Teilmechanisiertes Verfahren - Hacken auf der Rückegasse

Der Haupthinderungsgrund für den verstärkten Einsatz von Holzenergie ist – unabhängig von nicht stimmenden Rahmenbedingungen - die meist mangelnde Wirtschaftlichkeit holzenergetischer Anlagen im Vergleich zu den mit fossilen Energieträgern betriebenen (erhöhte Investitionen, langfristige Kapitalbindung und Amortisationszeit). Fördermöglichkeiten bzw. günstige Energiepreise ("Billigmacher") verbessern die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen erheblich.

In Baden-Württemberg sind aktuell über 60 geförderte holzenergetische Wärmeerzeugungsanlagen in Betrieb. Der Waldholzanteil am Brennstoffmix dieser Anlagen beträgt überwiegend 30-50% mit eher abnehmender Tendenz. Die Bereitstellungskosten frei Verbrennungsstelle wirken sich maßgeblich auf den Anteil von Waldholz aus.

Um an dem bestehenden Energieholzmarkt konkurrenz- und damit wettbewerbsfähig zu sein, müssen im Bereich der Bereitstellung von Waldhackgut alle Rationalisierungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Schon auf Grund des Stück-Masse-Gesetzes kann man ableiten, daß Waldhackgut, welches vorwiegend aus Beständen schwacher Dimensionen kommt, preislich im Prinzip wenig konkurrenzfähig sein kann.

Vollmechanisierte, damit prinzipiell kostengünstige Verfahren für die Hackschnitzelherstellung scheiden in der Regel aus, u.a. weil der geringe Massenanfall einem wirtschaftlichen Einsatz entgegensteht.

Versuch im Forstbezirk Müllheim

Ziel einer Untersuchung im Fbz. Müllheim war die Beantwortung der Frage, ob es mit örtlich zur Verfügung stehender Technik in teilmechanisierten Bereitstellungsverfahren möglich ist, Waldhackschnitzel kostengünstig und konkurrenzfähig bereitstellen zu können und damit ggf. den Waldholzanteil am Brennstoffmix zu erhöhen. Die Fragestellung ist für das bestehende holzenergetische Großprojekt der Stadt Müllheim (Leistung im Endausbau: 3 MW Holz) sehr bedeutend, da jährlich ca. 12.500 Sm³ Hackschnitzel (entspricht 5.000 Fm) zur Verfügung stehen müssen. Bisher war ein Waldholzanteil von nahezu 50% vorgesehen.

Verfahrensmerkmale

Die Hackschnitzelbereitstellung erfolgt in der Praxis im Winterhalbjahr und zeitnah nach der Hiebsmaßnahme. Der Hacker kann je nach je nach Technik das Material auf der Rückegasse oder an der Waldstraße hacken. Im vorgestellten Verfahren wird auf der Rückegasse gehackt. Damit wird ein doppelt gebrochener Transport vermieden. Voraussetzung ist die systematische Erschließung der Bestände mit 4,0 m breiten Rückegassen im Abstand von 20 bis 40 Metern (idealerweise 30 m). Hangneigungen bis etwa 25% sind möglich.

Das motormanuelle Fällen/Aufarbeiten des Laubstarkholzes erfolgt nach dem gültigen EST-Standard-Arbeitsverfahren bzw. modifiziert im gelösten Verfahren (Ein-Mann-Arbeit in einer Zwei-Mann-Gruppe). Die Fällung erfolgt möglichst in Richtung Rückegasse. Die für die Energieholzgewinnung vorgesehenen Laubholzkronen sind –soweit erforderlich- durch zusätzliche Trennschnitte für das Hacken vorzubereiten.

Das Aufnehmen der Starkholzkronen und das Zuführen zum Trommelhacker des Mobilhackers (hier: ERJOFANTEN TM) erfolgt mit dem Kran des ERJO 7/65 RC (Kranreichweite 9,5m). Mit Hilfe eines Gebläses werden die erzeugten Hackschnitzel in den Container auf dem Hinterwagen geblasen.

Die Maschine arbeitet von der Rückegasse aus; nicht erreichbare Kronen bleiben liegen.

Durch den Aufbau von Fahrerhaus, Hacker, Motor und Kran auf einem Drehkranz des Vorderwagens (Schwenkbereich 200 Grad) kann Holz aus unterschiedlichen Richtungen aufgenommen werden. Dies bedeutet: hohe Effektivität, bestandes- und bodenschonende Arbeitsweise.

Das Rücken bis zur Waldstraße erfolgt mit dem Huckepack-Container des Mobilhackers (Fassungsvermögen 17 Sm³). Der Transport der Hackschnitzel ab Waldstraße bis zum Silo/Vorratslager erfolgt mit LKW-Container (Fassungsvermögen i.d.R. 34-40 Sm³).

Arbeitsablauf bei Stamm- und Energieholzgewinnung

  • Aufarbeitung der Hauptsortimente / Gipfelvorbereitung für das Hacken: Ausführung motormanueller Holzerntearbeiten einschl. Führung von Trennschnitten im Gipfelbereich; Bringung; Polterung; Holzaufnahme und ggf. Vermarktung von Stammholz/Industrieholz/Brennholz lang.

danach (zeitlich abgesetzt)

  • Energieholzgewinnung mit mobilem Großhacker: Aufnehmen der Kronen; Hacken auf der Rückegasse sowie Rücken bis Waldstraße mit Mobilhacker; Transport ab Waldstraße mit LKW-Container.

Ablauf der Energieholzgewinnung:

Arbeitsauftrag

  • Gipfel zerkleinern (soweit notwendig)
  • Energieholzaufarbeitung durch Mobilhacker von der Rückegasse aus (keine Flächenbefahrung)
  • Schonung des verbleibenden Bestandes und vorhandener Naturverjüngung.

Arbeitsvorbereitung

  • eventuell Ergänzung des Rückegassennetzes (Ziel: kurze Strecken, Rundumverkehr),
  • Festlegung, erforderlichenfalls Schaffung ausreichender Plätze für LKW-Wechselcontainer und Manipulationsarbeiten (Umfüllung vom Mobilhacker zum LKW-Container) einschließlich kartographischer Erfassung
  • örtliche Einweisung der Unternehmer in Gelände, Erschließung, Lagerplätze
  • Abstimmung von Logistik und Energieholzabsatz (Silo, Lager)

Ausrüstung (Energieholz)

  • Motorsägen, 2 Äxte, 4 Keile, 2 Kluppen, persönliche Schutzausrüstung
  • Mobilhacker
  • LKW/Container für Hackschnitzeltransport

Entlohnung

  • Trennschnitte im Gipfelbereich: freie Vereinbarung als Stücksatz außerhalb EST
  • Mobilhacker: freie Vereinbarung (üblich ist: Abrechnung nach Sm³ oder Stundensatz)
  • Transportunternehmer: freie Vereinbarung (üblich ist Festpreis pro Container, Sm³ oder Stundensatz)

Leistung und Kosten

  • siehe Abbildung 4

Risiken und Waldschutzfragen

  • Der Arbeitsbereich des Mobilhackers ist für Dritte zu sperren.
  • Keine Waldschutzprobleme

Durchführung der Erfolgskontrolle

  • Überprüfung der Maßnahmen hinsichtlich: Mengen- und Gewichtserfassung, Nachkalkulation (Wirtschaftlichkeit/Deckungsbeitrag), Boden- und Bestandespfleglichkeit (ggfs. Schadensaufnahme gemäß Aufnahmeschema der LFV Baden-Württemberg)

Beurteilung des Verfahrens

Boden- und Bestandespfleglichkeit 
  • Akzeptable Boden- und geringe Bestandesschäden bei ausschließlicher Befahrung des Feinerschließungsnetzes (Rückegassen, Maschinenwege) durch Verwendung von Breitreifen und die um 200 Grad schwenkbare Hackereinheit. Günstige Einsatzbedingungen sollten wegen des hohen statischen Bodendruckes im beladenen Zustand abgewartet werden.
  • Wenig Schäden in vorhandener Naturverjüngung
Ergonomie 
  • Das Führen der Trennschnitte im Gipfelbereich (3-5 Trennschschnitte/Gipfel) ist körperlich belastend, jedoch vertretbar, da der Anteil der Trennschnittführungen an der gesamten Holzaufarbeitung gering ist.
  • Für den Mobilhacker-Fahrer sind die Bedingungen durch ein klimatisiertes, isoliertes Sicherheitsfahrerhaus mit luftgefedertem Fahrersitz und ergonomisch ausgelegten Bedienungselementen sowie Video-Anlage für die Rückwärtsfahrt vergleichsweise günstig. Eine Lärmbelastung ist aber gegeben und die mentale Belastung ist dennoch hoch. Die sitzende Tätigkeit führt zu einseitiger körperlicher Belastung (Nacken, Schulter, Arm, Rücken).
Wirtschaftlichkeit 
  • Waldholz hat am eingangs erwähnten Brennstoffmix (weil teurer) einen begrenzten Anteil. Um konkurrenz- und damit wettbewerbsfähig zu sein, müssen alle Rationalisierungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden.
  • Durch die hohe Stück-Masse der Gipfel in Verbindung mit einem vergleichsweise hohen Flächenanfall von 50-80 Sm3/ha (Versuchsbestand 81 Sm3/ha) ergeben sich gute Voraussetzungen für einen relativ günstigen Waldhackschnitzelpreis frei Verbrennungsstelle.

Zusammenfassende Beurteilung

Das Verfahren "Hacken auf der Rückegasse" ist im untersuchten Einsatzspektrum (Vorratspflege im Laubstarkholz) bei ausreichender Erschließung mit Rückegassen gut geeignet und kostengünstig.

Bei den angeführten Leistungs- und Kostendaten ist zu berücksichtigen, dass der Energieinhalt (kW/Sm³) von Buche/Eiche gegenüber Nadelholz um mindestens 30 - 40% höher anzusetzen ist. Damit kann der Marktpreis pro Sm³ Buche/Eiche energiekosteneutral um diese Differenz höher liegen. Die Abrechnung nach Energieinhalt erfolgt in der Praxis in zunehmendem Umfang.

Hinsichtlich der Boden- und Witterungsverhältnisse sind günstige Einsatzbedingungen notwendig; den angeführten Untersuchungsergebnissen liegen bezüglich der Bodenverhältnisse ungünstige Bedingungen zugrunde.