Es steht außer Zweifel, dass Veränderungen im CO2-Haushalt der Erde zu einer Veränderung des Klimas führen. Der Wald nimmt in dreifacher Hinsicht eine wichtige Rolle im Klimawandel ein: Er ist Betroffener und Helfer, kann aber auch (Mit-) Verursacher sein. Die Rolle des Waldes und die künftigen Bewirtschaftungsstrategien müssen daher differenziert betrachtet werden.

In diesem Beitrag sollen die drei wesentlichen Rollen des Waldes und deren Wirkungen auf den Kohlenstoffhaushalt erörtert werden. Abschließend soll kurz auf Wechselwirkungen zur Holzwirtschaft eingegangen werden.

Es steht außer Zweifel, dass Veränderungen im CO2-Haushalt der Erde zu einer Veränderung des Klimas führen. Der Wald nimmt in dreifacher Hinsicht eine wichtige Rolle im Klimawandel ein: Er ist Betroffener und Helfer, kann aber auch (Mit-) Verursacher sein. Die Rolle des Waldes und die künftigen Bewirtschaftungsstrategien müssen daher differenziert betrachtet werden.

In diesem Beitrag sollen die drei wesentlichen Rollen des Waldes und deren Wirkungen auf den Kohlenstoffhaushalt erörtert werden. Abschließend soll kurz auf Wechselwirkungen zur Holzwirtschaft eingegangen werden.

Wald als Betroffener

Nach einheitlicher Expertenmeinung werden klimatische Extremereignisse an Häufigkeit und Intensität zunehmen (siehe Literatur in Hartebrodt et al. 2007). Dabei richtet sich das Augenmerk zunehmend auf das Risiko Trockenheit und in deren Folge auf biotische Schäden (insb. Borkenkäfer), unter bestimmten stand­örtlichen Gegebenheiten auch auf abiotische Schäden wie Trocknis oder Feuer. Betrachtet man die Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte, wird deutlich, dass die Phasen ohne einen relevanten Einfluss von Zwangsnutzungen immer kürzer werden. Insofern darf erwartet werden, dass die Forstwirtschaft künftig eher "mit der Katastrophe" wirtschaften muss als, wie bisher üblich, ihre Managementstrategien auf einen sogenannten "Normalzustand" auszurichten (siehe hierzu Hartebrodt 2008). In waldbaulicher und ökologischer Hinsicht gibt es eine Vielzahl an negativen, neutralen und zumindest partiell positiven Folgen. Für die ökonomische Dimension der Waldwirtschaft hingegen kann aufgrund der bisherigen Entwicklungen gefolgert werden, dass ungeplante Einschläge, im Vergleich zu einem planmäßigen Betriebsablauf, in jedem Fall negative Effekte aufweisen (vgl. u. a. Hartebrodt 2004).

Wald als Helfer

Auch die "Helferrolle" des Waldes ist viel diskutiert. Sicher ist, dass die Wälder Baden-Württembergs in der Vergangenheit in relevantem Umfang CO2 gespeichert haben. Zwischen der Bundeswaldinventur (BWI) I und der BWI II wurden knapp 7 % der CO2-Emissionen des Landes gespeichert (Pistorius 2007). Damit liegen die hiesigen Wälder im europäischen Trend. Jannsens et al. (2003) publizieren eine Rate von 7-12 % der Emissionen, schließen jedoch andere biogene Speicher (z. B. Grünlandböden) mit ein. Die Wälder Baden-Württembergs haben damit eine – auch gesamtgesellschaftlich – relevante Senkenwirkung entfaltet. Sicher ist, dass Wälder in kurz- bis mittelfristigen Zeiträumen weiterhin als CO2-Senke genutzt werden können. Allerdings gilt hier für Baden-Württemberg, das ein rekordverdächtig hohes Holzvorratniveau aufweist, dass die "Speicher-Bäume nicht mehr in den Himmel" wachsen werden. So lassen nahe liegende Abhängigkeiten zwischen Baumhöhe und Sturmrisiko erkennen, dass mit einer Zunahme der Durchschnittshöhen und Vorratsanreicherung möglicherweise der Grundstein für den Wechsel in die Verursacherrolle gelegt wird.

Wald als Verursacher

Nimmt man die Tatsache zur Kenntnis, dass das Risiko von kalamitätsbedingten Waldverlusten eher zu- als abnimmt, kann dauerhaft nicht ausgeschlossen werden, dass auch Wälder in Baden-Württemberg zu CO2-Emittenten werden. Schon eine besitzartenbezogene Betrachtung der Ergebnisse der Vorratsentwicklung zwischen der BWI I und II zeigt, wie "labil" die Vorratsbilanz sein kann. Zweifelsfrei hat der Gesamtwald in Baden-Württemberg zwischen 1987 und 2002 einen Vorratsaufbau erfahren. Es gibt aber durchaus Besitzarten, die in dieser Periode einen Vorratsverlust erkennen lassen. So hat beispielsweise im Staatswald das Sturmereignis Lothar in Kombination mit einem zuvor planmäßig hohen Holzeinschlag dazu geführt, dass die Vorräte leicht zurückgegangen sind (Tab. 1).

Auch wenn dies bisher nur ein Schlaglicht ist und im Staatswald dieser Verlust in der Sturmfolgezeit (nach 2002) durch Einschlagszurückhaltung längst wieder kompensiert wurde, zeigt dies doch, dass das Szenario Vorratsverlust auch in Baden-Württemberg denkbar ist.

Allerdings greift die alleinige Betrachtung des Waldspeichers zu kurz, da in Bäumen gespeicherter Kohlenstoff nicht zum Zeitpunkt der Ernte emittiert wird. Daher gilt es, den Produktlebenszyklus von Holz im Gesamten zu betrachten.

Wald als CO2-Speicher

Die heimischen Wälder haben einen Beitrag zur Kompensation der CO2-Emissionen geleistet. Aufgrund der Tatsache, dass hierbei praktisch keine Primärenergie zugeführt werden muss, ist diese Speicherform zunächst einmal sehr effizient. Auf die Dauer ist aber zu berücksichtigen, dass alle Waldökosysteme einem Fließgleichgewichtszustand zustreben, in dem dann kein zusätzlicher Kohlenstoff mehr eingelagert werden kann. Der Speichereffekt im Wald ist daher endlich und nicht wiederholbar.

Fasst man die jüngsten Erkenntnisse der Sturmschadensforschung vereinfacht zusammen, kann festgestellt werden, dass die Sturmschadenswahrscheinlichkeit mit zunehmender Baumhöhe, letztere normalerweise mit höheren Vorräten verknüpft, zunimmt. Die mit dem Klimawandel verbundene höhere Sturmhäufigkeit kann dazu beitragen, dass das theoretisch erreichbare maximale Speichervolumen in einer Region oder in einem Land eher früher als später erreicht wird. Das theoretisch maximale Speichervolumen unter verschiedenen Risikoszenarien kann derzeit nicht sicher quantifiziert werden. Insofern sind Aussagen über das verbleibende Rest-Speicherpotenzial in Baden-Württemberg nicht möglich. Festzuhalten bleibt aber, dass Wechselwirkungen zum Klimawandel bestehen, und dass es sich um eine endliche Wirkung handelt (Abb. 2).

Die Rolle von Holzprodukten

Aktuell wird diskutiert, auch die Holzprodukte in die Betrachtung mit einzubeziehen. Dies ist sinnvoll, da die Wald-Sphäre und die Technosphäre sehr eng miteinander verbunden sind (Abb. 3, aus Hartebrodt und Pistorius 2007).

Richtig ist, dass in Holzprodukten der Effekt der CO2-Speicherung in Wäldern verlängert werden kann. Je nach Holzprodukt können dabei unterschiedliche, bei langlebigen Produkten recht beachtliche Zeiträume der Verlängerung des Speichereffektes eintreten. So beträgt die "Halbwertszeit" von Bauholz 36 Jahre, bei Möbeln immerhin noch 24 Jahre. Papier verbleibt nur ca. 2 Jahre im Produktkreislauf und ver­längert die Speicherwirkung nur unwesentlich (Pistorius 2007).

Durch Veränderungen im "Produktmix", z. B. einer intensiveren Nutzung von Holz zu Bauzwecken, also in einer langfristiger Speicherung, kann diese Wirkung erhöht werden. Trotzdem lassen Simulationsergebnisse erkennen, dass auch der Produktspeicher in der Tendenz zur Sättigung neigt. Insgesamt haben wir es auch hier mit einer endlichen Funktion zu tun.

Die Substitutionseffekte

Damit bleibt abschließend der Substitutionseffekt, also der Austausch von Produkten und Energieträgern, die unter Einsatz von oder als fossile Energieträger einen Ausstoß von CO2 auslösen. Die Material- und Energiesubstitution sind die einzigen Effekte, die dauerhaft wiederholt werden können, solange es nicht gelingt, gänzlich auf den Einsatz von nicht erneuerbaren Materialien und Energieträgern zu verzichten. Aus heutiger Sicht scheint dies bei der Energie allenfalls noch theoretisch denkbar zu sein, beim Material wohl kaum. Im Bereich der Substitutionswirkung kann es durch Nutzung der Ressource Holz dauerhaft gelingen, einen positiven Beitrag zur CO2-Reduktion zu leisten.

Simulationsergebnisse

Pistorius (2007) vergleicht drei kurzfristige Nutzungsszenarien (der Jahre 2002 bis 2012) hinsichtlich ihrer Effekte auf die Speicherung im Wald, auf Produkte und Substitutionseffekte. Bei Nutzungsszenario 1, einer vollständigen Nutzung aller zuwachsenden Holzmengen gemäß den Ergebnissen der BWI II bzw. der darauf aufbauenden Holzaufkommensprognosen schneidet CO2-bilanziell am schlechtesten ab. Hohen Substitutionseffekten von ungef. 17 Mio. t C steht eine weitgehende Konstanz beim Produkt- und Waldspeicher gegenüber. Das zweite Szenario "Aufgabe der Holznutzung" führt zwar zu einer maximalen Erhöhung der C-Volumina in den Wäldern (plus ungefähr 36 Mio. t), löst aber eine markante Reduktion von Kohlenstoff im Produktspeicher und eine deutliche Verminderung der Substitutionseffekte aus. Das dritte Szenario, eine Fortführung der bisherigen Bewirtschaftung, nimmt eine intermediäre Rolle ein. Zwar liegt die Speicherung im Wald um etwa 6 Mio. t unter dem Niveau, das bei einer Aufgabe der Nutzung erreicht werden könnte, etwa 4 Mio. t dieses Niveauunterschieds werden aber durch eine weitgehende Aufrechterhaltung von Substitutionseffekten und Speicherung in Holzprodukten weitgehend kompensiert. Die Szenarien "Bisherige Nutzung" und "Nutzungsverzicht" kommen sich damit CO2-bilanziell vergleichsweise nahe. Eine Fortführung der bisherigen Bewirtschaftung führt damit also nicht zu substanziellen Einbußen in der Frage der C-Bilanz, ermöglicht aber im Gegensatz zur Variante "Nutzungsverzicht" im erheblichem Umfang die Nutzung anderer gesellschaftlich wichtiger Waldfunktionen.

Die Situation außerhalb der CO2-Sphäre

Genauso wenig wie Wald auf seine monetäre Seite reduziert werden darf, sollte in der Zukunft der Fehler begangen werden, Wald auf seine Kohlenstoffdioxid-Bilanz zu reduzieren. Kohlenstoffspeicherung ist nur ein Ziel von vielen im Rahmen der Waldbewirtschaftung. Auf den ersten Blick muss (aus Sicht der Forstwirtschaft vielleicht schmerzlich) festgestellt werden, dass auf kurz- bis mittel­fristige Sicht (aber nur in dieser Zeitdimension und mit permanent steigendem Risiko) der Waldspeicher aufgrund fehlender Transformationsverluste die effizienteste Speicherform ist. Gleichwohl muss festgehalten werden, dass eine Reduktion auf diese Waldfunktion alle anderen Waldfunktionen verhindert, die mit einer Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Holz einhergehen. Hier kann auf die bereits zahlreich vorhandenen Clusterstudien verwiesen werden, die die erhebliche gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft eindrücklich belegen. Die meisten der dort beschriebenen Effekte sind mit einer einseitigen Bevorzugung der Speicherwirkung von Wäldern nicht vereinbar.

Fazit

In der abschließenden Gesamtbetrachtung müssen Fragen der Kohlenstoffbilanz immer zusammen mit volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekten betrachtet sowie diskutiert werden. Ein hinreichender Königsweg, bei dem alle Ziele maximal erreicht werden können, existiert in dieser Frage bedauerlicherweise nicht.