Bei der Bewirtschaftung von Kurzumtriebsplantagen (KUP) kommt früher oder später der Zeitpunkt, an dem entschieden werden muss, wie die Fläche geerntet werden soll: Für viele Praktiker ist dies Neuland. Dabei ist die Wahl der Erntetechnik ein zentraler Faktor, von dem oftmals die Gesamtwirtschaftlichkeit der KUP abhängt. Im Rahmen eines Forschungsprojekts hat sich die FVA Baden-Württemberg zur Aufgabe gemacht, eine Hilfestellung für den Praktiker zu entwickeln, auf deren Grundlage er seine Entscheidungen treffen kann. Mit dem "KUP-Ernteplaner" steht der Praxis nun ein Excel-basiertes Instrument zur Verfügung, mit dessen Hilfe man auf Grundlage der standortspezifischen Verhältnisse des zu erntenden Feldes verschiedene Ernteszenarien im Hinblick auf Kosten und Zeitbedarf durchkalkulieren kann.

Den KUP-Ernteplaner können Sie auf der FVA-Homepage kostenfrei herunterladen.

Im Rahmen des Forschungsprojekts "Kostenreduktion und Effizienzsteigerung von Kurzumtriebsbewirtschaftung" (CREFF) oblag es der FVA, effizientere Wege der Beerntung von KUP zu erarbeiten. Hierbei wurden verschiedene verfügbare Ernte- und Transportsysteme evaluiert, die bei der Ernte und Bewirtschaftung von KUP zum Einsatz kommen. Insgesamt führten die Wissenschaftler 28 begleitende Zeitstudien von Erntemaßnahmen durch. Zusätzlich dokumentierten sie die eingesetzte Transportlogistik und erarbeiteten Ansätze, diese zu verbessern. Es zeigte sich, dass inzwischen einige Erntesysteme zuverlässig arbeiten und problemlos eingesetzt werden können. Letztlich entscheiden jedoch auch standortspezifische Besonderheiten und individuelle Absatzpläne darüber, welche Methode angewendet werden sollte.

Untersuchte Erntemaschinen

Zu den untersuchten Erntemaschinen zählten verschiedene Typen von Gehölzmähhäckslern und Anbauhackern, die Hackschnitzel mittels vollmechanisierter Arbeitsverfahren erzeugen. Hierbei werden die Bäume der KUP in einem einzigen Arbeitsschritt geerntet und gehackt. Bei gebrochenen Arbeitsverfahren werden die Bäume in einem ersten Arbeitsschritt gefällt, danach gegebenenfalls gerückt und in einem weiteren Arbeitsschritt gehackt. Hierzu wurden Ernten mit einem speziellen Vollbaum-Ernter (der Stemster), forsttechnischen Aggregaten sowie Motorsägen dokumentiert.

Kostenabschätzung

Die Erzeugungskosten für Hackschnitzel mittels gebrochenen Arbeitsverfahren waren grundsätzlich höher als beim Einsatz von vollmechanisierten Ernteverfahren. Alleine die Kosten für das Hacken der Bäume bewegen sich bei gebrochenen Arbeitsverfahren bereits in den Größenordnungen, die bei vollmechanisierten Ernteverfahren für die komplette Ernte anfallen. Dies muss letztlich jedoch kein Nachteil sein, denn für das vorgetrocknete Material lassen sich wiederum höhere Preise erzielen und es lässt sich besser in kleineren Heizanlagen verwerten.

Steigerung der Effizienz durch den KUP-Ernteplaner

Das größte Potential zur Steigerung der Effizienz von Erntemaßnahmen wurde in einer besseren Organisation des Ernteablaufs gesehen. Vielfach hatten die Praktiker noch keine Erfahrung mit Ernten von KUP, so dass durch Fehleinschätzungen der Überfahrtsdauer der Erntemaschinen teilweise lange Wartezeiten entstanden.

Daher wurde ein auf Microsoft-Excel basierendes Rechentool namens "KUP-Ernteplaner" entwickelt, das die Planung von Ernteeinsätzen erleichtern und verbessern soll. Der KUP-Ernteplaner basiert hauptsächlich auf den in CREFF erhobenen Daten und ermöglicht es dem Landwirt, nach der standortspezifischen Eingabe von Feldparametern die ungefähren Kosten und die Zeitdauer einer geplanten Ernte zu ermitteln, oder auch herauszufinden, welches System für das in Frage kommende Feld ungeeignet ist. Die Auswahl von verschiedenen Erntemethoden und Transporteinheiten erlaubt es dabei, direkte Vergleiche zwischen den einzelnen Systemen vorzunehmen.

Stand der Erntetechnik im Jahr 2012

Die in CREFF gewonnenen Ergebnisse sind weiterhin in eine detaillierte Broschüre eingeflossen, in der die verschiedenen verfügbaren Erntemethoden vorgestellt und quantifiziert wurden. Diese Arbeit fasst den Stand der Erntetechnik im Jahr 2012 für die Bewirtschaftung von Kurzumtriebsplantagen zusammen und dient als Handreichung für Praktiker, Wissenschaftler und Interessierte.