Der Kleinprivatwald prägt die Waldlandschaft Baden-Württembergs in großen Teilen des Landes: Rund ein Drittel der Waldfläche befindet sich im Besitz von hunderttausenden Waldeigentümern. Die Flächen sind häufig klein strukturiert, oftmals verstreut und werden sehr unterschiedlich intensiv bewirtschaftet. Deshalb ist das Testbetriebsnetz Kleinprivatwald ein unverzichtbares Monitoringinstrument. Seine Funktion: die Situation des Kleinprivatwalds in Baden-Württemberg verstehen und weiterentwickeln. Es liefert Einblicke in die wirtschaftliche und strukturelle Situation dieser besonderen Waldbesitzart und ermöglicht so zielgenaue Beratung, Forschung und Politik.
Was für ein Netz!
Vor fast 50 Jahren hat die FVA das Testbetriebsnetz Kleinprivatwald ins Leben gerufen. Angesprochen sind Besitzer von Privatwaldflächen mit einer Größe von fünf bis 200 Hektar. Ihre Wälder begleitet die FVA wissenschaftlich und sammelt Daten, die Aussagen darüber ermöglichen, wie sich Entscheidungen, Maßnahmen und Umwelteinflüsse auf diesen Kleinprivatwald auswirken. Dank dieses gewonnenen Wissens erhalten Besitzer von Kleinprivatwald wertvolle Hinweise für eine erfolgreiche Waldbewirtschaftung. Im Fokus stehen vielfach Betriebe, deren Waldflächen in enger Verbindung zur landwirtschaftlichen Nutzung stehen – also klassische Bauernwälder.
Für Privatwald mit über 200 Hektar Fläche und für den öffentlichen Wald gab es dagegen bereits ein politisch verankertes Monitoringnetz des Bundes, das alle betriebswirtschaftlichen Fragen dieser Waldflächen regelmäßig untersucht.
Win-win: Empfehlungen für die Praxis, Daten für die Forschung
Die teilnehmenden Betriebe verteilen sich über ganz Baden-Württemberg und bilden die Bandbreite der naturräumlichen Gegebenheiten ab – vom Schwarzwald über die Schwäbische Alb bis hin zum Neckarland. Auch der Odenwald und Oberschwaben sind vertreten. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei etwas über 20 Hektar, was typische Herausforderungen mit sich bringt: Arbeiten lassen sich nicht gut automatisieren, es lässt sich kaum Aufwand durch die Größe der Fläche sparen und die Kosten verteilen sich auf eine relativ kleine Fläche.
Die Teilnahme am Netz ist freiwillig. Motiviert sind die Teilnehmer durch ihr Interesse am Betriebsgeschehen. So erhalten private Forstbetriebe, die oftmals zu klein für eine professionelle Buchführung oder Kosten-Leistungsrechnung sind, dank der im Testbetriebsnetz gewonnenen Daten verständlich aufbereitete Informationen über ihr Unternehmen.
Lange Zusammenarbeit liefert belastbare Zahlen
Die Datenerhebung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern, entweder durch persönliche Betriebsbesuche oder durch elektronische Übermittlung. Erfasst werden unter anderem:
- Holzeinschläge
- Sortimente
- Erlöse
- Kostenstrukturen
- Investitionen
- Fördermaßnahmen
- Bestandesstruktur
- Baumartenverteilung
- Waldbauliche Maßnahmen
Ein besonderes Merkmal des Testbetriebsnetzes ist der langfristige Ansatz: Viele Betriebe nehmen über Jahre hinweg teil, sodass die FVA zeitliche Entwicklungen und Trends belastbar analysieren kann. Dadurch lassen sich beispielsweise Auswirkungen von Extremereignissen wie Stürmen oder Trockenperioden ebenso nachvollziehen wie Veränderungen durch politische Rahmenbedingungen oder Marktpreisschwankungen.
Ergebnisse und Erkenntnisse aus den Testbetriebsnetzen
Lieber Industrie statt Wald
Die Auswertungen zeigen deutlich, dass das wirtschaftliche Interesse vieler Eigentümer an ihrem Forstbetrieb abnimmt. Insbesondere bei einem Generationenwechsel orientiert sich der oft gut ausgebildete Nachwuchs in Richtung Industrie, der Wald als Einkommensquelle gerät in den Hintergrund. Kleine Betriebe können insbesondere in Jahren mit niedrigen Holzpreisen oder hohen Schadholzanteilen schnell unter Druck geraten. Gleichzeitig zeigt sich jedoch auch, dass durch angepasste Bewirtschaftung, Kooperationen und gezielte Förderung stabile Ergebnisse möglich sind.
Von sporadischer Bewirtschaftung bis zur Professionalität
Ein weiteres Ergebnis ist die große Heterogenität der Betriebe. Während einige Waldbesitzer ihren Wald aktiv und professionell bewirtschaften, erfolgt die Nutzung in anderen Fällen eher sporadisch oder anlässlich von Schadereignissen.
Kleinprivatwald im Klimawandel
Auch der Klimawandel hinterlässt deutliche Spuren. Zunehmende Trockenheit, Schädlingsbefall und Extremwetterereignisse führen zu höheren Risiken und erfordern eine Anpassung der Bewirtschaftungsstrategien. Mischbestände, standortangepasste Baumartenwahl und eine kontinuierliche Pflege gewinnen daher auch hier zunehmend an Bedeutung.
Wie ist die Stimmung?
Neben rein betriebswirtschaftlichen Kennzahlen werden in Sondererhebungen immer wieder auch sozialwissenschaftliche Fragestellungen untersucht. Dadurch wird in unregelmäßigen Abständen auch die Stimmung in der Branche eingefangen, was für Verbände und Politik wichtige Hinweise liefern kann.
Zusammen stärker
Die Ergebnisse des Testbetriebsnetzes sind eine wertvolle Quelle für die Beratung der Waldbesitzer sowie für die Politik. Sie liefern praxisnahe Kennzahlen und Vergleichswerte, die eine realistische Einschätzung sowohl der eigenen Betriebsführung als auch der Situation der Branche als Ganzes ermöglichen. Daraus lassen sich Fördermöglichkeiten für den privaten Waldbesitz ableiten und ökonomisch kalkulieren.
Neben finanziellen Anreizen ist dabei die Förderung von Kooperationen ein wichtiger Aspekt. Zusammenschlüsse – etwa in Form von Forstbetriebsgemeinschaften – können helfen, wirtschaftliche Nachteile kleiner Flächen zu kompensieren. Gemeinsame Holzvermarktung, gebündelte Maßnahmen und der Einsatz spezialisierter Dienstleister eröffnen neue Perspektiven für eine effiziente Bewirtschaftung.
So geht es weiter
Das Testbetriebsnetz Kleinprivatwald wird kontinuierlich weiterentwickelt, um aktuellen Herausforderungen gerecht zu werden. Derzeit wird das gesamte Datenvolumen auf eine neue digitale Basis gestellt, um Erkenntnisse schneller und treffsicherer zu erzielen. Gleichzeitig sollen die teilnehmenden Betriebe intensiver betreut werden, um ihnen die Lieferung der geforderten Daten so einfach wie möglich zu machen und die Datenqualität weiter zu verbessern. Auch hier können künftig digitale Werkzeuge eine größere Rolle spielen – etwa bei der Datenerfassung, Auswertung und Rückmeldung an die Betriebe. Ziel ist es, den Nutzen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiter zu steigern und gleichzeitig die Datenbasis für Forschung und Politik zu verbessern.
Mehr Informationen
- Mehr Informationen finden Sie auf unserer Website: www.fva-bw.de/testbetriebsnetze
- Sie besitzen Privatwald und wollen ebenfalls Teil des Testbetriebsnetzes werden? Schreiben Sie uns: Alfons.Bieling@forst.bwl.de







