In der neunten Folge von «Forstkanal 1», dem Podcast des Verbands Schweizer Forstpersonal, trifft Host Sandro Krättli auf den Biologen Andreas Moser, der die SRF-Sendung «Netz Natur» über Jahrzehnte geprägt hat. Sie sprechen über Wölfe und Huftiere, Jagd und den Wald-Wild-Konflikt.

Zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit

Die gesellschaftliche Wahrnehmung des Wolfs ist stark kulturell geprägt. Das Bild vom gefährlichen Raubtier reicht bis ins Mittelalter zurück, als Seuchen, Kriege, Hunger und Tollwut den Alltag bestimmten. 

Solche Vorstellungen wirken bis heute nach, obwohl freilebende Wölfe für Menschen nur ein sehr geringes Risiko darstellen. Daneben gibt es reale Konflikte: Manche Jäger sehen im Wolf einen Konkurrenten, und Nutztierhalter verlieren Tiere.

Wie sich Wölfe gegenüber Menschen verhalten, hängt unter anderem von ihrer Sozialisierung im Familienverband ab. Problematisch wird es, wenn einzelne Tiere ihre Scheu vor Menschen verlieren.

Der Wolf verändert das Verhalten der Huftiere

Solange Wölfe in geringer bis mittlerer Dichte vorkommen, wirken sie wenig über die Zahl erbeuteter Tiere auf den Wald. Vor allem verändern sie das Verhalten der Huftiere: Diese nutzen Lebensräume anders, bleiben weniger lange am selben Ort und verändern ihre Nahrungswahl. Dadurch kann sich auch der Verbiss räumlich verschieben. Wie sich das auf die Waldverjüngung auswirkt, hängt von den jeweiligen Bedingungen ab. Entscheidend ist das Zusammenspiel mit der Jagd: Den Verbiss senken kann der Wolf vor allem dort, wo die Jagd den jährlichen Zuwachs der Huftiere abschöpft. Die Wirkung des Wolfs lässt sich deshalb nicht getrennt von der Jagd beurteilen.

Jagd zwischen Sachfragen und Politik

In der Schweiz bestehen zwei Jagdsysteme. Bei der Patentjagd erwerben Jägerinnen und Jäger eine Berechtigung für das ganze Kantonsgebiet, bei der Revierjagd pachten Jagdgesellschaften ein festes Gebiet. Arten mit grossen Streifgebieten wie Rothirsch, Wildschwein oder Wolf erfordern in beiden Systemen ein gebietsübergreifendes Management und Bestandeserhebungen über Reviergrenzen hinweg. Ein Vorteil des Reviersystems: Es bietet dem Forstdienst klare Ansprechpersonen auf der Fläche.

Der Wald-Wild-Konflikt beschäftigt Forst und Jagd seit Jahrzehnten. Fachlich lassen sich viele Fragen klären, und im direkten Austausch finden die Beteiligten oft tragfähige Lösungen. In der politischen Debatte dagegen stehen häufig Positionen und Interessen im Vordergrund. Der Podcast macht diese Diskrepanz zwischen Fachwissen und politischer Meinungsbildung sichtbar.

Bäume als Lebewesen

Zum Schluss geht es im Podcast um die Haltung gegenüber dem Wald: Bäume nicht nur als Holz, sondern als Lebewesen wahrzunehmen, verändert den Blick auf die forstliche Arbeit.


 

Forstkanal 1 wird vom Verband Schweizer Forstpersonal (VSF) produziert und erscheint auf Schweizerdeutsch.