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Artikel

Autor(en): Ursula Heiniger
Redaktion: WSL, Schweiz
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Merkblatt: Der Kastanienrindenkrebs – Schadsymptome und Biologie

vom Kastanienrindenkrebs befallene Kastanie
Pflanzenteile, die oberhalb einer C. parasitica-Befallsstelle liegen, sterben ab.
Foto: Phytopathologie (WSL)
 
Symptome an der Rinde
Der Stammkrebs ist dank einer Infektion mit dem hypovirulenten C. parasitica -Stamm ausgeheilt. Die Borke bleibt rauh.
Foto: G. Bazzigher
 
Symptome an der Rinde
Der Kastanienrindenkrebs induziert unterhalb der Befallsstelle den Austrieb zahlreicher Wasserreiser.
Foto: G. Bazzigher

Anfang des letzten Jahrhunderts wurde der Kastanienrindenkrebs von Asien in die USA eingeschleppt. Diese Pilzkranheit zerstörte dort innerhalb von 30 Jahren  die ausgedehnten Kastanienwälder fast vollständig. In Europa verläuft die Krankheit glücklicherweise weniger dramatisch.  Auf sieben Seiten gibt ein Merkblatt der Forschungsanstalt WSL ausführlich Auskunft über alle für die Praxis relevanten Punkte der Pilzkrankheit.

Geschichte

Der Kastanienrindenkrebs - aus Asien eingeschleppt - hat Anfang des letzten Jahrhunderts in den östlichen USA die ausgedehnten Kastanienwälder fast vollständig zerstört. In Europa tauchte die Krankheit 1938 in der Region Genua (Italien) zum ersten Mal auf. Sie breitete sich rasch weiter aus und erreichte 1948 das Südtessin. Heute sind alle Kastanienbestände der Alpensüdseite betroffen. Ende der 1980er Jahre hat man den Kastanienrindenkrebs auch auf der Alpennordseite (Deutschschweiz, Deutschland) festgestellt.

Weil die einheimischen Kastanien (Castanea sativa) weniger anfällig sind als die Amerikanischen (Castanea dentata) und sich schon kurz nach der Einschleppung Erregerformen mit abgeschwächter Virulenz (Definition siehe unten) spontan etabliert haben, ist die Kastanie auf der Alpensüdseite in ihrer Existenz nicht bedroht.

Definition
Virulenz bezeichnet das Ausmass, in dem ein Erreger in einem disponierten (empfänglichem) Wirt eine Krankheit hervorrufen kann.

Symptome

Der Pilz Cryphonectria parasitica befällt die Rinde der Edelkastanie. Der Baum versucht, das infizierte Gewebe zu überwallen - es bilden sich die typischen "Rindenkrebse" (vgl. Abb.). Oberhalb der Befallsstelle stirbt die Pflanze ab. Die Blätter welken, werden aber nicht abgeworfen. Unter der Infektionsstelle bilden sich zahlreiche Wasserreiser.

Biologie

Der Erreger des Kastanienrindenkrebses Cryphonectria parasitica gehört zu den Schlauchpilzen (Ascomycetes). Seine Sporen werden durch Regenwasser, Wind, Insekten, Schnecken und Vögel weiterverbreitet. Treffen sie auf Wunden einer Edelkastanie, so keimen die Sporen aus. Der Pilz wächst in der Rinde und im Kambium. In Europa ist die Edelkastanie der Hauptwirt des Pilzes. Er kann sich aber auch auf Eichen entwickeln, wo er allerdings nur leichte Schäden verursacht.

Hypovirulenz

Die Hypovirulenz (= verminderte Virulenz) wird durch ein Virus verursacht. Auf der Alpensüdseite ist die Hypovirulenz weit verbreitet. Weil das Virus auf der Nordseite der Alpen fehlt, stellt die Krankheit für diese Kastanien eine grosse Bedrohung dar. Die Bedeutung der Hypovirulenz für eine nachhaltige Kontrolle der Krankheit wird in einem speziellen Beitrag ausführlicher behandelt (siehe Links).

Massnahmen

  • Der Kastanienrindenkrebs ist ein Quarantäne-Organismus. Um eine Verschleppung in befallsfreie Gebiete (z.B. Schutzgebiete innerhalb der EU) zu verhindern, ist der Export von Kastanienholz und von Kastanienpflanzen auf der ganzen Welt geregelt. Verschiedene Länder schreiben vor, dass der Holz- oder Pflanzensendung ein Pflanzenschutz-Zeugnis beiliegen muss (Export / Import ). Dieses bestätigt, dass der Herkunftsort frei von Cryphonectria parasitica ist.
  • Der den Kastanienkrebs verursachende Pilz befällt als Wundparasit ganz besonders auch Veredelungen von wilden Kastanien. Deshalb müssen die Werkzeuge vorher desinfiziert und die Veredelungsstellen sorgfältig abgedeckt werden.
  • Damit der Befall auf der Alpennordseite niedrig bleibt, sind befallene Pflanzen oder Pflanzenteile sofort zu entfernen und an Ort und Stelle zu verbrennen.
  • In Kastanienplantagen werden Befallsstellen mit hypovirulenten Pilz-Stämmen geimpft.
  • In Kastanienselven führt das regelmässige Ausschneiden von Krebsen zu einer merklichen Reduktion des Befalls.

Meldepflicht

Wer Kastanienrindenkrebs ist in der Schweiz auf der Alpennordseite feststellt, muss dies den zuständigen Behörden melden: => Waldschutz Schweiz

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