Lokale Agenda 21 und Forstwirtschaft

Lokale Agenda-21-Prozesse

Der Ursprung Lokaler Agenda-21-Prozesse liegt im Kapitel 28 des Dokuments "Agenda 21", das auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahre 1992 verabschiedet wurde. Dieses Dokument beinhaltet in 40 Kapiteln Handlungsempfehlungen zur nachhaltigen Entwicklung. Die Kommunen werden aufgefordert, im Dialog mit ihren Bürgern, örtlichen Organisationen und der Privatwirtschaft eine "Lokale Agenda 21", das heißt, ein Leitbild sowie ein langfristiges Aktionsprogramm für eine nachhaltige Lebensweise zu entwickeln und umzusetzen. "Nachhaltige Entwicklung" und "Bürgerbeteiligung" sind für einen Lokalen Agenda-21-Prozess charakteristische Merkmale.

In etwa einem Drittel der Gemeinden, Städte und Landkreise in Bayern haben sich Lokale Agenda-21-Initiativen gegründet. Dort behandelte Themen wie z.B. Holzenergie oder Umweltbildung bieten Anknüpfungspunkte für ein Engagement der Forstwirtschaft. Sie trägt dadurch zu einem positiven Ansehen ihrer selbst bei. Zudem bieten sich große Chancen für erfolgreiche Allianzen. Beispiele zeigen, dass Forstverwaltung, Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzer ihre Fachkompetenz wirkungsvoll einbringen können.

Unterschiedliche Ansätze zeichnen die Umsetzung der Agenda 21 auf lokaler Ebene aus. Trotz vielfältiger Vorgehensweisen existieren zwischen den verschiedenen Agenda-21-Prozessen auch Gemeinsamkeiten. Viele Städte und Gemeinden, die eine Lokale Agenda 21 aufstellen, verfügen über einen Agenda-Beauftragten und thematische Arbeitsgruppen. Stellenwert und Wirkung der Agenda-21-Prozesse sind unterschiedlich. Zahlreiche Projekte im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung wurden initiiert. Jedoch werden in vielen Kommunen Schwierigkeiten bei der Aufstellung einer Lokalen Agenda 21 deutlich und eine gewisse Ermüdung ist zu erkennen. Bis zum Jahre 2005 haben bundesweit etwa 20 Prozent der Kommunen einen Beschluss zur Aufstellung einer Lokalen Agenda 21 gefasst, in Bayern etwa ein Drittel der Kommunen (700 Beschlüsse).

Chancen der Lokalen Agenda 21 für die Forstwirtschaft

Im Rahmen von Lokalen Agenda-21-Prozessen werden vielfach die Themen Wald, Forstwirtschaft und Holz aufgegriffen. Damit kann die Forstwirtschaft nicht nur ihr eigenes Ansehen pflegen und verbessern, sondern auch durch strategische Allianzen mit anderen Akteuren erfolgreiche Netzwerke bilden. Die Forstverwaltung kann zur Lösung regionaler bzw. lokaler Probleme beitragen sowie Wertschätzung bürgerlicher Mitwirkung, Bürgernähe und Dialogbereitschaft zeigen.

Die Chancen für eine Zusammenarbeit sind aber nicht überall gleich günstig. Die Unterstützung von offizieller Seite fällt unterschiedlich aus, es gibt aktive und weniger aktive Agendagruppen, die wiederum bestimmte Themen favorisieren und andere vernachlässigen. Zudem ist für eine Beteiligung besonderes persönliches Engagement und flexibler Zeiteinsatz notwendig.

Leitfaden für forstlich ausgerichtete Agenda 21

Die Landesforstverwaltung von Nordrhein-Westfalen beauftragte den Lehrstuhl für Forstpolitik der TUM sogar, einen Leitfaden zum Thema Lokale Agenda 21 für die Mitarbeiter der Unteren Forstbehörden zu entwickeln. Auch der ehemalige Holzabsatzfonds hatte das Thema Lokale Agenda 21 aufgegriffen und eine Broschüre mit dem Titel "Agenda 21 - Wald und Holz in Städten und Gemeinden" herausgegeben.

Forstliche Themen bei der Lokalen Agenda 21

Zahlreiche forstliche Themen lassen sich in Lokale Agenda-21-Prozesse integrieren. Exemplarisch sind die Themen Energetische Nutzung von Holz, Holzverwendung und Regionalvermarktung, Waldvermehrung und Umweltbildung zu nennen.

Im folgenden sind Projektbeispiele zu den Bereichen Umweltbildung und Energetische Holznutzung dargestellt.

Umweltbildung

Der Walderlebnispfad im Freisinger Forst ist Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem damaligen Forstamt Freising, dem Arbeitskreis Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit des Agenda-21-Prozesses und der Stadt Freising. Die Kosten des Projektes übernahmen zu je einem Drittel die Stadt Freising, die staatliche Forstverwaltung sowie Sponsoren.

Energetische Holznutzung

Der gemeinsame Agenda-21-Prozess der Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach initiierte das Projekt "Energiewende" mit dem Ziel, dass die Landkreise im Jahr 2035 energieautark sind. Das örtliche Forstamt nahm im Herbst 2004 an der Energiewendekonferenz teil. Es unterstützte die Arbeitsgruppe Nachwachsende Rohstoffe in forstfachlichen Fragen und bei der Erstellung einer Holzaufkommensprognose. Eine örtliche Waldbesitzervereinigung war ebenfalls an der Arbeitsgruppe beteiligt.

Aktionsbündnis Wärme von der Sonne im Freisinger Land

In Freising wurde ein landkreisweites Aktionsbündnis aus Solarinitiativen, Umwelt- und Agenda-Gruppen, Kommunen, Industrie und Handwerk gegründet, dem auch die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) beigetreten ist. Dieses Bündnis informiert und motiviert Private und Gewerbe, verstärkt Sonnenenergie und andere erneuerbare Energieträger zu nutzen. Zwar handelt es sich dabei um keinen Agenda-21-Prozess, aber dennoch um ein Beispiel für einen regionalen Prozess im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung.

Für eine Behandlung forstlicher Themen ist es entscheidend, dass ein oder mehrere Akteure das Thema einbringen und sich für eine erfolgreiche Umsetzung einsetzen.

Rolle der Forstwirtschaft bei Lokalen Agenda-21-Prozessen

Die Vertreter der Forstverwaltung und Forstbetriebsgemeinschaften sowie Waldbesitzer können bei Lokalen Agenda-21-Prozessen unterschiedliche Rollen wahrnehmen: Fachkompetenz beisteuern, Projekte initiieren bzw. deren Umsetzung unterstützen sowie themenspezifische Arbeitsgruppen moderieren. Auf diese Weise beteiligt sich die Forstwirtschaft am gesellschaftlichen Diskurs zur nachhaltigen Entwicklung auf lokaler und regionaler Ebene.

Florian Zormaier war Fachberater für Holzenergie in der Abteilung Forsttechnik, Betriebswirtschaft, Holz der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Forstpolitik und Forstgeschichte der TU München bearbeitete er das Projekt "Wald als Aktionsfeld in Lokalen Agenda-21-Prozessen".

Günter Dobler war Mitarbeiter im ehemaligen Sachgebiet Wissenstransfer und Waldpädagogik der LWF und befasste sich unter anderem mit dem Thema Lokale Agenda 21.

Literatur

Literatur auf Anfrage bei den Verfassern.