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Artikel

Autor(en): Marianne Schreck
Redaktion: BFW, Österreich
Kommentare: Artikel hat 2 Kommentare
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Die blaue Fichtenholzwespe

In Europa ist sie heimisch, angepasst und ungefährlich  - in Übersee ein aggressiver Forstschädling: die Blaue Fichtenholzwespe (Sirex noctilio). Sie heißt zwar Blaue Fichtenholzwespe, da sich dieses Insekt aus der Familie der Holzwespen (Siricidae) auf den Befall von Nadelholz (vor allem Tanne, Fichte, Kiefer) spezialisiert hat, in Wirklichkeit geht sie jedoch vor allem auf Kieferarten (Pinus radiata) und das massiv.

Fichtenholzwespe, Männchen

In Europa ist sie harmlos, weil die entsprechende Widerstandsfähigkeit der Bäume und genügend Gegenspieler dafür sorgen, ihre Population nicht aus den Fugen geraten zu lassen. Sie befällt hier nur stark geschwächte Bäume oder liegendes Holz und kann so allenfalls zum technischen Schädling werden, was bedeutet, dass das Holz im schlimmsten Fall entwertet wird. Anders jedoch in Australien, Nord-, Südamerika und -afrika, wo sie großen Schaden in Plantagen anrichtet und somit die dortige Holzproduktion hemmt.

Globalisiertes Insekt

Durch den Export von Holz gelangte sie bereits Anfang des 20. Jahrhunderts nach Neuseeland, von wo sie sich allmählich nach Tasmanien (ab 1950) und in weiterer Folge auf dem australischen Festland ausbreitete. Ab 1980 wurde sie in Südamerika und -afrika entdeckt. Die Ausbreitung nach Nordamerika konnte zwar viele Jahre verhindert werden, letztlich ist ihr Vorkommen (ab 2004) rund um die Großen Seen und in Richtung Ostküste festgestellt worden.

Mittlerweile sind die Einfuhrbestimmungen für europäische Holzprodukte streng, mit dem positiven Effekt, dass eine weitere Ausbreitung bisher verhindert werden konnte. Der massive Kiefernschaden in Australien war Anlass, viel Geld in ihre Erforschung zu investieren, was dazu geführt hat, dass man über die Blaue Fichtenholzwespe sehr viel mehr weiß als über andere Holzwespenarten.

Schillernde Figur

Typisch ist ein langgestreckter, kräftig gebauter Körper mit einer drehrunden Form. Bis zu vier Zentimeter kann sie groß werden, die Weibchen schillern bläulich schwarz und haben rötlich gefärbte Beine. Deutlich hörbar ist das Weibchen in der Flugzeit, während die (schwarz/orangen) Männchen in den Baumkronen sitzen. Dort findet die Kopulation statt, die jedoch nicht ausschlaggebend für die Reproduktion ist: Die Blaue Fichtenholzwespe hat die Fähigkeit, sich parthenogenetisch zu vermehren, was heißt, dass auch die unbefruchteten Eier schlüpfen. Daraus entwickelt sich die männliche Nachkommenschaft, was bedeutet, dass es üblicherweise mehr Männchen als Weibchen gibt.

Schließen der Löcher
Schutzmaßnahme gegen die Fichtenholzwespe

Das Weibchen besitzt einen auffälligen, langen Legebohrer, mit dem Eier, Schleim und  ein symbiotischer Pilz in frisches Holz gebracht wird, in das sie zuvor einen Gang gebohrt hat. Die Larven schlüpfen nach frühestens acht Tagen. Die vollständige Entwicklung bis zum fertig entwickelten Insekt (Imago) kann jedoch bis zu zwei Jahre dauern, was an die Faktoren Temperatur, Struktur und Feuchtigkeitsgehalt des Holzes gekoppelt ist. So kann es vorkommen, dass aus bereits verbautem Holz auch nach etlichen Jahren Imagines schlüpfen.

Symbiotische Verhältnisse

Die Blaue Fichtenholzwespe lebt, so wie die meisten Holzwespenarten, in einem symbiotischen Verhältnis mit holzzersetzenden Pilzen. Der Braunfilzige Schichtpilz (Amylostereum areolatum) baut das Holz ab und schließt es so für die  Larven auf. Auch der Pilz selbst dient als Nahrung. Aber nicht jede Bohrung des Weibchens zielt darauf ab, Eier abzulegen. Bei den meisten "Erstbohrungen" wird hauptsächlich der Schleim platziert, was schließlich dazu führt, dass die Photosynthese gestoppt wird.

Ein derart geschwächter Baum wird anfälliger für den Pilz, der wiederum den Saftstrom unterbindet. Günstige Bedingungen für die Entwicklung der Blauen Fichtenholzwespe entstehen, wenn der Baum abstirbt, was innerhalb von drei bis vier Wochen geschehen kann.

Effiziente Gegenspieler

Schäden durch die Fichtenholzwespe in Südaustralien
In Südaustralien richtet die Fichtenholzwespe massive Schäden an

In Europa und Asien hat sie natürliche Gegenspieler, und zwar sind es hauptsächlich Bunt- (Dendrocopus major) und Schwarzspecht (Drypcopus martius), denen die Blaue Fichtenholzwespe als Beute dient. Parasitische Schlupfwespen können ebenso zu einer Reduktion der Nachkommenschaft der Holzwespe beitragen. In der forstlichen Schädlingsbekämpfung wird die Beddingia siricidicola, eine parasitäre Nematodenart, gezielt und erfolgreich eingesetzt, um die Ausbreitung von Sirex noctilio zu verhindern.

Unauffällig in Europa

Warum die Blaue Fichtenholzwespe in Europa nur stark geschwächte oder abgestorbene Bäume und in Übersee auch vitale anfällt, steht in Verbindung mit der geänderten Wechselwirkung von Toxin-Pilz-Baumzusammenhängen. In Europa sind Baum und Insekt seit geraumer Zeit an die Umgebung angepasst - auf Plantagen mit einer strukturell geringen Artenvielfalt wirkt die Kombination exotisches Gehölz und eingeschlepptes Insekt hingegen wie ein Schock auf das System.

Anbau standortgerechter Baumarten, ausreichende Wasserversorgung und eine "saubere Forstwirtschaft" (Vermeidung von Rückeschäden, Durchforstung, Aufarbeitung von Fallholz unter Berücksichtigung des Totholzvorkommens) tragen sicherlich dazu bei, die Widerstandsfähigkeit von Nadelholzbeständen zu erhalten bzw. zu steigern, wodurch die Blaue Fichtenholzwespe in Europa weiterhin in ihre Schranken gewiesen wird. Aber selbst in Naturschutzgebieten, wo diese forstlichen Maßnahmen nicht getroffen werden, ist die Blaue Fichtenholzwespe bisher unauffällig geblieben.