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Dr. Horst Delb

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Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldschutz

Wonnhaldestr. 4
D-79100 Freiburg

Tel:  +49 761 4018 222
Fax: +49 761 4018 333

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Artikel

Autor(en): Horst Delb, Gregor Seitz
Redaktion: FVA, Deutschland
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Aktueller Hinweis zum Eichenprozessionsspinner

Die Raupen befinden sich im 3. Larvenstadium. In diesem Stadium bilden sie Gifthaare aus und sind ab sofort eine Gefahr für die menschliche Gesundheit. Wer präventiv regulieren will, hat jetzt die letzte Möglichkeit dazu.

Raupen des Eichenprozessionsspinners im dritten Larvenstadium am Standort St. Georgen.
Abb. 1: Raupen des Eichenprozessionsspinners im dritten Larvenstadium am Standort St. Georgen (Foto: Masino, FVA)

Die Entwicklung des Eichenprozessions­spinners (EPS) wird von der FVA Baden-Württemberg im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald südlich von Breisach und im Stadtgebiet Freiburg regelmäßig überwacht.

Bei der Bewertung der Ergebnisse ist zu beachten, dass die Entwicklung der Raupen in kühleren Regionen Südwestdeutschlands gegenüber diesem Standort um einige Tage verzögert sein kann.

Sobald beim Monitoring Veränderungen in der Entwicklung des EPS festzustellen sind, wird dieser Hinweis aktualisiert.

Wir empfehlen Ihnen, den Artikel in Ihren Favoriten zu speichern, damit Sie immer auf dem Laufenden bleiben.

Aktuelle Situation

Die ersten Raupen des Eichenprozessionsspinners haben in der vergangenen Woche (KW 18) mit der zweiten Häutung begonnen. Einzelne Raupen befinden sich jetzt im dritten Larvenstadium. Ab diesem Stadium bilden die Raupen erstmals Gifthaare auf den Spiegeln der Hinterleibs-Segmente aus und stellen somit eine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar.

Juckende und entzündliche Hautausschläge sowie Augen- und Atemwegserkrankungen nach Kontakt mit den Gifthaaren sind die Folge. Bei besonders empfindlichen Personen kann die Reaktion bis zum anaphylaktischen Schock führen.

Im weiteren Entwicklungsverlauf des EPS bis hin zum letzten Larvenstadium (L6) nimmt die Zahl der Gifthaare deutlich zu.

Ein direkter Kontakt mit den Raupen ist unbedingt zu vermeiden!

Regulierungsmaßnahmen

Zur Verringerung der Gifthaarbelastung für die Bevölkerung kann letztmalig eine präventive Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln oder Biozidprodukten erfolgen. Diese Präparate werden über den Blattfraß der Raupen aufgenommen und wirken bis zum dritten Larvenstadium der Raupen.

Raupen des Eichenprozessionsspinners im dritten Larvenstadium
Abb. 2: Raupen des Eichenprozessionsspinners im L3-Stadium.

Grundsätzliches zur präventiven Regulierung

Je nach Schutzziel finden bei Maßnahmen gegen den EPS unterschiedliche Rechtsgrundlagen Anwendung:

  1. Für die Zweckbestimmung zum Schutz des Waldes vor dem Kahlfraß der Raupen ist das Pflanzenschutzrecht maßgebend.
  2. Für die Zweckbestimmung zum Schutz des Menschen vor den Brennhaaren der Raupen ist das Biozidrecht maßgebend.

Von den derzeit für beide Einsatzbereiche zur Verfügung stehenden Mitteln empfehlen wir den Einsatz von Dipel ES® (Wirkstoff: Bacillus thuringiensis subsp. kurstaki).

Die Raupen des EPS bilden ab dem dritten Larvenstadium eine mit jeder Häutung zunehmende Menge Gifthaare aus. Ab dem fünften Larvenstadium finden sich typische Gespinstnester, in denen sie sich zur Häutung und in Ruhephasen aufhalten. Die dort verbleibenden Häutungsreste stellen eine erhebliche und bis zu mehrere Jahre bestehende Gifthaarquelle dar.

Mechanische Entfernung

Zur Verringerung der Gifthaarbelastung für die Bevölkerung können die Gespinstnester zusammen mit den Raupen mit Hilfe mechanischer Verfahren entfernt werden. Diese Verfahren sind jedoch sehr aufwändig und gehen mit gesundheitlichen Risiken für die Anwendenden einher.

Nach bisherigen Erfahrungen wird durch mechanische Maßnahmen, welche vor der Verpuppung stattfinden, nicht die gesamte Population erfasst und entfernt. Die zielgerichtete mechanische Entfernung wird empfohlen, wenn sich die Raupen in den Gespinsten verpuppen und immobil sind. Neben Reduzierung der Kosten für die Beseitigung und der Gefährdung des eingesetzten Personals wird ein möglichst großer Effekt auf die Population erzielt.

Der Zeitpunkt der gezielten mechanischen Regulierung ist noch nicht gegeben. Verfrühte mechanische Maßnahmen müssen erfahrungsgemäß wiederholt werden.

In Regionen mit EPS-Befall sollten Eichenwälder wegen des potenziellen Vorhandenseins von Gespinstnestern nur auf den Wegen betreten werden.

Folgende Grundsätze sind bei der Durchführung mechanischer Verfahren zu beachten:

  • Schutzausrüstung tragen:
    • Schutzanzug
    • Atemschutz
    • Augenschutz
    • Handschuhe
    • Gummistiefel
  • Kein Aufenthalt ungeschützter Personen in der Nähe (Windverhältnisse beachten!)
  • Nach Entfernung der Gespinste Bewuchs unter behandeltem Baum mit Wasser reinigen (kein Hochdruck!)
  • Nach Beendigung der Arbeit Schutzkleidung mit Wasser abwaschen.

Ansprechpartner 

In Bezug auf Fragen zum EPS im Wald stehen an der FVA folgende Ansprechpartner zur Verfügung: 

  • Gregor Seitz: Tel. 0761 - 4018 219
  • Dr. Horst Delb: Tel. 0761 - 4018 222

Infokasten Brennhaare:

Die Spiegelhaare der heranwachsenden Raupen sind ab dem 3. Larvenstadium Auslöser von juckenden, entzündlichen Hautreaktionen. Die mikroskopisch feinen Haare bilden dichte Polster (Spiegel) auf dem Rücken der Hinterleibssegmente der Raupen. Bei Beunruhigung brechen die innen hohlen Haare ab und werden vor allem bei trockenwarmer Witterung durch Luftströmungen über weite Strecken verfrachtet (bis 200 m). Die spitzen, an den Abbruchstellen scharfen und mit Widerhaken versehenen Spiegelhaare bohren sich bevorzugt an dünnen, feuchten Hautstellen ein. Durch das im Hohlraum der Haare vorhandene lösliche Protein (Thaumetopoein) wird eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems bei Mensch und Tier ausgelöst, die individuell unterschiedlich ausfallen kann. Sie reicht von lokalen Hautentzündungen bis zum anaphylaktischen Schock. In der Regel klingt der Juckreiz nach maximal 7 Tagen wieder ab. Ernste Beschwerden treten auf, wenn Schleimhäute betroffen sind (z. B. Augenentzündungen). In den Gespinstnestern, in denen sich die Raupen tagsüber aufhalten, häuten und verpuppen, sind stets große Mengen dieser Spiegelhaare vorhanden. Sie können noch Jahre nach ihrer Bildung, also bei längst verlassenen Nestern, Reizungen auslösen.

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