Mehr als gedacht - Waldameisen systematisch kartiert

Günstige Voraussetzungen und viel Engagement

Die Erfassung von Artvorkommen der Waldameisen erfolgt überwiegend durch den ehrenamtlichen Naturschutz. Aufgrund des in der Regel hohen Aufwandes existiert eine systematische Erfassung der Vorkommen eher selten.

Von April bis Oktober 2007 konnten in Sachsen die Vorkommen der Hügel bauenden Waldameisen auf zirka 8.000 Hektar Waldfläche im Landkreis Bautzen systematisch erfasst werden. Voraussetzung hierfür war die Zusammenarbeit des Staatsbetriebes Sachsenforst, der Ameisenschutzwarte Sachsen und dem Bildungszentrum Oberlausitz GmbH Bautzen (BZO). Im Rahmen des "Programms für Integration und Beschäftigung" waren zwölf Personen mit der Kartierung beschäftigt. Die exakte Bestimmung der Arten anhand von Artproben (10 Individuen pro Nest) und die Datenhaltung erfolgte im Rahmen des Freiwilligen Ökologischen Jahres beim Staatsbetrieb Sachsenforst.

Im Norden prägen Kiefernforsten das Bild des 95.700 ha großen Landkreises, während das sich südlich anschließende Hügelland intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Bis auf wenige größere Waldgebiete sind hier nur kleinflächig und zumeist inselartig Laubmischwälder erhalten geblieben. Das südlich gelegene und durch Fichtenwälder dominierte Oberlausitzer Bergland wurde bisher nur zu einem geringen Teil kartiert. Hier werden zukünftig weitere Erhebungen durchgeführt, genauso wie im Biosphärenreservat "Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft".

20 Nester pro Quadratkilometer

Auf dem bearbeiteten Drittel der Fläche des Landkreises wurden 1.897 belebte Nester entdeckt (siehe Abbildung 1). Für jedes Nest wurden auf entsprechenden Erfassungsbögen der unmittelbare Lebensraum (Habitat) charakterisiert, eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt sowie darauf aufbauend konkrete Hege- und Schutzmaßnahmen festgelegt.

In allen bislang untersuchten Waldflächen des Landkreises waren Waldameisenvorkommen nachweisbar. Dabei konnten mit Ausnahme von Formica foreli alle sechs in Sachsen vorkommenden Hügel bauenden Waldameisenarten nachgewiesen werden. Formica polyctena dominiert mit insgesamt 81 Prozent. Sie ist in allen Wuchsgebieten die dominierende Waldameisenart; mit einem Verbreitungsschwerpunkt in den Fichten- und Laubmischwäldern mit hohem Eichenanteil des Oberlausitzer Berglandes.

Formica sanguinea (5 %) zeigt einen Verbreitungsschwerpunkt in den nördlichen Kieferngebieten. Auch Formica pratensis, geringfügig häufiger vertreten als F. sanguinea, zeigt in diesen Gebieten ein gehäuftes Vorkommen. Mit 9 % Artenanteil tritt Formica rufa etwas häufiger auf und siedelt vor allem in den weniger bewaldeten Gebieten des Landkreises. Seltenste Ameisenart ist F. truncorum mit nur 7 Nachweisen (siehe Abbildung 2).

Basis für Bestandesschätzungen und Schutzmaßnahmen

Im Vergleich zu den bisherigen Erhebungen für Sachsen und speziell für die Oberlausitz haben sich die Besiedlungsdichten in den letzten 40 Jahren um ein Vielfaches erhöht. Der allgemein postulierte Rückgang der Hügel bauenden Waldameisen muss daher kritisch hinterfragt werden. Der Waldameisenschutz sollte wesentlich stärker auf die seltenen Arten und Einzelvorkommen fokussiert werden. Durch die Erhebung von Daten zum Nest und die Lokalisierung mittels Gauß-Krüger-Koordinaten lassen sich auf der Basis von Geoinformationen Analysen zur Habitatstruktur durchführen. Diese liefern wertvolle Hinweise für potenzielle Habitate, die es erlauben seltene Arten zielgerichtet zu erheben. Darüber hinaus können anhand der Gefährdungsbeurteilung, welche für jedes Einzelnest durchgeführt wurde, auch direkte Hege- und Schutzmaßnahmen abgeleitet werden. Dies sind in erster Linie das Freischneiden der Nester von verdrängender Bodenvegetation oder das Entfernen tief hängender Baumäste, um das Ausdunkeln zu verhindern (siehe Abbildung 3).

Die andiskutierten Aspekte unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Kartierungen. Aus diesen Gründen sowie den positiven Erkenntnissen des ersten Jahres werden die Erhebungen fortgeführt. Für den Landkreis Bautzen kann schon heute von einer weiteren Zunahme der Gesamtnestanzahl ausgegangen werden.

Prinzipiell kann dieses Modellprojekt auch in anderen Regionen Sachsens bzw. Deutschlands Anwendung finden. Für den Erfolg derartiger Projekte ist neben viel Engagement auch der Einsatz sachkundiger Personen, die vor Ort und zeitnah die Artbestimmung und Datenerfassung unterstützen, eine wichtige Voraussetzung.

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