Die Aspe oder Zitterpappel (Populus tremula) gehört zur Gattung der Pappeln und damit zur Familie der Weidengewächse (Salicaceae). Neben ihr zählen in Deutschland vor allem Schwarzpappel und Weiß- bzw. Silberpappel zu den heimischen Vertretern. Die Zitterpappel ist Baum des Jahres 2026.
Schmetterlinge an Aspe
Abhängig vom Autor wird die Zahl der an der Gattung Populus vorkommenden Schmetterlingsarten auf über 150 bis etwa 200 geschätzt. Allein an der Zitterpappel konnten 65 Großschmetterlingsarten im Raupenstadium festgestellt werden.
Die Anzahl der nachgewiesenen Schmetterlingsarten unterstreicht die große Bedeutung der Zitterpappel als Nahrungsgrundlage für die heimische Schmetterlingsfauna. So leben die Raupen einiger der attraktivsten und stark gefährdeten Tagfalter an dieser Baumart, etwa des Großen Eisvogels (Limenitis populi) und des Kleinen Schillerfalters (Apatura ilia) (Abbildung 1).
Großer Eisvogel
Die Weibchen des eher selten anzutreffenden Großen Eisvogels gehören mit einer Flügelspannweite bis 8 cm zu den größten heimischen Tagfaltern in Deutschland. Die Art kommt in Laubwäldern vor, in denen Zitterpappeln oder auch Schwarzpappeln wachsen, da sich die Raupe nur von den Blättern dieser Baumarten ernährt. Diese Falterart lebt vorwiegend im Kronenbereich des Waldes und meidet größere offene Bereiche.
Der Große Eisvogel (Limenitis populi) ist – wie der Name sagt – erheblich größer als der Kleine Eisvogel (Limenitis camilla). Die Flugzeit beginnt in der Regel im Juni und dauert bis Ende Juli an.
Aussehen und Lebensweise
Der Große Eisvogel gehört zur Familie der Edelfalter. Die Flügeloberseite ist von dunkelbrauner Grundfarbe und zeigt weiße Flecken. Die Weibchen besitzen auf den Hinterflügeln breite weiße Binden, die von orangen und blauen Randbinden eingesäumt werden. Bei den Männchen ist diese Zeichnung schmaler und schwächer ausgebildet oder kann auch fast gänzlich fehlen. Die Unterseite der Flügel ist orange mit einem weißen Band abgesetzter Zellen und blaugrauer Randregion (Abbildung 2).
Vorkommen und Verbreitung
Der Große Eisvogel ist ein seltener Tagfalter, den man kaum zu Gesicht bekommt. Wenn doch, dann sind meist nur die Männchen zu beobachten, denn die Weibchen fliegen selten zum Boden herab. Die männlichen Falter sitzen häufig auf feuchten Waldwegen, um dort Mineralien aufzunehmen, die sie für ihre Fortpflanzungsfähigkeit benötigen. Blüten werden von den Faltern nicht aufgesucht. In Deutschland kommt der Große Eisvogel vorwiegend in südlicheren Regionen vor und fehlt weitgehend in Nord- und Nordwestdeutschland.
Lebensraum der Falter sind bei uns Mischwälder mit hohem Zitterpappelvorkommen. Dabei bevorzugt der Große Eisvogel sommerwarme und luftfeuchte Bereiche im Wald, wie z. B. Wegränder oder kleinere Kiesgruben mit feuchten Stellen, wie Tümpeln, Gräben oder Bächen. Aspen sollten möglichst in allen Größen- und Altersstufen vorhanden sein.
Balz, Paarung und Fortpflanzung
Die männlichen Falter warten in den Nachmittagsstunden auf hohen, den Wald überragenden Bäumen, vor allem auf Eichen, auf die Weibchen. Hier kommt es dann zur Balz und Paarung.
Bevorzugt an Aspen – gelegentlich auch an Schwarzpappeln – legen die Weibchen dann ihre grünen Eier in etwa 0,5 bis 3 m Höhe einzeln an der Oberseite einer Blattspitze ab. Die Ablage beginnt Anfang Juli. Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die Räupchen und hinterlassen an den Blättern ein charakteristisches Fraßbild mit ausgesparter Mittelader. Mit angesponnenen Kotballen verlängern sie die Mittelrippe. Auf dieser Kotrippe halten sie sich während der Fresspausen auf. Ab August fertigt sich die junge Raupe aus einem zusammengerollten Blatt ihr Winternest (Hibernarium) an. Hierin überwintert sie und erscheint im nächsten Frühjahr noch vor dem Laubausbruch. Nach der Überwinterung verfärbt sich die Raupe grün mit braunen und schwärzlichen Schattierungen. Sie frisst zunächst Blattknospen, dann die frischen Blätter. Im Juni verpuppt sich die Raupe in einem leicht eingesponnenen Blatt. Der Falter schlüpft nach etwa zwei Wochen und stirbt bereits nach 13 bis 26 Tagen wieder. Der Große Eisvogel lebt in einer Generation pro Jahr.
Kleiner Schillerfalter
Der Kleine Schillerfalter (Apatura ilia) ist in erster Linie eine Art der Auwälder, kommt aber auch in Hybridpappel-Beständen und anderen laubholzreichen Laub- und Mischwäldern niederer und mittlerer Lagen mit vielen Aspen vor. Die Zitterpappel ist in allen Naturräumen die wichtigste Grundlage für die Raupenentwicklung dieser Art. Die Raupen des Kleinen Schillerfalters ähneln im Aussehen Nacktschnecken (Abbildung 4).
A. ilia bevorzugt bei uns wärmere Tieflagen bis etwa 800 m. Die Falter saugen gerne an allerlei stark riechenden Stoffen wie menschlichem Schweiß, Leder, Kot und Aas. Auch die Falter des Kleinen Schillerfalters können öfters auf feuchten Forstwegen sitzend beobachtet werden, wo sie Mineralien saugend aufnehmen. Die Falterflugzeit beginnt bei uns Anfang bis Mitte Juni, in Südeuropa bereits Ende Mai. In Gebieten, in denen nur eine Generation ausgebildet wird, dauert diese bis Mitte oder Ende Juli; in sehr warmen Tieflagen endet sie oft bereits Anfang Juli. Je nach Lokalklima werden eine oder zwei Generationen ausgebildet. Die Flugzeit der zweiten Generation beginnt – abhängig vom Lokalklima – Anfang bis Ende August und dauert bis Mitte September. In Südeuropa können Einzelfalter bis Mitte Oktober angetroffen werden.
Artenschutzmaßnahmen im Wald
Der Große Eisvogel ist in Deutschland stark gefährdet und wird entsprechend auf der Roten Liste geführt. Er kommt bei uns nur noch in sehr geringer Dichte vor und gilt als selten, obwohl die Aspen als Futterpflanzen seiner Raupen in unseren Wäldern durchaus nicht selten sind. Auch die notwendigen Lebensräume scheinen noch ausreichend vorzukommen. Es wird angenommen, dass der Große Eisvogel auf kontinentale, kalte Winter angewiesen ist und dass der Klimawandel zu seinem Rückgang beiträgt. Auch für den Kleinen Schillerfalter ist die Zitterpappel die wichtigste Nahrungspflanze für die Entwicklung seiner Raupen.
Um diese seltenen und attraktiven Schmetterlingsarten sowie viele weitere Arten zu schützen, sind Forstleute und Waldbesitzende gefordert, Aspenbestände in Wäldern zu erhalten. Zum Schutz der Art sollten insbesondere Aspen an Waldaußen- und Waldinnenrändern sowie, Tümpel, Gräben und Bäche erhalten und vor allem auf Kahlflächen gezielt gefördert werden.
Zusammenfassung
An der Gattung Populus kommen bei uns 470 phytophage Insekten- und Milbenarten vor. Über 151 dieser Arten sind auf Pappeln spezialisiert. Zu den wichtigen heimischen Pappelarten, die als Nahrungspflanzen für diese Arten dienen, gehört der Baum des Jahres: die Zitterpappel (Aspe). Insbesondere für die heimische Schmetterlingsfauna spielt die Aspe eine wichtige Rolle. Die Raupen des Großen Eisvogels und des Kleinen Schillerfalters – zwei der attraktivsten heimischen Tagfalterarten – leben an der Aspe. Lebensraum der Falter sind bei uns Mischwälder mit hohem Zitterpappelvorkommen. Der Große Eisvogel gilt in Deutschland als stark gefährdet. Zum Arterhalt sollten Aspenbestände, Waldrandbereiche sowie Feuchtgebiete im Wald geschützt werden.







