Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Waldökologie
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| Autor(en): | Katharina Töpfer und Manuel Karopka |
| Redaktion: | FVA, Deutschland |
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Foto: FVA |
Die Vogelkirsche, auch Süßkirsche genannt, ist ein schnellwachsender Laubbaum mit breiter kegelförmiger Krone. Charakteristisch ist die rötlich-braune Rinde, die sich mit zunehmendem Alter wegen der vielen Lentizellen ringförmig in waagerechten Streifen ablöst und rissig wird (s. Abb. 1 und 2).
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| Abb. 1: Kirschenstamm mit rissiger Borke. (Foto: Aldinger) |
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| Abb. 2: Kirschenstamm mit glatter Rinde und den typischen mit Lentizellen. (Foto: Weidner) |
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| Abb. 3: Stamm der Vogelkirsche. (Foto: Aldinger) |
Die
Kirsche gehört zur Gattung der Rosengewächse (Rosaceae). Sie
ist in ganz Europa heimisch, mit Ausnahme von Nordosteuropa
und Teilen der Mittelmeerküste. Sogar in
Nordamerika, Vorderasien und Nordafrika ist sie bereits eingebürgert.
Sie ist
die Wildform der Süßkirschen, welche bei uns im Obstbau bekannt sind.
Ihr
Lebensraum erstreckt sich vom Tiefland bis auf 1000 m Höhe. In den Alpen
und im Kaukasus kommt sie in Strauchform noch bis in Höhen von 2000 m
vor.
In Baden-Württemberg ist sie überall verbreitet mit Ausnahme der
Hochlagen des Schwarzwaldes.
Die Kirsche ist sowohl
auf tiefgründigen, frischen, nährstoffreichen als auch auf mäßig
trockenen bis
trockenen Standorten in der kollinen und submontanen Höhenstufe
konkurrenzfähig.
Sie reagiert empfindlich gegenüber Staunässe; bei Überflutung stirbt sie
rasch
ab. Auf sommerwarmen, frischen nährstoffreichen Standorten wächst sie an
Waldrändern oder in Au- und Laubmischwäldern. Besonders wüchsig ist sie
in der kollinen
Höhenstufe. So findet die Vogelkirsche optimale Standortsbedingungen
beispielsweise in Eichen-Hainbuchenwäldern auf nährstoff- und
kalkreichen
Lehmböden. Andererseits zeichnet sie sich auch durch ihre Hitze- und
Trockenheitsresistenz aus. So
kann sie gelegentlich als Pionier auf Schuttflächen vorkommen; in
höheren Lagen
tritt sie an Waldrändern auf.
In der Jugend, etwa bis ins Alter von 20 Jahren, zeigt sie guten Höhenzuwachs und eine hohe Schattentoleranz, was ihr im Konkurrenzkampf im Bestand mit Esche und Bergahorn zugute kommt. Wenn sie sich in der Dickungsphase durchsetzt, benötigt sie ab dem Baumholzalter freien Kronenraum. Sie kann dann auf besten Standorten bis zu 30 m hoch und über 100 Jahre alt werden. In dieser Phase ist sie auch optimalen Buchenstandorten selbst der Buche überlegen, die danach aber aufholt und sie später überwächst.
Kirschen kommen natürlich nicht in Reinbeständen vor, sondern stets vereinzelt als Begleitbaumart. Für ihr Wachstum benötigt sie ausreichenden Standraum. Sie verjüngt sich natürlich über Samen und häufig über Wurzelbrut. Typische Begleitbaumarten sind Ahorn und Esche. Der Anteil der Kirsche an der baden-württembergischen Waldfläche liegt bei unter 1 %.
Die Vogelkirsche gilt zwar im Allgemeinen als frosthart, jedoch sind besonders ihre Blüten spätfrostgefährdet. Ihre Blütezeit fällt in den Zeitraum März–April und dauert ca. eine Woche. Die Blüte fällt damit in eine Zeit, in der häufig die letzten Frosttage auftreten. Die Blüten können dann erfrieren, oder Regen und Kälte verhindern eine Bestäubung durch Bienen oder Hummeln. Während der Blütezeit im Frühjahr sind Vogelkirschen wichtige Nahrungsquellen für diese Insekten, die auch im Wesentlichen die Bestäubung der Blüten übernehmen. Die Blätter produzieren an ihrem Stiel Nektardrüsen und locken so im Sommerhalbjahr Raubinsekten an, die den Baum von bestimmten Schadinsekten freihalten.
Nicht nur Menschen genießen die süßen Früchte; Kirschen stellen auch für Vögel, wie schon der Name des Baumes erkennen lässt, eine wichtige Ernährungsgrundlage dar. Auch Säugetiere, zum Beispiel Mäuse, legen sich Wintervorräte mit Kirschkernen an. Somit tragen diese Tiere auch zur Verbreitung der Kirsche bei: Vögel scheiden die unverdauten Kerne wieder aus oder der Nahrungsvorrat wird nicht wieder gefunden und unter günstigen Bedingungen kommt es später zur Keimung. Somit ist die Vogelkirsche das ganze Jahr über vielen Lebewesen ein wichtiger Futterlieferant.
Einen besonderen ästhetischen Wert hat die Vogelkirsche nicht nur im April, wenn ihre weiß-rosa Blüten Waldränder und Kirsch-Regionen in ganz Europa schmücken. Auch ihr Herbstlaub mit orange-roter Färbung ab Mitte Oktober wirkt sehr dekorativ.
Das Kirschbaumholz hat einen gelb-rötlichen bis rotbraunen Kern und einen gelblich-weißen Splint, teilweise mit grünlichen Streifen; durch Lichteinfluss kann die Farbe nachdunkeln, es entsteht dann eine warme, hell-goldgelbe bis dunkel-rotbraune Farbtönung. Die Nachfrage nach Kirschbaumholz ist zwar marktüblichen Schwankungen unterworfen, es ist aber seit Jahrhunderten ein beliebtes Holz für Möbel (besonders in der Biedermeier- und Jugendstil-Zeit). Sowohl Furnier als auch Massivholz wird für hochwertige Innenausstattung in der Möbelindustrie verwendet. Auch im Musikinstrumentenbau ist Kirschbaumholz gefragt und im gehobenen Fahrzeugbau wird Kirschbaum-Furnier als Verkleidung des Armaturenbrettes eingesetzt. Für Furnierqualität, werden teilweise sehr hohe Festmeterpreise von bis zu 2.000 € bezahlt.