Hackschnitzelproduktion als Chance für die Forstwirtschaft

Die Biomasse-Heizkraftwerke in Nord-Ost Italien nutzen Waldhackschnitzel nur zu einem sehr geringen Anteil. Diese Tatsache begründet sich nicht durch den Umstand einer fehlenden Ressource, sondern durch eine unzulängliche Schnittstelle zwischen Wald und Werk. Die Werke bewegen sich in industriellen Strukturen, während die Waldbesitzer oft Teil eines ländlichen Strukturgefüges sind, das zum großen Teil zersplittert und nicht unternehmerisch geprägt ist. Aber von Seiten der Waldbesitzer besteht ein enormes Potenzial. Es wäre bedauerlich, die Biomasse aus dem Wald ungenutzt zu lassen.Ein grundlegender Schritt ist die Strukturierung des Angebots ähnlich wie der Holzhandel dies schon macht, indem er Biomasse aus dem Wald erwirbt, hackt und verkauft. Die Waldbesitzervereinigungen könnten jedoch effizienter arbeiten, da sie im Gegensatz zum Holzhandel öffentliche Unterstützung bekommen.

Organisation und Logistik als entscheidender Faktor

Wenn die Waldbesitzer in diesen Markt eindringen wollen müssen sie fähig sein, mindestens 10.000 SRm im Jahr in einem einzigen Vertrag anzubieten. Eine derartige Menge anzubieten, ist für große Waldbesitzer und Verbände erreichbar, so z.B. die Magnifica Communita, die Fiemme oder der Consorzio Boschi Carnici. Kleine Waldbesitzer dagegen müssen kooperieren, um den Einstieg zu schaffen.

Ist einmal die "kritische Menge" (10.000 SRm) erreicht, können die Waldbesitzer Optimierungsaufgaben in Angriff nehmen. Optimiert werden kann insbesondere die Dienstleistung "Lagerung", so dass man zum Verdienst aus der Primärproduktion zusätzlich Verdienste für die Lagerung erzielen kann. Dies wäre im Interesse von allen Beteiligten. Da viele Werke einen begrenzten Lagerplatz haben ist es von Vorteil, einen potentiellen Lagerplatz anbieten zu können.
Durch die Anpassung des Einschlags, der Lagerung und des Hackens an den Zeitpunkt der Lieferung können Hackschnitzel mit optimalem Feuchtigkeitsgehalt bereitgestellt werden.

Die Übernahme der Lagerung und der Übergang zur Lieferung auf Nachfrage (oder nach Termin) bringt eine bemerkenswerte logistische Anstrengung für die Waldbesitzer mit sich. Hiebe müssen geplant, Lagerareale ausgesucht und Transporte organisiert werden. Insgesamt ein Arbeitsaufwand, der sich bei guter Ausführung bezahlt macht. Die Übernahme der Produktionskontrolle durch die Waldbesitzer bedeutet, dass diese die Bewegungen eines jahreszeitlich geprägten Marktes nützen können. Wenn z.B. das Angebot an Hackgut aus anderen Quellen gering ist und deshalb die Preise steigen, können die Waldbesitzer ihr gelagertes Hackgut auf den Markt zu bringen. Auf diese Weise werden Rohstoffengpässe, die die Sägewerke nicht ausgleichen können, durch Waldhackgut überbrückt.

Haben die Waldbesitzer die Kontrolle über die eigene Produktion übernommen wird es notwendig werden, die Qualität des Hackguts zu verbessern. Das Hackgut aus dem Wald ist im Durchschnitt schlechter als das Material industriellen Ursprungs. Dieser Unterschied ist aber überwindbar. Erhöhte Feuchtegehalte und Verschmutzungen mit Erde können vermieden werden, wenn umsichtig gearbeitet wird. Dies wird heute nicht immer praktiziert, da die Waldbesitzer entweder nicht ausreichend mit der Problematik vertraut sind oder nicht die entsprechenden Möglichkeiten haben. Auch kann die Form und Größe des Hackgutes aus dem Wald mit Hilfe verschiedener Techniken verbessert werden.

Die Chance einer Beteiligung der Forstwirtschaft am Biomassesektor besteht, allerdings müssen die Waldbesitzer wesentliche Abläufe der Logistigkette selbst organisieren und weiter optimieren. In vielen Fällen wird der Zusammenschluss zu Verbänden ein obligatorischer Schritt sein.