Die 2009 dem Waldforum der Vereinten Nationen (UNFF) vorgestellte Studie "Anpassung der Wälder und der Menschen an den Klimawandel – Eine globale Bewertung" wurde vom internationalen Verband forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO) mit Sitz in Wien im Rahmen der globalen Waldpartnerschaft (CPF) koordiniert, einer Allianz von 14 internationalen Organisationen. Bei dem von 35 führenden Wissenschaftlern im Bereich Forstwirtschaft verfassten Bericht handelt es sich um die erste weltweite Studie zur Anpassungsfähigkeit der Wälder an den Klimawandel.

Klimawandel setzt Wäldern zu

"Für gewöhnlich wird angenommen, dass die Wälder die Folgen des Klimawandels abschwächen. Tatsächlich aber könnten die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels in den nächsten Jahrzehnten dazu führen, dass die Wälder große Kohlenstoffmengen freisetzen. Dies würde die globale Erderwärmung weiter beschleunigen, anstatt sie zu verlangsamen", sagt der Vorsitzende der Autorengruppe Professor Risto Seppälä vom finnischen Waldforschungsinstitut (Metla).

Die nun vorgestellte Analyse zeigt, dass sich die Verhandlungen im Rahmen der Klimakonvention auch mit den möglicherweise gravierenden Folgen der fortschreitenden Erderwärmung für die Wälder selbst befassen müssen.

Durch höhere Temperaturen geht Regulierungsfunktion verloren

Obwohl die Entwaldung für etwa 20 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich zeichnet, speichern Wälder in Summe derzeit noch deutlich mehr Kohlenstoff, als sie emittieren. Die Bäume und Böden nehmen mehr als ein Viertel der globalen Kohlenstoffemissionen auf und speichern diese. Nach Meinung der Wissenschaftler droht diese wichtige Kohlenstoffregulierungsfunktion der Wälder vollständig verloren zu gehen, wenn sich die Temperatur im Vergleich zum vorindustriellen Niveau um 2,5 Grad Celsius oder mehr erhöht.

Die Studie hält fest, dass steigende Temperaturen in Kombination mit dem klimabedingt häufigeren Dürreperioden, Waldkrankheiten und anderen schädlichen Auswirkungen zu einer erheblichen Schädigung der Wälder führen könnten. Dies könnte zu einem gefährlichen Teufelskreislauf führen, bei dem die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald zu einem erheblichen Anstieg der globalen Kohlenstoffemissionen führen, welche wiederum den Treibhauseffekt weiter verstärken.

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass die Auswirkungen auf verschiedene Ökosysteme im Lauf der Zeit variieren. Die Rolle der Wälder als Nettokohlenstoffspeicher könne selbst unter verhältnismäßig konservativen Szenarien verloren gehen, also selbst dann, wenn es gelingt, die Emissionen teilweise zu reduzieren und die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre zu stabilisieren. Im Moment steigen diese ja weiter deutlich an.

Gefahren, aber auch mögliche positive Auswirkungen des Klimawandels

Die Studie beschreibt eine Reihe weiterer möglicher Konsequenzen des fortschreitenden Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten:

  • In den subtropischen und südlichen Wäldern der gemäßigten Zone sind Trockenperioden in größerer Häufigkeit und Intensität zu erwarten. Dies könnte vor allem die Wälder im Westen der USA, in Nordchina und im Mittelmeerraum, sowie jene in den subtropischen Gebieten Afrikas, Mittelamerikas und Australiens betreffen. "In weiterer Folgen werden Waldbrände in größerer Häufigkeit auftreten, und die Gefahr für Waldkrankheiten wird steigen", so die Studie.
  • Die Experten zeigen sich auch darüber besorgt, dass die Produktivität der Wälder infolge des Klimawandels in einigen trockenen und halbtrockenen Gebieten, wie etwa in Teilen der westlichen USA, derart zurückgehen könnte, dass eine wirtschaftliche Nutzung nicht länger möglich ist;
  • Es ist davon auszugehen, dass die vom Wald abhängigen Menschen insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent von geringeren Niederschlägen und verstärkten Dürreperioden in besonderen Maß betroffen sein werden.
  • In einigen Gebieten könnte der Klimawandel aber auch zu einem substanziellen Zuwachs an Holz führen, der sich aus höheren Temperaturen in Kombination mit dem düngenden Effekt des vermehrten Kohlenstoffs in der Atmosphäre ergibt. So könnten sich die borealen Nadelwälder Kanadas, Finnlands, Russlands und Schwedens weiter nach Norden ausbreiten.

Die Wissenschaftler warnen davor, dass die Bemühungen zur Anpassung an den Klimawandel dem Wald nur vorübergehend Erleichterung verschaffen könnten. "Selbst für den Fall, dass sämtliche Anpassungsmaßnahmen vollständig umgesetzt werden, würde der ungebremste Klimawandel im Verlauf dieses Jahrhunderts die Anpassungsfähigkeit vieler Wälder überschreiten", meint der Schweizer Professor Andreas Fischlin von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, einer der führenden Autoren dieser Studie und ein Wissenschaftler im UN Weltklimarat. "Die einzige Möglichkeit zur Abwendung von noch nie dagewesenen Schäden für unsere Wälder besteht darin, die Treibhausgasemissionen im großen Ausmaß zu reduzieren."

Politik muss handeln

Die Waldexperten räumen ein, dass weitere Forschungsergebnisse notwendig sein werden, um noch präzisere Aussagen über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald und die Wirksamkeit verschiedener Anpassungsmaßnahmen machen zu können. Auch wenn keine vollständigen Daten vorliegen, sind politische Entscheidungsträger dennoch dazu aufgerufen, zu handeln.