Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
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| Autor(en): | Karl Josef Meiwes, Norbert Asche, Joachim Block, Reinhard Kallweit, Christian Kölling, Gerhard Raben und Klaus von Wilpert |
| Redaktion: | FVA, Deutschland |
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Der heutzutage in der forstlichen Diskussion oft verwendete Begriff ist das Nutzungspotenzial. Nicht nur die Ergebnisse der zweiten Bundeswaldinventur, auch die Entwicklung neuer Märkte für die Verwertung schwächerer Sortimente und Reisig geben Anreize zur vermehrten Nutzung von Holz und Biomasse. Gerade die Holznutzung spielt in der umweltpolitischen Diskussion über Reduktionsmöglichkeiten von CO2-Emissionen eine zunehmend gewichtige Rolle.
Konventionell oder als Energieholz genutzt stellen forstliche Produkte eine beachtliche Kohlenstoffsenke dar oder wirken durch Substitution fossiler Energieträger günstig auf die CO2-Bilanz. Die Mobilisierung des Nutzungspotenzials an Holz und forstlicher Biomasse erscheint in der gegenwärtigen Diskussion als nahezu ideale Verschmelzung ökonomischer und umweltpolitischer Ziele. Im forstlichen Selbstverständnis stellt sich der Sachverhalt so dar: Wenn man bislang ungenutzte Potenziale vermehrt mobilisiert und nutzt, ist dies nicht nur ökonomisch interessant, man leistet auch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Bei der allgemeinen Aufbruchstimmung und Euphorie in der Forstwirtschaft wird bisweilen übersehen, dass es für jede Art von forstlicher Nutzung Beschränkungen gibt, die sich aus der Funktionsweise der Waldökosysteme und ihres Stoffhaushalts ergeben.
Mit jeder Nutzung von Holz und sonstiger Biomasse werden den Waldökosystemen Kohlenstoff und Nährstoffe entzogen. Die Grenze zur Übernutzung ist dann überschritten, wenn die Nährstoffbilanz negativ ist, also "Ausgaben" durch Ernteentzüge und Sickerwasseraustrag über den "Einnahmen" aus Gesteinsverwitterung und luftbürtigen Stoffeinträgen liegen. Übernutzungen gehen langfristig immer zu Lasten der Bodenfruchtbarkeit und stellen einen Verzehr des Betriebskapitals "Nährstoffe im Waldboden" dar, wenn nicht Ausgleichsmaßnahmen, etwa in Form einer Düngung, ergriffen werden.
Die ungeschmälerte Erhaltung dieses
Betriebskapitals ist nichts anderes als die Erfüllung des im forstlichen
Bereich entwickelten und praktizierten Prinzips der Nachhaltigkeit. Die Folgen
von Übernutzungen als Verletzungen des Nachhaltigkeitsprinzips werden in den
reaktionsträgen Systemen oft erst nach einer längeren Verzögerung festgestellt.
Mit der Zertifizierung haben sich viele Forstbetriebe darauf festgelegt, die Standorte nachhaltig zu bewirtschaften und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Auch die Waldgesetze der Bundesländer fordern einen nachhaltigen Umgang mit dem Produktionsfaktor Waldboden. Eine ordnungsgemäße Forstwirtschaft umfasst auch die dauerhafte Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit (z. B. §§ 4 und 5 des Landeswaldgesetzes Rheinland-Pfalz).
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| Abb. 1: Mit dem Bündler wird Kronenmaterial (einschließlich der grünen Nadeln) zum Abtransport aus dem Wald bereitgestellt. Solche extremen Nutzungsformen sollten nur angewandt werden, wenn ein massiver Nährstoffentzug tolerierbar oder sogar erwünscht ist (z. B. Nutzung von Straßenbegleitgrün, Freihaltung von Naturschutzflächen). (Foto: S. Wittkopf) |
Die Bodenschutzgesetzgebung verpflichtet
Grundstückseigentümer Vorsorge gegen das Entstehen schädlicher
Bodenveränderungen zu treffen, die durch die Nutzung hervorgerufen werden
können (§ 7 Bundesbodenschutzgesetz). Die Landesdienstellen und die Gemeinden
als die größten Waldbesitzer in Deutschland sollen Vorbild bei der Wahrung der
Belange des Bodenschutzes sein (z. B.
Begründung zu § 4 des Landesbodenschutzgesetzes Rheinland-Pfalz).
In der Medizin ist es üblich, jede Art von Behandlung vorher auf Risiken und Nebenwirkungen zu prüfen. Wenn man in der Forstwirtschaft neue Formen und Intensitäten der Nutzung einführt, ist eine solche Prüfung ebenfalls unumgänglich. Sobald Risiken und Nebenwirkungen aufgedeckt werden, muss zwischen dem Hauptnutzen und den schädlichen Begleiterscheinungen abgewogen und eine Entscheidung getroffen werden. Durch Modifikationen und Restriktionen sollte man versuchen, die negativen Auswirkungen zu begrenzen. Am Ende einer solchen Prüfung steht ein wissenschaftlich abgesichertes Ergebnis, das im Idealfall die maximale Hauptwirkung bei kontrollierter oder minimierter Nebenwirkung erwarten lässt.
Im
Folgenden weisen wir auf Risiken und Nebenwirkungen vermehrter forstlicher
Nutzung hin, um die Nachhaltigkeit als beherrschendes ökonomisches
Prinzip in der Forstwirtschaft einzufordern und um alle Optionen für zukünftige
Nutzungen offen zu halten. Damit verweisen wir auf die Erfahrungen früherer
Übernutzungen in Wäldern (z. B. Waldweide, Streunutzung), die in deutliche
Verluste an Bodenfruchtbarkeit mündeten und langwierige und kostspielige
Sanierungsmaßnahmen erforderlich machten.
Versuchsergebnisse aus Skandinavien, Österreich und Schottland zeigen, dass nach intensiver Biomassenutzung erhebliche Zuwachseinbußen möglich sind [6]; diese gilt es zu vermeiden, soll die Energieholznutzung mittelfristig wirtschaftlich sein.
Nährstoffbilanzen
geben Auskunft darüber, wie sich die Nährstoffvorräte im Ökosystem verändern. Sie
ergeben sich aus der Differenz der Nährstoffzufuhr über Verwitterung und
luftbürtigen Eintrag einerseits und der Nährstoffabfuhr durch die Nutzung und
den Sickerwasseraustrag anderseits.
Für Waldbestände auf Buntsandstein in Rheinland-Pfalz zeigen Messungen und darauf aufbauende Modellrechnungen, dass für Traubeneichen-Buchenbestände die Bilanzen von Kalium, Calcium, Magnesium und Phosphor je nach Nutzungsintensität negativ sind (Tab. 1). Die Stickstoffbilanzen sind positiv. Das Beispiel dieser Nährstoffbilanzen zeigt, dass man mit der Energieholznutzung nicht aus dem Vollen schöpfen kann. Es ist notwendig, die Regeln des stabilen Nährstoffhaushaltes zu beachten, will man langfristig und nachhaltig die Standorte intensiver als in den letzten 40 Jahren nutzen, wo aufgrund niedriger Holzpreise viel Restholz im Wald verblieben ist.
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In
der Biomasse von Altbeständen sind je nach Baumart, Standort und
Baumdimensionen in unterschiedlichem Maß Nährstoffe wie Calcium, Magnesium und
Kalium gespeichert. In Tab. 2 sind exemplarisch die Nährstoffvorräte für Traubeneiche
mit Buche und Kiefer mit Buche im Pfälzerwald aufgeführt. Waldökosysteme können
dann auf Belastungen elastisch reagieren, wenn in den Böden ausreichend verfügbare
Nährstoffe vorhanden sind. Es leuchtet ein, dass die verfügbaren
Nährstoffvorräte im Boden (das sind beim Kalium, Calcium und Magnesium die
austauschbaren Bindungsformen) mindestens den Bedarf des Bestandes während
eines Produktionszeitraumes bzw. während einer Umtriebszeit decken sollten. Dies
fordert auch die forstliche Standortskartierung für elastische Ökosysteme [1].
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In
unseren Waldböden ist die Spanne der Vorräte an pflanzenverfügbaren basischen
Kationen viel größer als in der Biomasse (Tab. 3 und 2). Als pflanzenverfügbar
wird bei Calcium, Magnesium und Kalium in der Humusauflage der im Säureaufschluss
extrahierbare Anteil und im Mineralboden der austauschbare Anteil des
Nährstoffvorrats bis Wurzeltiefe betrachtet. Im Boden hängt die Größe des
Vorrats vor allem von der Art des Ausgangsgesteins, von früheren Nutzungen oder
Düngungen und von der Bodenversauerung durch Luftschadstoffe ab. Auf den
ärmsten Standorten reicht der Bodenvorrat nicht einmal annähernd aus, um die
Bedürfnisse selbst eines aus anspruchslosen Baumarten aufgebauten Altholzes zu
befriedigen. Umgekehrt haben die nährstoffreichsten Standorte, z. B. solche auf
Karbonatgestein, weit über dem Bedarf liegende Vorräte. Ähnliche Betrachtungen
wie für die Elemente Calcium, Magnesium und Kalium kann man auch für andere
wichtige Nährstoffe wie Phosphor oder Stickstoff anstellen (Tab. 3). Auch bei
diesen Elementen ist eine große Spanne der Vorräte auf den unterschiedlichen
Standorten zu erkennen.
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Bereits aus diesen wenigen Zahlen wird deutlich, dass die Stoffentzüge durch Biomassenutzung im Wald differenziert bewertet werden müssen. Zum einen müssen die einzelnen Stoffe getrennt betrachtet werden, zum anderen ist es notwendig, die jeweils unterschiedliche Nährelementausstattung der Standorte zu beachten. Außerdem ist die Wechselwirkung zwischen der Biomasseproduktion, den Stoffgehalten in der Biomasse und den Stoffvorräten im Boden zu beachten. Auf den armen Standorten sind zumeist auch Biomasseproduktion und Stoffgehalte niedriger [5].
Bei jeder Biomassenutzung wird den Waldökosystemen Kohlenstoff entzogen, der dann nicht mehr für die Humusbildung zur Verfügung steht. Viele Untersuchungen haben gezeigt, welche große Bedeutung die organische Substanz für die Fruchtbarkeit von Waldböden hat. Der Bodenhumus ist Nährstoffspeicher, langsam fließende Nährstoffquelle, Wasserspeicher und nicht zuletzt Wurzelsubstrat. Außerdem ist der Bodenhumus eine wesentliche Grundlage der Strukturbildung in Böden, was für deren Funktionalität und biologische Aktivität entscheidend ist. Die mögliche Verarmung unserer Waldböden an Humus ist eine häufig übersehene Nebenwirkung der Biomassenutzung. Diese setzt der Intensität der Nutzung eine von der Nährstoffausstattung der Böden unabhängige feste Obergrenze.
Bei
jeder forstlichen Nutzung werden dem Ökosystem Nährstoffe entzogen. Weil diese
nicht gleichmäßig in den oberirdischen Baumteilen (Stamm, Äste, Zweige,
Blattorgane) verteilt sind, steigen die Entzüge nicht linear mit der
entnommenen Biomasse (Beispiel in Abb. 2; siehe auch [3]).
Bei einer Steigerung der Nutzung von Stammholz ohne Rinde über verschiedene
Zwischenstufen bis zur Vollbaumnutzung wird die entnommene Biomasse um den
Faktor 1,2 gesteigert.
Für die Nährstoffe ergeben sich ganz andere
Steigerungsraten. Vom Calcium, Magnesium und Kalium werden dreifach höhere
Mengen entzogen, beim Stickstoff liegt der Faktor noch höher. Die Mobilisierung
von Nutzungspotenzialen durch Ausweitung auf bislang nicht genutzte Baumkompartimente
stellt demnach einen größeren Eingriff in die Nährstoffvorräte dar, als der
Zugewinn an genutzter Biomasse vermuten lässt. Der in Abb. 2 dargestellte
Zusammenhang, der sich auf nahezu alle Waldstandorte übertragen lässt, zeigt
zugleich, welche Möglichkeiten bei einer Beschränkung der Nutzung auf das
starke Stammholz bestehen:
Nach diesem Grundsatz wurde in den vergangenen 150 Jahren in unserer Region größtenteils Forstwirtschaft betrieben. Dem Mehr an Biomasse steht bei über das Stammholz hinaus gehender Nutzung häufig ein überproportionaler Entzug an Nährelementen gegenüber. Daher ist in jedem Einzelfall sorgfältig abzuwägen, ob die zusätzliche Nutzung wirtschaftlich sinnvoll und auch ökosystemverträglich ist.
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| Abb. 2: Prozentuale Erhöhung der Ernteentzüge in einem Fichten-Altbestand bei unterschiedlicher Nutzungsintensität an der Waldklimastation Ebersberg (verändert nach [7]) |
Es
leuchtet ein, dass ein Eingriff in die Nährstoffvorräte durch Biomassenutzung
unterschiedlich zu bewerten ist, je nachdem, ob er in einem reichen oder armen
Ökosystem stattfindet. Erntet man auf einem Standort, der mit 4 t/ha Phosphor gut
bevorratet ist, die kompletten Bäume eines Bestands (Vollbaumernte), so ist
dies weniger bedenklich, als wenn die gleiche Nutzung einen ärmeren Standort
trifft, der nur ein Bruchteil dieser Menge enthält. Es ist jedoch in jedem Fall
darauf zu achten, dass die verfügbaren Bodenvorräte für alle Nährelemente eine
ausreichende Versorgung der Bäume quasi-synchron garantieren muss, denn wenn
ein einzelnes Element die Mangelgrenze unterschreitet, begrenzt dieses nach dem
Liebig´schen Minimumgesetz das Baumwachstum – auch wenn die anderen Elemente
ausreichend vorhanden sind.
Bevor man
über mögliche Modifikationen und Restriktionen in der Nutzung forstlicher
Biomasse nachdenkt, sollte man zunächst die Ausgangslage beschreiben und
bewerten. Hierzu schlagen wir als ersten groben Anhaltswert den Anteil der
oberirdischen Nährstoffvorräte in der Biomasse eines Altbestands am gesamten
Vorrat in Boden und Bestand vor. Die pflanzenverfügbaren Nährstoffvorräte im
Boden können für das jeweilige Bodensubstrat aus den Befunden der Bodenzustandserhebung
(BZE) und der forstlichen Standortskartierung abgeschätzt werden. Beim
austauschbaren Calcium, Magnesium und Kalium liegt der Anteil der in der
Biomasse gespeicherten Vorräte am Gesamtvorrat zwischen 1 und 90 %, bei
Phosphor zwischen 1 und 40 % und bei Stickstoff zwischen 2 und 80 %.
Um einen
ersten Überblick zu gewinnen, teilen wir den Wertebereich in drei etwa
gleichgroße Spannen (Tab. 4). Man muss jedoch bei diesen groben Schwellenwerten
beachten, dass die Entzüge baumartenspezifisch sind.
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In einer weiteren Stufe der Verfeinerung könnte man für die einzelnen Stoffe und Stoffgruppen für jeden Wertebereich Schwellenwerte für die Entnahme festlegen. Aus ihnen und den durchschnittlichen Gehalten in den Baumkompartimenten ließen sich dann Höchstmengen für die Entnahme (in t/ha) formulieren. Dabei sollte aus Vorsorgegründen das Minimumprinzip zur Anwendung kommen: von den sich aus dem Vergleich der einzelnen Schwellenwerte der Stoffe und Stoffgruppen ergebenden Höchstmengen wird stets die niedrigste verwendet. Die Schwellenwerte für Stickstoff können in den meisten Fällen vernachlässigt werden, weil gegenwärtig dieses Element in großen Mengen aus Luftverunreinigungen in die Wälder gelangt.
Als weitere Verfeinerung können zusätzlich noch Bilanzgrößen wie die Nährstoffverwitterung und der Nährstoffein- und -austrag hinzugezogen werden [2]. Allerdings sind für diese Flüsse die Daten auf der gesamten Waldfläche schwierig zu ermitteln.
Ein gewisser Anteil des Kohlenstoffvorrates der Bestände sollte in jedem Fall am Standort und für die Humusbildung zur Verfügung stehen. Der Humus ist für die Bodenfruchtbarkeit von zentraler Bedeutung. Dies gilt für alle Standorte, vor allem jedoch besonders für die nährstoffarmen.
So
überzeugend der Gedanke einer Staffelung der Ernteintensität nach der
Verteilung der Biomasse auf die Kompartimente Bestand und Boden sein mag, ein
großer Nachteil dieses Verfahrens ist die mäßige Informationslage für die
jeweils zur Ernte anstehende Waldfläche. Aus den in der Forstwirtschaft
gebräuchlichen Informationssystemen Bestandeskarte und Standortskarte ist die
Zugehörigkeit zu einem der Wertebereiche in Tab. 3 nicht ohne weiteres zu
entnehmen. Hierzu müssen die vorhandenen Unterlagen ausgewertet und in eine
praxistaugliche Form gebracht werden. Wie eine solche Flächeninformation
aussehen kann, ist aus (Abb. 3) ersichtlich. In die als "Ampelkarte"
konzipierte Bearbeitung der Standortskarte ist alles Wissen über die Flächen
vereinigt mit der Information aus Versuchsbeständen und in einer für den
Wirtschafter lesbaren Form zusammengefasst. Die Maßstäbe für die Beurteilung
und der Gang der Herleitung sind in einem erläuternden Text zu dokumentieren.
Bis solche Praxiskarten für eine nachhaltige und nebenwirkungsarme
Biomassenutzung erstellt sind, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Als
besonders nachteilig erweist sich, dass häufig bodenchemische Angaben in den
forstlichen Standortkarten noch fehlen. Mit viel Mühe müssen diese
Informationen den Legenden der Standortskarten erst hinzugefügt werden. Ab 2009
stehen die Daten der Zweiten Bodenzustandserhebung im Wald (BZE 2) als hilfreiche
Datengrundlage bundesweit zur Verfügung. Damit lassen sich dann nicht nur die
Wertebereiche in Tab. 3 besser absichern oder korrigieren. Die an fast 2000
Inventurpunkten erhobenen Daten erlauben es auch, den Informationsgehalt der
forstlichen Standortskarten im Hinblick auf die Sensitivität der Standorte
gegenüber Nährstoffentzügen zu erweitern.
Ein Erfolg versprechender Ansatz zur
Verbesserung der Datenlage stellt in dem Zusammenhang die Schätzung der
Stoffpools im Boden aus quasi-kontinuierlich verfügbaren Geländeinformationen
wie digitalem Höhenmodell, Boden- und Bestandeseigenschaften und der
Standortskarte dar. Diese Schätzung wird mittels multipler Regressionsmodelle
durchgeführt. Entwicklung und Validierung dieser Modelle erfolgt auf der Basis
der rasterförmig vorliegenden Messdaten der Bodenzustandserfassung sowie aller
systematisch und an regulär beschriebenen Bodenprofilen vorliegenden
Bodenanalysen [10].
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| Abb. 3: Beispiel für eine Praxiskarte („Ampelkarte“) zur Biomassenutzung mit drei Stufen der Nutzungsintensität. |
Die rasante Entwicklung bei der Erschließung neuer
Nutzungspotenziale ist mit der Entwicklung neuer Standortsinformationssysteme
kaum synchronisiert. Überall im Lande wird mit der Nutzung bereits begonnen,
die Erntesysteme sind vorhanden und die Absatzmärkte wachsen. Demgegenüber sind
die Informationsgrundlagen für eine an die Möglichkeiten des Standorts
angepasste Nutzungsintensität noch in den Kinderschuhen.
Mit einzelnen Forschungs-
und Entwicklungsvorhaben in der Form von Fallstudien ist es hier nicht getan,
benötigt wird eine auf die Besonderheiten der jeweiligen Standorte
zugeschnittene Informationsquelle. Eine Intensivierung der Nutzung ohne solide
Informationsgrundlagen ist mit dem Nachhaltigkeitsgrundsatz nicht vereinbar.
Bei wiederholten Entnahmen summieren sich aber die Wirkungen der
Einzelnutzungen. Wir sehen es daher als unerlässlich an, über die Nutzungen
wenigstens in einfacher Form Buch zu führen. Dazu müssen die genutzten Flächen,
die Art der Nutzung und die entnommenen Mengen buchhalterisch erfasst werden.
Sobald die neuen Informationsgrundlagen in der Form von Praxiskarten vorliegen,
können die bisherigen Nutzungen mit tolerierbaren Entnahmemengen der Karte verglichen
und auf künftige Nutzungen angerechnet werden.
Diese Lösung hilft, die Periode zwischen dem Einsetzen erhöhter Nutzungswünsche und dem Vorliegen verlässlicher Daten zu überbrücken. Wenn die Informationssysteme erfolgreich arbeiten, sollte die Verbuchung der genutzten Mengen als dauerhaftes Element der forstlichen Nachhaltigkeitskontrolle unbedingt fortgeführt werden. Schon jetzt als äußerst nährstoffarm bekannte Standorte (Abb. 4) sollten dem Vorsorgeprinzip folgend grundsätzlich von der Restholznutzung ausgeschlossen bleiben.
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| Abb. 4: Kiefernbestand auf sehr nährstoffarmem, ehemals streugenutztem Standort: von der Intensivnutzung auszuschließen. (Foto: M. Feulner) |
Die Sinnhaftigkeit der Dokumentation der Energieholznutzung ergibt sich auch aus der Tatsache, dass in der Literatur von Zuwachseinbußen von bis zu 32 % berichtet wird. Sollten in 10 oder 20 Jahren Versuche zeigen, dass auch in Deutschland unter bestimmten Bedingungen mit höheren Zuwachsverlusten zu rechnen ist, als heute erwartet wird, wird man die Energieholznutzung anders bewerten. In diesem Falle ist es wichtig, die bis dahin durchgeführt Energieholznutzung zu kennen.
Der Gedanke liegt nahe, bei Überschreiten der als
unbedenklich angesehenen Nutzungshöchstmengen den Differenzbetrag durch eine
Düngung auszugleichen, will man das Ertragsniveau halten. Nährstoffersatz, -rückführung und Düngung ist gegenwärtig in
Selbstverpflichtungen (Zertifizierung) und Waldgesetzen restriktiv geregelt. Der hohe
Energieverbrauch unserer Industriegesellschaft erreicht jetzt auch die
Ressource Holz und verlangt eine abgewogene und kluge Antwort, wie wir mit
seiner Erzeugung in Zukunft umgehen.
Modifizierungen der bestehenden Regeln sind unter Umständen erforderlich. Diese Regeln müssen selbstverständlich auf den Gesetzmäßigkeiten des Nährstoffhaushaltes von Wäldern aufsetzen. Dabei ist klar, dass man mit Kalkung, Düngung oder Holzaschezufuhr die langsame Nährstofffreisetzung aus dem sich zersetzenden Restholz nicht imitiert werden kann; man kann nur versuchen, diese Nährstoffzufuhr mit ihren ökologischen Nebenwirkungen in einem akzeptablen Rahmen zu halten. Hierzu liegen aus Versuchen entsprechende Erfahrungen vor. Nährstoffrückführung mit der Asche sollte organisiert werden und bei bestehenden Programmen von Kompensationskalkungen in diese integriert werden [8, 9].
Kohlenstoffentzüge können durch Ausgleichsmaßnahmen nicht kompensiert werden. Die Beeinträchtigung des Humusaufbaus setzt der Biomassenutzung auf allen Standorten, auch auf den nährstoffreichen, Grenzen.
Die vermehrte Nutzung von Restholz und Biomasse muss so gestaltet werden, dass die Nährstoffbilanzen ausgeglichen bleiben. Zur fachgerechten Beratung und Steuerung der Restholznutzung müssen folgende Schritte baldmöglichst unternommen werden:
Die hier vorgeschlagenen Aktivitäten wollen nicht die Forstbetriebe bei der Entwicklung neuer Betriebszweige behindern, sie sollen vielmehr dazu beitragen, das Interesse an einer wirtschaftlich erfolgreichen Betriebsführung mit dem Anliegen eines vorsorgenden, langfristigen Bodenschutzes zu verbinden.