos: Johannes Buhl, AELF EE / Friedrich Maier, AELF WM).

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Weitere Informationen

Im Borkenkäferinfoportal der LWF können Sie tagesaktuell die regionale Gefährdungseinschätzung zum Buchdrucker- und Kupferstecherbefall sowie die Daten der einzelnen Monitoringstandorte abrufen. Die LWF informiert Sie auch über den "Blickpunkt Waldschutz" über das weitere Geschehen. Diesen können Sie hier abonnieren: Newsletter "Blickpunkt Waldschutz".

Um Borkenkäferbefall leichter erkennen zu können, hat die LWF die „Praxishilfe Buchdrucker und Kupferstecher – Befall erkennen“ entwickelt und vor kurzem veröffentlicht. Diese Broschüre bietet reichlich Anschauungsmaterial und entsprechende Handlungsempfehlungen zum Bekämpfen des Käfers. Durch das handliche Format kann sie leicht mit in den Wald genommen werden.