Waldzustandsbericht 2011 der Region Brandenburg Berlin

Die Kronenzustandserfassung 2011 weist für die Wälder der Region Brandenburg / Berlin weiter einen insgesamt guten Vitalitätszustand aus. Über 50 % der Waldflächen bleiben ohne Schäden. Knapp 40 % der Wälder hatten nur geringe Kronenverlichtungen (Schadstufe 1). Deutliche Schäden wurden mit nur 9 % aufgenommen. Die mittlere Kronenverlichtung über alle Baumarten stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1 %-Punkt auf nun 14 %.

Im Land Brandenburg sind die Waldflächen mit deutlichen Schäden um 2 % auf 9 % gegenüber dem letzten Jahr angestiegen, während sich der Anteil der Flächen ohne Schäden um 8 % auf 52 % verringert hat. Insgesamt bleibt aber der Waldzustand auch 2011 im normalen Bereich, der bei etwa 10 % deutlichen Schäden gesehen wird. Die starken Schäden (Schadstufen 3 + 4) sind leicht angestiegen, liegen aber weiter unter 1%.

Der Kronenzustand der Waldbäume ist jedoch nach Baumartengruppen differenziert. Während die Nadelbaumarten auch 2011 nur wenige Schäden im Kronenzustand erkennen lassen, sind bei Buche, Eiche und anderen Laubbäumen wesentlich höhere Verlichtungsgrade festzustellen.

Die Abweichungen in der Kronenzustandsentwicklung zwischen den Nadel- und den Laubbaumarten sind seit 1997, wo beide Baumartengruppen noch den gleichen Kronenzustand aufwiesen sowohl in Brandenburg als auch Berlin größer geworden (Abb. 1).

Kiefern Top?

Die Kiefern hatten 2009 eine bisher außergewöhnlich gute Benadelungsdichte erreicht. Dieses Ergebnis wurde 2010 und 2011 im Wesentlichen bestätigt. Es sind fast 60 % der Kiefernfläche ohne sichtbare Schäden. Mit 5 % ist der Anteil deutlich geschädigter Kronen nach wie vor gering. Die mittlere Kronenverlichtung stieg auf 12 %. Eine Ursache kann der auffällig hohe Anteil von Kiefern mit Kronenschäden durch Schneebruch sein.

In der Stichprobe sind nur wenige Buchen vertreten. Eine Aussage zu dieser Baumart ist deswegen nur sehr eingeschränkt möglich. Seit 2004 weisen die Buchen ein erhöhtes Niveau deutlicher Schäden auf. Altbuchen reagieren in den Jahren mit Vollmast mit verringerter Laubbildung. Seit 1998 fruktifizierten die Buchen im zweijährigen Rhythmus ungewöhnlich häufig, was sich jeweils in verminderter Belaubung zeigte. In 2011 führte dies zu einem Anstieg der Kronenverlichtung um 5 %.

Eichen Flop?

Die Eichen (Trauben-Eiche und Stiel-Eiche) sind seit 2001 die Baumartengruppe mit dem höchsten Grad der Kronenverlichtung. Nach dem Rekordsommer 2003 stiegen die deutlichen Schäden im Jahr 2004 auf 45 % an. Positiv waren der Rückgang des Anteils starker Schäden in den Jahren 2005 bis 2009 und ein Ausbleiben des erwarteten Anstiegs der Mortalität zu werten. Seit 2010 nehmen die deutlichen Schäden aber wieder zu und liegen gegenwärtig bei 34 %. Mit nur noch 9 % der Eichen in Schadstufe 0 ist 2011 ein neuer Tiefstand erreicht. Die mittlere Kronenverlichtung stieg um weitere 4 % auf 26 %. Auf 4% der Eichenfläche treten starke Schäden auf.

Für die im Land Berlin gelegenen Waldflächen ist anders als in Brandenburg seit 1991 keine deutliche Erholung des Waldzustandes festzustellen. In Folge der trocken-warmen Vegetationsperioden 1999, 2000, 2003 sowie erneut 2006 stieg der Flächenanteil deutlicher Schäden jeweils erheblich an. Günstige Witterungsbedingungen wie 2002, 2004, und 2007 – 2010 führten nicht zu einer anhaltenden Erholung des Kronenzustandes der Waldbäume.

Die Metropole Berlin hebt sich gegenüber dem ländlichen Brandenburg mit dem ausgeprägten Stadtklima heraus. Städte weisen in Abhängigkeit von ihrer Größe und Bebauungsdichte eine Überwärmung im Vergleich zum Umland auf, die im Mittel zwischen 0,5 und 3 K liegen kann, im Zeitraum 2009 -2011 waren es an der am Stadtrand gelegenen Berliner Level II-Fläche 0.5 K gegenüber dem Mittel der Level II-Standorte Brandenburgs verbunden mit einer gegenüber Brandenburg deutlich (- 13 %) reduzierten Niederschlagsmenge. Damit ist die Waldzustandsentwicklung im Ballungsraum Berlin nahezu als Klimalabor der erwarteten Klimaentwicklung in Brandenburg in ca. 50 Jahren zu verstehen. Vor diesem Hintergrund ist es von besonderem Interesse, dass gegenüber Brandenburg 20 % mehr deutlichen Schäden und eine um 10 % höhere mittlere Kronenverlichtung festzustellen sind. Die bisher gute Nachricht ist aber das bisherige Verharren der Waldzustandsentwicklung auf diesem Niveau, ohne Zunahme starker Schäden und der Mortalität. Eine Gegenüberstellung der Entwicklung starker Schäden (Schadstufen 3 und 4) für die Hauptbaumarten Kiefer und Eiche im Altersbereich > 60 Jahre weist sowohl ein relativ einheitliches Niveau als auch einen vergleichbaren Verlauf aus (Abb. 2).

Einflussfaktoren Wasser und Boden

Die Witterungsbedingungen waren nach dem letzten Trockenjahr 2006 für den Waldzustand überwiegend positiv und spiegeln sich in dem aktuell guten Kronenzustand der Waldbäume wider. Die kühlen Winter 2010 und 2011 mit Schneedecke und warmen Sommer mit z. T. hohen Niederschlägen entsprachen einem kontinentalen Klimacharakter, welcher der Baumart Kiefer entgegenkommt.

Klimatische Trockenheit als Auslöser ansteigender Waldschäden ist für die gegenwärtige Phase der Waldzustandsentwicklung wenig wahrscheinlich. Das Risiko von Witterungsextremen nimmt mit der Klimaerwärmung aber zu. Die damit steigenden Risiken der Forstwirtschaft müssen durch den Aufbau vitaler, stresstoleranter Wälder ausgeglichen werden. Dabei spielen die richtige Baumartenwahl, der Auswahl geeigneter Herkünfte, die Prüfung der Standorteignung und Pflege der Waldbestände eine entscheidende Rolle.

Besonders der Erhaltung und Mehrung der Humusvorräte zur Steigerung der Speicherkapazität der Waldböden sowohl für Wasser als auch Nährstoffe kommt in unserer Region große Bedeutung zu.

Für den Zustand der Wälder spielt der historische und aktuelle Schadstoffeintrag in die Ökosysteme nach wie vor eine wichtige Rolle. Die Stickstoffeinträge liegen weiter über den kritischen Eintragsraten. Damit wird der Bodenversauerung weiter Vorschub geleistet. Wie der Vergleich der Ergebnisse von zwei Bodenzustandserhebungen deutlich macht, werden die wichtigen Nährelemente Kalzium und Magnesium mit dem Sickerwasser aus den Böden ausgewaschen, an den Dauerbeobachtungsflächen (LEVEL II) sind bereits zeitweilige Disharmonien der Nährstoffversorgung erkennbar.
Die gegenwärtige Auswertung der BZE zur Ernährungssituation der Bäume in Verbindung mit der Entwicklung der Waldböden erfordert eine Überprüfung der Notwendigkeit von Bodenschutzkalkungen und Einführung eines integrierten Nährstoffmanagements der Waldstandorte.

An 11% der Punkte der Bodenzustandserhebung ist eine stoffliche Nachhaltigkeit selbst bei geringer Nutzungsintensität nicht gewährleistet. Auf den betroffenen Standorten ist langfristig zu erwarten, dass sich die Bodenfruchtbarkeit verschlechtert und die derzeitigen (teilweise noch hohen) Wuchsleistungen dauerhaft abnehmen. Mit steigender Nutzungsintensität erhöht sich der Anteil der Punkte, an denen die Nährstoffversorgung als nicht mehr nachhaltig eingeschätzt wird. Auf einem Drittel der Waldfläche sind starke Nutzungsintensitäten möglich, ohne dass es zu einer negativen Bilanz der Nährstoffe kommt. Dieses betrifft vor allem Standorte mit vergleichsweise nährstoffreichen Böden, für die höhere Verwitterungsraten unterstellt werden können. Zu starke Nutzungen wirken sich aber auch hier nachteilig auf den Humuszustand und infolge dessen nachteilig auf das Bodengefüge und die Austausch- und Wasserspeicherkapazität aus. Ganzbaumnutzungen sollten auch auf nährstoffreichen Böden immer die Ausnahme sein.

Die bisherigen Bemühungen zur Reduzierung der Fremdstoffbelastung und zum Klimaschutz sind zur nachhaltigen Stabilisierung der Waldökosysteme in der Region nicht ausreichend.

Schwerpunkte für den Immissionsschutz müssen aus Sicht der Forstwirtschaft die Reduzierung der Stickstoff-Emissionen aus landwirtschaftlichen Quellen in Brandenburg und die Reduzierung der Emissionen von Vorläufersubstanzen der Ozonbildung vor allem aus verkehrsbedingten Emissionen sein. Hierbei hat der Ballungsraum Berlin besondere Verantwortung.

Als besonders stark durch eine Klimaänderung betroffene Region müssen Berlin und Brandenburg ihre Anstrengungen zur Vermeidung klimawirksamer Spurengasemissionen verstärken. Gleichzeitig sind die Potenziale zur Stabilisierung der Waldökosysteme und des Landschaftswasserhaushaltes durch einen standortgerechten Waldumbau verstärkt zu nutzen.