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Autor(en): Thomas Cech
Redaktion: BFW, Österreich
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Phytophthora-Krankheit der Erle in Wien

Starker Saftfluss an Erle
Abbildung 1: Starker Saftfluss aus dem Stamm weist auf Phytophthora-Befall hin

In Wien sind der Wienfluss, der Mauerbach und die Liesing von der Erlenkrankheit Phytophthora betroffen. Wenn weiterhin mit dieser Pilzkrankheit verseuchtes Erlen-Pflanzmaterial verwendet wird, wird diese wichtige Uferbegleitart der Wiener Gewässer ausfallen. Die ökologischen Konsequenzen: Rückgang der Artenvielfalt und geringere Uferstabilisierung aufgrund der fehlenden Erle. Dies zeigt eine Studie des Waldforschungszentrums BFW im Auftrag des Wasserbauamtes der Stadt Wien.

Absterbende Erlen mit Phytophthora-Symptomen waren in Wien erstmals 1997 beobachtet worden. Innerhalb kurzer Zeit starben Schwarzerlen aller Altersstufen in den Staubecken des Wienflusses ab. Die Mehrzahl waren Altbäume, deren Wurzelsysteme mit einer dünnen Erdschicht (darunter befand sich Beton) auskommen mussten. Wasserstress erschien am wahrscheinlichsten.

Nach 1997 starben immer mehr junge Bäume ab, darunter auch im Zuge der Wienfluss-Revitalisierung gepflanzte. Die Kombination der Symptome, wie etwa starker Saftfluss aus dem Stamm, deutete bei den Jungbäumen mehr und mehr auf Phytophthora-Befall hin. Im Januar 2005 beauftragte daher die Magistratsabteilung 45 (MA 45) das Institut für Waldschutz des BFW mit einer Studie zum Gesundheitszustand der Erlenbestände im westlichen Stadtgebiet von Wien.

Mit Schnelltests nachgewiesen

Der Wasserbau der Stadt Wien (MA 45) pflanzt entlang der Gewässer im Wiener Raum immer wieder mit Schwarzerle auf, da da sie zum Standort passt und die wichtigste Baumart zur Festigung des Ufers ist. Dabei besteht das Risiko einer Einschleppung der Phytophthora-Erlenkrankheit in natürliche Bestände durch verseuchtes Pflanzgut.

Die entlang der Gewässer Wiens wachsenden Erlen (ca. 15.000) wurden kartiert, in die Gewässerkarte Wiens (1:25.000) eingetragen. und Symptome, die auf Phytophthora-Befall hinwiesen, dokumentiert. In einem zweiten Schritt suchten Mitarbeiter des BFW 50 Standorte mit Häufungen abgestorbener und erkrankter Erlen auf und untersuchten die Bäume. Bei Phytophthora-Verdacht wurden Proben gezogen und sowohl mittels Schnelltests wie auch Isolierungstechniken im Labor analysiert.

Weitere Ausfälle durch Trockenstress

Abgestorbene Schwarzerle
Abbildung 2: Diese Schwarzerle ist wegen Phytophthora-Befall abgestorben

Große Teile des Erlenbestandes im westlichen und südwestlichen Wiener Gemeindegebiet sind (noch) nicht an Phytophthora-Wurzelhalsfäule erkrankt. Die Ausfälle, die es dennoch zu beobachten gibt, gehen überwiegend auf Trockenstress zurück. Dies gilt an erster Stelle für Quellstandorte, die gut mit Wasser versorgt sind. Dort sind die Erlen nach außergewöhnlichen trockenen Sommern (wie zuletzt 2003) im Vergleich zu Bäumen, die regelmäßig stark schwankender Wasserversorgung ausgesetzt sind, früher vom Absterben betroffen.

Von den an Erlen pathogenen Phytophthora-Arten wurde im Projektgebiet an einigen Standorten Phytophthora alni (Abbildung 1 und 2) nachgewiesen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit über Pflanzgut eingeschleppt worden war. In einem Fall an der Stadtgrenze Wiens dürfte das Pathogen allerdings aus Niederösterreich eingeschwemmt worden sein. Ebenfalls gefunden wurde Phytophthora citricola.

Schutz: Regelmäßige Kontrolle und "sauberes" Pflanzgut

Für die natürlichen Altbestände der Schwarzerle im Wiener Raum stellen Pflanzungen das größte Risiko im Hinblick auf Phytophthora-Befall dar, vor allem wenn diese in Quellsümpfen oder an Bachläufen zweiter oder dritter Ordnung erfolgen. Eine Ausbreitung der Krankheit bachaufwärts ist weniger wahrscheinlich, aber nicht ganz auszuschließen: Wenn sich das Pathogen stark ausbreiten kann – also ständig sehr viel infektiöses Material vorhanden ist und keinerlei Hygienemaßnahmen ergriffen werden –, ist auch eine Verbreitung der Sporen zum Beispiel durch Wasservögel denkbar.

Daraus ergeben sich als wichtigste Maßnahmen die regelmäßige Kontrolle von Aufforstungen im Einzugsbereich der Gewässer, verbunden mit Hygienemaßnahmen bei Phytophthora-Befall und bei Neupflanzungen die Verwendung von zertifiziert Phytophthora-freiem Pflanzgut.

Kontakt

  • Thomas Cech
    Institut für Waldschutz, Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft
    Seckendorff-Gudent-Weg 8, 1131 Wien

Interne Links

LWF-Merkblatt Nr. 6 - Phytophthora-Wurzelhalsfäule der Erlen
Wurzelhalsfäule durch Phytophthora alni und andere Erkrankungen von Erlen