Erste Ergebnisse der Waldameisenkartierung in Sachsen


Hügel bauende Waldameisen spielen im Wirkungsgefüge von Waldökosystemen eine wichtige Rolle. Ihre vielfache Gefährdung zwingt uns zu einem wirkungsvollen Waldameisenschutz. Voraussetzung hierfür ist die Kartierung der Nestvorkommen.

Aussagen zum Rückgang der Artvorkommen von Hügel bauenden Waldameisen sind deutschlandweit nur bedingt möglich, weil es wenige großflächige Untersuchungen zur Bestandesentwicklung gibt. Diese liegen zumeist auch Jahre bis Jahrzehnte zurück. Die letzte landesweite Erhebung von Waldameisenvorkommen auf dem Gebiet des heutigen Freistaates Sachsen führte D. Otto im Jahre 1964 durch.

In enger Zusammenarbeit mit der Ameisenschutzwarte Landesverband Sachsen e. V. erfasst der Staatsbetrieb Sachsenforst seit 2003 alle Waldameisenvorkommen im Freistaat Sachsen. Dies soll landesweit aktuelle Aussagen über Arten, deren Verbreitung und Dichte sowie zum jeweiligen Gefährdungsgrad ermöglichen.

Die Waldameisenvorkommen in Sachsen werden mit dem Programm "InsectIS" (siehe Kasten) in einer zentralen Datenbank erfasst. Für den Großteil der rund 512.000 Hektar umfassenden Waldfläche Sachsens liegen noch keine Kartierungsergebnisse vor. Bislang sind erst 15 % der Waldfläche untersucht (s. Abb. 2).

Erste Ergebnisse überraschen

Die Datenbank umfasst derzeit 3.896 Waldameisennester. Die bisher am häufigsten erfasste Hügel bauende Waldameisenart ist mit einem Anteil von 71 % die Kahlrückige Waldameise (Formica polyctena). Deutlich geringere Anteile sind für die Wiesenameise (Formica pratensis) mit 15 % und die Große Rote Waldameise (Formica rufa) mit 10 % zu verzeichnen. Von Formica truncorum (Strunkameise - 1 %) und Formica sanguinea (Blutrote Raubameise -3 %) sind nur Einzelvorkommen erfasst. Alle Arten konnten landesweit nachgewiesen werden.

Mit rund 5 Nestern je 100 ha Waldfläche werden in Sachsen deutlich geringere Dichten erzielt als in Kieferngebieten des Nordostdeutschen Tieflandes. Im Vergleich zu den Erhebungen von 1964 hat sich die Waldameisendichte jedoch erhöht. Der allgemein beschriebene Rückgang der Hügel bauenden Waldameisen ist demzufolge kritisch zu hinterfragen. Die Diskussion muss stärker artspezifisch geführt werden.

Die in der Roten Liste für Deutschland zum Ausdruck kommende Häufigkeit oder Seltenheit der Ameisenarten wird bezogen auf die sächsischen Nestvorkommen nicht immer bestätigt. Formica rufa und Formica pratensis sind im gesamtdeutschen Vergleich in Sachsen seltener. Formica truncorum kann sogar als "stark gefährdete" Art eingestuft werden. Die beträchtliche natürliche Dynamik von Ameisenpopulationen lässt Aussagen zur Bestandesentwicklung einzelner Arten jedoch erst nach mehreren Erhebungen zu.

Ameisen wirkungsvoll fördern

Die zwischen den Jahren 2000 und 2004 wiederholte Erfassung der Nestvorkommen im westlichen Teil der Dresdener Heide verdeutlicht diese Dynamik. Die in diesem Zeitraum durchgeführten Durchforstungen wirkten sich positiv auf die Anzahl und Vitalität der Ameisenvölker aus.

Die Waldbewirtschaftung erhöht bodennah das Angebot an Licht und Wärme. Insbesondere im Bereich der Rückegassen verbessern sich damit die Umweltbedingungen für die Ameisen. Werden die in den sächsischen Nadelbaumbeständen eher seltenen Weichlaubbäume und Eichen durch die Pflegemaßnahmen gefördert, erhöht sich zudem das Nahrungsangebot.

Voraussetzung für die positiven Wirkungen ist, dass die Nester bei den Holzerntemaßnahmen nicht abrupt freigestellt oder bei Fäll- und Rückearbeiten beschädigt werden. Wirkungsvoller Ameisenschutz ist somit insbesondere dann gewährleistet, wenn die mit der Holzernte beauftragten Waldarbeiter oder Waldbesitzer die Neststandorte kennen und ein Bewusstsein für ihren Schutz haben.

InsectIS...

…ist ein auf Basis von MS-Access entwickeltes Informationssystem zur Erfassung, Verwaltung und Auswertung von entomofaunistischen Daten. Es handelt sich hierbei um eine Open-Source-Lösung. Für die speziellen Erfordernisse der Ameisenkartierung wurde das InsectIS-Programm angepasst und ein Erfassungsbogen für Waldameisen integriert. InsectIS bietet die Möglichkeit, Fachinformationen um geografische Funktionalitäten, wie z.B. Verbreitungskartenausgabe oder Koordinatentransformationen zu erweitern.

Nähere Informationen finden Sie unter www.insectis.de.

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