Mehr als nur Wetterstationen
17 Waldklimastationen gibt es in Bayern. Sie sind über die wichtigsten forstlichen Wuchsgebiete verteilt und bestehen jeweils aus einer Freiland- und einer Waldstation. Gemessen werden dort nicht nur Temperatur, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit. Auch Stoffeinträge, Bodenfeuchte und Inhaltsstoffe des Bodens werden erfasst. Gleichzeitig wird beobachtet, wie der Wald darauf reagiert – etwa beim Baumzuwachs, beim Laubfall, bei der Bodenvegetation oder bei der Waldernährung.
Auch das Klima unterscheidet sich im Wald von dem auf freien Flächen. Die Baumkronen wirken isolierend: Im Sommer ist es im Wald weniger warm, im Winter weniger kalt. Durch die Transpiration der Bäume ist zudem die Luftfeuchtigkeit höher. Beim Niederschlag kommt es ebenfalls zu Unterschieden: Ein Teil des Regens wird zunächst von den Baumkronen zurückgehalten und kann dort wieder verdunsten. Wie stark dieser Effekt ist, hängt unter anderem vom jeweiligen Bestand ab. Ein dichter Buchenjungbestand hält beispielsweise mehr Niederschlag zurück als eine Kiefernkrone.
Was 35 Jahre Waldklimadaten zeigen
35 Jahre sind im Klimakontext noch keine sehr lange Zeit. Dennoch lassen sich Veränderungen erkennen. Die Vegetation beginnt heute deutlich früher auszutreiben als zu Beginn der Messungen. Gleichzeitig sind die Wasservorräte im Boden schneller aufgebraucht. Die Bäume geraten dadurch in Trockenstress, ihr Wachstum geht zurück und das Laub fällt früher. Teilweise leiden Bäume noch Jahre nach einer Trockenperiode unter deren Folgen.
Nicht jedes Jahr ist extrem. Gerade 2024 und 2025 haben trotz warmer Temperaturen durch etwas mehr Niederschlag zu einer leichten Erholung des Waldes beigetragen. Insgesamt zeigt sich jedoch eine Tendenz zu wärmeren und trockeneren Sommern. Hinzu kommt, dass sich die Zahl der heißen Tage mit mehr als 30 °C innerhalb der 35 Jahre verdoppelt hat. Gerade die wiederholte Kombination aus warmen und trockenen Jahren in relativ kurzen Abständen setzt dem Wald zu.
Vom Datengebirge zur Aussage
35 Jahre Messungen ergeben ein regelrechtes “Datengebirge”. Viele meteorologische Werte werden im Abstand von wenigen Minuten erfasst. Ein Teil der Daten wird automatisch über Datenlogger und Datenfernübertragung in die Datenbank übertragen, andere müssen weiterhin von Hand aufgenommen werden. Dazu gehören unter anderem Wasser- und Streuproben, Messungen an Bäumen und Beobachtungen des Entwicklungsstands der Vegetation.
Anschließend werden die Daten geprüft, zusammengeführt und ausgewertet. Bei den Wasserproben reicht beispielsweise die gemessene Konzentration eines Stoffes allein nicht aus. Erst zusammen mit der Wassermenge lässt sich berechnen, wie viel Stickstoff tatsächlich pro Hektar und Jahr eingetragen wurde. Auch bei den Streuproben werden die Daten entsprechend hochgerechnet. So lässt sich unter anderem erkennen, dass die Streu in Trockenjahren tendenziell früher fällt und im Folgejahr weniger Blattmasse gebildet wird.
Allein aus dem Bereich der Waldklimastationen kommen jährlich rund 10.000 Proben zusammen. Rund 800 Wasserproben werden jeden Monat an das LWF-Labor geschickt. Dort werden beispielsweise Streuproben von Hand in Blätter, Nadeln, Früchte und Zweige sortiert und anschließend analysiert.

Abb. 2: Seit 35 Jahren erfassen die Waldklimastationen kontinuierlich Daten – viele davon automatisiert, andere durch manuelle Messungen und Probenahmen. Foto: Tobias Hase
Wichtig für Forschung und Praxis
Die Daten der Waldklimastationen werden nicht nur an der LWF genutzt. Seit Beginn der Messungen wurden bereits mehr als 1.000 Datenlieferungen für Interessierte und insbesondere für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereitgestellt. Die Daten fließen außerdem in Veröffentlichungen, Grafiken und hauseigene Produkte wie den Walddürremonitor und das Bayerische Standortinformationssystem ein. Auch die Ämter greifen auf die Grafiken beispielsweise für Vorträge zurück.
Die Waldklimastationen sind zudem Teil des europäischen ICP-Forests-Programms. Dort werden Daten nach einheitlichen Standards erhoben und europaweit ausgewertet. Auch die bayerischen Messreihen fließen in diese Auswertungen ein.
Warum die langen Messreihen wichtig sind
Der große Wert der Waldklimastationen liegt vor allem in der Länge ihrer Messreihe. Gerade bei den Reaktionen des Waldes auf unterschiedliche Einflüsse sind 35 Jahre etwas Besonderes. Kurzfristige Forschungsprojekte können bestimmte Fragestellungen zwar sehr gezielt untersuchen, erfassen aber nicht die Entwicklung über einen so langen Zeitraum.
Darüber hinaus helfen die Daten, die Zusammenhänge im Waldökosystem besser zu verstehen. Durch die ganzheitliche Erfassung lassen sich auch Entwicklungen erkennen, die zunächst nicht erwartet wurden. Genau darin liegt ein weiterer wichtiger Punkt: Auch nach 35 Jahren gibt es im Wald noch viel zu lernen.




