In Sachsen konnte im Jahr 2000, erstmalig in Deutschland seit dem Ende der Ausrottung vor etwa 150 Jahren, die Reproduktion von Wölfen (Canis lupus) in freier Wildbahn nachgewiesen werden. Heute haben sich in der Lausitz, der bisherigen Kernzone des Wolfsvorkommens in Deutschland, bereits einige Wolfsrudel und Wolfspaare etabliert.

Nahrungsuntersuchung als Teil des Wolfmanagements

Die Wiederkehr der Wölfe nach Deutschland ist mit einer Vielzahl an Konflikten und Problemstellungen verbunden, die im Wesentlichen mit dem Ernährungsverhalten dieses großen Beutegreifers im Zusammenhang stehen.

Im Rahmen des Monitorings der freilebenden Wölfe in der Lausitz werden deshalb seit April 2001 fortlaufend Wolflosungen (Kot) gesammelt und analysiert, um die Ernährung der Wölfe in der Lausitz zu erfassen und eventuelle Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten über die Zeit dokumentieren zu können.

Hierbei geben die in den Losungen enthaltenen unverdauten Reste, wie Haare und Knochen konsumierter Beutetiere, Aufschluss über die Nahrungszusammensetzung der Wölfe.

Was fressen die Wölfe in der Lausitz?

Die Lausitzer Wölfe erbeuten fast ausschließlich wildlebende Huftiere. Das Reh stellt dabei mit über 50 % der verzehrten Biomasse die Hauptbeute dar, gefolgt von Rothirsch und Wildschwein. Aber auch mittelgroße Säuger, Hasen, Kleinsäuger, diverse Vögel, Fische und Früchte, sowie Nutz- und Haustiere gehören zum Beutespektrum. Die Nahrungszusammensetzung ist dabei generell abhängig von der Verfügbarkeit der drei Hauptbeutearten Reh, Rothirsch und Wildschwein.

Im Verlauf der Untersuchungen konnte ein tendenzieller Anstieg des Rehanteils in der Nahrung beobachtet werden. Diese Spezialisierung auf das Reh bei gleichzeitig hoher Rothirschdichte im Gebiet erweist sich im Vergleich zu anderen europäischen Wolfspopulationen als eine Besonderheit.

Rehe sind in der Lausitz in einer sehr hohen Dichte anzutreffen. Aufgrund dieser Bedingungen treffen Wölfe auf ihren Steifzügen vermutlich häufiger auf das flächendeckend verbreitete Reh. Zudem ist ein Reh deutlich kleiner und leichter zu überwältigen als ein Rothirsch, auch für einen einzelnen Wolf.

Die saisonalen Unterschiede in der Nahrungszusammensetzung sind vor allem auf die zeitlich unterschiedliche Verfügbarkeit junger Huftiere im Gesamtbestand zurückzuführen.

Aufgrund der hohen Bestände wildlebender Huftiere in Deutschland, die für die Wölfe ein ausreichendes Nahrungsangebot liefern, ist der Anteil von Nutztieren an der Wolfsnahrung sehr gering. Außerdem haben sich die Präventivmaßnahmen zum Schutz der Tiere in den letzten Jahren bereits bewährt.

Die Untersuchungen zeigen, dass sich der Wolf durchaus ernährungsökologisch an die Bedingungen unserer heutigen Kulturlandschaften in Deutschland anpassen kann.

Kontakt

  • Dipl.-Ing. (FH) Maika Holzapfel
    Dipl.-Biol. Carina Wagner
    Prof. Dr. Hermann Ansorge
    Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz
    Am Museum 1
    D-02826 Görlitz
    E-Mail: maika.holzapfel @ senckenberg.de

    Dipl.-Biol. Gesa Kluth
    Dipl.-Biol. Ilka Reinhardt
    LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und - forschung in Deutschland
    Dorfstraße 20 D-02979 Spreewitz