Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Waldschutz
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| Autor(en): | Berthold Metzler |
| Redaktion: | FVA, Deutschland |
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Abb. 1: Stammfußnekrosen an Erle. (Foto FVA) |
Bis vor wenigen Jahrzehnten war P. cactorum,
Erreger der Keimlingsfäule an Buche, fast als einzige forstlich relevante Phytophthora-Art
bekannt. Durch das weiträumige Verbringen von Baumschulpflanzen sind neue Arten
bei uns eingewandert. Auch haben verbesserte Untersuchungsmethoden in den
letzten Jahren zur Entdeckung bisher unbekannter Arten geführt.
Viele Phytophthora-Arten sind sehr aggressive Pflanzenparasiten. Sie können sich besonders gut auf wasserbeeinflussten Standorten ausbreiten, da sie aktiv schwimmende Zoosporen produzieren. Diese und auch molekularbiologische Eigenschaften zeigen, dass sie von Algen abstammen, obwohl sie traditionell als "Pilze" bezeichnet werden.
Die Erlen-Phytophthora (Ph. alni) ist
Mitte der 90er Jahren zunächst in England, später auch in Deutschland und
anderen Ländern entdeckt worden, 1998 auch in Baden-Württemberg. Mehrfach wurde
gezeigt, dass sich diese Art von frisch gepflanzten Erlen auf benachbarte
Altbestände ausbreitet und dort zum Absterben von Erlen führt. Allerdings sind
auch viele Schäden an Erlen auf übermäßige Überflutungen vermutlich ohne Phytophthora-Einfluss
zurückzuführen.
Schäden an wasserbeeinflussten Standorten traten bei uns an Buche durch P. cambivora und an Esskastanie durch P. cinnamomi auf. Letztere Art ist in wärmeren Ländern sehr gefürchtet; u.a. verursacht sie ein umfangreiches Absterben der Jarrah/Eukalyptus-Wälder in Australien. Es wird befürchtet, dass sie im Zuge der Klima-Erwärmung auch bei uns größeren Schaden verursachen könnte.
Forstlich unbedeutend schien zunächst der Erreger P.
ramorum. Diese Art war Anfang der 90er Jahren in deutschen und
holländischen Baumschulen als spezifischer Krankheitserreger an Rhododendren
und einer Viburnum-Art entdeckt worden. Seit bekannt wurde, dass diese
Art im Westen der USA das "Sudden Oak Death" (SOD, "Plötzliches
Eichensterben") mit einer jährlichen Mortalitätsrate von bis zu 10%
verursacht, wurden in der EU strikte Quarantänebestimmungen eingeführt. Vor allem
Buchen und Eichen werden als gefährdet angesehen.
Diese Art bildet Sporen, die
mit der Luft verbreitet werden können, jedoch ist nicht klar, wie effektiv sie
auf den europäischen Wirtspflanzen dazu in der Lage ist. Jedenfalls konnte sie
in der EU bisher nur sehr vereinzelt außerhalb von Baumschulen gefunden werden.
Andere Phytophthora-Arten (z.B. P. quercina), die in den letzten
Jahren neu im Wurzelbereich von Eichen gefunden wurden, können aufgrund ihrer
Verbreitung als autochthone Arten betrachtet werden. Im Gesamtkomplex der
Eichenschädlinge und –pathogene dürften sie nur eine begrenzte Rolle am ehesten
auf kalkhaltigen Böden spielen.
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| Abb. 2: Aktiv schwimmende Zoosporen. |
Abb. 3: Durch Phytophtora alni verursachtes Absterben einer Erle. (Fotos FVA) |
Viele Waldböden unterdrücken die Infektion durch Phytophthora-Arten: Die natürliche Bodenversauerung ist eine Ursache dieser Suppressivität. Ferner sind die Feinwurzeln der meisten Waldbäume mit einer schützenden Ektomykorrhiza ausgestattet und beherbergen weitere antagonistische Rhizosphärenpilze. Diese Faktoren verlieren jedoch ihre Wirkung auf Standorten mit Stauwassereinfluss, sowie gegenüber Phytophthora-Arten, die ihre Sporen mit der Luft verbreiten und direkt die Blätter infizieren.