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Autor(en): Redaktion waldwissen.net - WSL
Redaktion: WSL, Schweiz
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Freilandbefall des Asiatischen Laubholzbockkäfers in der Schweiz

Im Herbst 2011 wurde der Asiatische Laubholzbockkäfer erstmals in der Schweiz nachgewiesen. Dieser eingeschleppte Käfer befällt verschiedene Laubholzarten – auch gesunde Bäume – und kann sie binnen weniger Jahre zum Absterben bringen. Der Laubholzbock gilt als besonders gefährlich, ist meldepflichtig und muss konsequent bekämpft werden. Das Bundesamt für Umwelt koordiniert zusammen mit den betroffenen Kantonen die Bekämpfungsmassnahmen.

Asiatischer Laubholzbockkäfer
Abb. 1 - Der männliche Laubholzbockkäfer, der 2011 im Kanton Freiburg gefunden wurde.
Foto: Doris Hölling (WSL)
 
Laubholzbockkäfer, glatte Flügelbasis
Flügelbasis Chinesischer Laubholzbock
Abb. 2 - Typisch für den Asiatischen Laubholzbockkäfer sind die am Ansatz fast glatten Flügeldecken (Bild oben). Bei seinem nahen Verwandten, dem Chinesischen Laubholzbockkäfer Anoplophora chinensis, ist die Basis der Flügeldecken hingegen grob gekörnt (Bild unten).
Fotos: Beat Wermelinger (WSL)
 

Aufgrund der globalisierten Handelsströme gelangt der Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis), kurz ALB, zumeist in Verpackungsholz aus Ostasien nach Europa (z.B. in Paletten oder Lattenkisten mit importierten Granitsteinen).

Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist gemäss der Schweizer Pflanzenschutzverordnung ein besonders gefährlicher Schadorganismus, dessen Einschleppung und Ausbreitung in der ganzen Schweiz verhindert werden muss. Es besteht eine Melde- und Bekämpfungspflicht. Grund: Der Käfer befällt gesunde Laubbäume.  Bei starkem und wiederholtem Befall kann dies zum Absterben der Bäume führen.

Befallene Bäume müssen gefällt werden – nicht zuletzt weil sie  im Siedlungsgebiet ein Sicherheitsrisiko darstellen. Die Umgebung eines Freilandbefalls (Vermehrung der Käfer in Gehölzen im Einschleppungsland) muss intensiv auf weitere Käferspuren abgesucht werden. Sonst besteht die Gefahr, dass der ALB auch im Wald grosse wirtschaftliche oder ökologische Schäden anrichtet.

Bisher vier Freilandbefälle in der Schweiz

1. Brünisried FR

Im September 2011 entdeckte eine Privatperson in ihrem Garten in Brünisried, Kanton Freiburg, einen grossen Käfer. Experten der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) bestimmten das Insekt als Asiatischen Laubholzbockkäfer. Ein Mitarbeiter der WSL wies anschliessend an einer Hecke einen zweiten Käfer sowie Eiablagen nach. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) informier0te dann gemeinsam mit dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) – die beiden Ämter bilden zusammen den Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst EPSD – die Behörden des Kantons Freiburg und beauftragte sie mit der Durchführung von Massnahmen.

2013 wurden in Brünisried erneut fliegende Käfer gesichtet, worauf die befallenen Bäume sofort gefällt worden sind. Zudem erfolgten im Winter 2013/2014 umfangreiche Präventiv-Fällungen der Hauptwirtsbaumarten. Dabei zeigte sich, dass die Asiatischen Laubholzbockkäfer in Höhen über 840 m ü. NN. offenbar einen verlängerten Entwicklungszyklus haben können: Die Larven, die in den gefällten Bäumen zum Vorschein kamen, hätten nämlich ihre Entwicklung aufgrund der Klimabedingungen und der somit kürzeren Vegetationszeit nicht mehr im Herbst abgeschlossen, sondern wären erst im darauffolgenden Frühsommer geschlüpft. Um eventuell noch vorhandene Käfer anzulocken und eliminieren zu können, wurden sogenannte Fangbäume aufgestellt. Die Nachkontrollen blieben bis zum Frühsommer 2016 aber ohne Befund.

2.  Winterthur ZH

Im Juli 2012 entdeckten Mitarbeiter der Stadtgärtnerei Winterthur Asiatische Laubholzbockkäfer an einer vor wenigen Jahren gepflanzten Allee. 64 junge Bergahorne mussten deshalb gefällt werden. Die Bäume wurden vor Ort geschreddert und das gehackte Holz in einem geschlossenen Container in die Kehrichtverbrennungsanlage gebracht. Die Baumstrünke wurden ausgegraben und ebenfalls gehackt und entsorgt. Neben dem Aufstellen von Fangbäumen fand seither ein intensives Monitoring mit speziell ausgebildeten Baumkletteren und Spürhunden statt; bis Ende November 2016 liessen sich keine weiteren Käferaktivitäten nachweisen.

Somit gilt dieser Befall als getilgt!

Dieser Befallsverlauf hat gezeigt, dass es sehr wohl möglich ist, auch einen grösseren Freilandbefall innerhalb von vier Jahren zu tilgen. Wichtige Voraussetzung dazu ist ein entschlossenes, professionelles Handeln zu Beginn – nur die besten und erfahrensten Leute vor Ort können im ersten Jahr das Befallsgebiet einkreisen. Alles, was man hier einspart, zahlt man sonst bei der Länge des Monitorings drauf.

3. Marly FR
Laubholzbockkäfer, Reifungsfrass
Abb. 3 - Verschiedene Käferarten benötigen bis zu ihrer Geschlechtsreife einen speziellen Reifungsfrass an Blättern, Nadeln, Trieben oder Rinde. Abgebildet sind Reifungsfrass-Symptome des Laubholzbockkäfers am Seitenast eines Bergahorns.
Foto: Beat Forster (WSL)
 
Ausflugloch des Asiatischen Laubholzbockkäfers
Abb. 4 - Das grosse, auffällige Ausflugloch des Asiatischen Laubholzbocks hat einen Durchmesser von ungefähr 1 cm.
Foto: Doris Hölling (WSL)

Im Juli 2014 wurden aus der Gemeinde Marly, Kanton Freiburg, zwei Asiatische Laubholzbockkäfer gemeldet. Vor Ort haben die Behörden und Spezialisten dann neben einer stark befallenen Rosskastanie auch zwei befallene Eschenahorne in unmittelbarer Nähe der Fundorte festgestellt. Ausserdem wurde in der Gemeinde noch ein zweiter Befallsherd entdeckt. Neben rund 160 Käfern fand man zahlreiche Ausfluglöcher in Wirtsbäumen, alte und neue Eiablagen sowie Reifungsfrass an jungen Ästen oder Blattstielen. Der kantonale Pflanzenschutzdienst leitete unverzüglich umfassende Bekämpfungsmassnahmen ein. Seitdem laufen die Überwachungsarbeiten, bisher ohne weiteren Befund (Stand: Frühjahr 2016).

4. Berikon AG

Im zuletzt entdeckten Befallsherd in Berikon, Kanton Aaargau, war ein Ahorn betroffen. Zudem wurde ein Käfer auf einer nahegelegenen Baustelle entdeckt.  Die Bekämpfungsmassnahmen waren im Winter 2015/2016 abgeschlossen, und gleichzeitig wurden die Überwachungsmassnahmen in Angriff genommen. Bis Sommer 2016 haben die Kontrolleure keine weiteren Käferaktivitäten festgestellt.

Massnahmen der Behörden bei einem Freilandbefall

Bei einem Fund des Asiatischen Laubholzbockkäfers muss vor Ort das Ausmass des Käferbefalls erhoben werden. Speziell geschultes Personal sucht im Umkreis des Fundortes nach weiteren Spuren des Käfers. Befallene Bäume müssen in jedem Fall gefällt und vernichtet werden. Oberstes Ziel der Massnahmen ist, den Befallsherd zu tilgen und die Verschleppung des Käfers zu verhindern. Der ALB soll sich nicht in der Schweiz etablieren können.

Früherkennung und Meldepflicht

Der Asiatische Laubholzbockkäfer gilt in der Schweiz und auf dem ganzen europäischen Kontinent als "besonders gefährlicher Schad- Organismus" (Quarantäne-Organismus), welcher der amtlichen Überwachung und Bekämpfung untersteht. Der Umgang damit ist in der Schweiz gemäss der Pflanzenschutzverordnung (PSV) grundsätzlich verboten, ein Befall ist melde-und bekämpfungspflichtig!

Wichtig ist, einen Befallsherd möglichst frühzeitig zu erkennen. Da der Asiatische Laubholzbockkäfer ein träger Flieger ist und für seine Entwicklung im Holz meist zwei Jahre benötigt, besteht die berechtigte Hoffnung, dass kleinere Befallsherde getilgt werden können. Jedes befallene Gehölz, aber auch befallene Holzprodukte wie Lattenkisten, Paletten oder Brennholz müssen umgehend vernichtet werden. Ein Befall ist bei Astmaterial ab einem Durchmesser von rund 3 cm möglich. Das Vernichten muss durch Häckseln und/oder Verbrennen erfolgen.

Was tun bei einem Befallsverdacht?
  • Käfer einfangen und in geschlossenem Glas- oder Metallbehälter aufbewahren
  • Käfer fotografieren und auf Verwechslungen überprüfen (u.a. Merkblatt der WSL)
  • rasche telefonische Meldung unter Angabe von Name, Adresse, Telefonnummer, E- Mail, genauem Fundort und Abholadresse an den kantonalen Pflanzen- oder Waldschutzdienst

Bitte nicht mit einheimischen Käfern verwechseln!

In der Schweiz gibt es einheimische Bockkäferarten, die dem Asiatischen Laubholzbock ähnlich sehen. Manche dieser Arten sind selten, gefährdet und daher geschützt. Bitte töten Sie deshalb keine verdächtigen Käfer, sondern fangen Sie diese mit einem verschliessbaren Glas ein. Danach kontaktieren Sie die Fachstellen.

Verwechslungsmöglichkeiten mit einheimischen Käferarten (PDF)

Schusterbock (Monochamus sutor)Alpenbock (Rosalia alpina)Schulterbock (Oxymirus cursor)Moschusbock (Aromia moschata)

oben links: Schusterbock (Monochamus sutor)           oben rechts: Alpenbock (Rosalia alpina)
unten links: Schulterbock (Oxymirus cursor)                unten rechts: Moschusbock (Aromia moschata)

Fotos: Thomas Reich (WSL)

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Merkblatt: Invasive Laubholz-Bockkäfer aus Asien

Ein Merkblatt der Forschungsanstalt WSL dokumentiert Lebensweise und Bedeutung des Asiatischen Laubholzbockkäfers (Anoplophora glabripennis) und des Chinesischen Laubholzbockkäfers (Anoplophora chinensis). Es fasst die Verwechslungsmöglichkeiten mit einheimischen Arten zusammen und zeigt mögliche Bekämpfungsmassnahmen auf.

Download Merkblatt (PDF)

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