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Simon Birrer

Schweizerische Vogelwarte Sempach

Schweizerische Vogelwarte
Leiter der Abteilung "Förderung
der Vogelwelt"
CH - 6204 Sempach

Tel. +41 462 97 38 (Mo, Mi-Fr)

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Artikel

Autor(en): Schweizerische Vogelwarte
Redaktion: WSL, Schweiz
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Einheimische Waldvögel: Der Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus)

Ziegenmelker
Sowohl auf Ästen...
Foto: Thomas Reich (WSL)
 
Ziegenmelker
...als auch auf dem Boden ist der Ziegenmelker hervorragend getarnt.
Foto: N. Zbinden

Den Ziegenmelker bekommt man nur selten zu Gesicht. Tagsüber verharrt dieser perfekt getarnte Vogel regungslos auf einem Ast, an einem Baumstrunk oder auf dem Waldboden. Die grossen Augen verraten, dass er nachtaktiv ist. Um den auch Nachtschwalbe genannten Vogel rankten sich in früheren Zeiten viele Geschichten. Ziegenmelker wird er genannt, weil man glaubte, dass er nachts Ställe aufsuche, um an den Eutern von Ziegen oder Kühen zu saugen.


Lebensraum
Halboffenes Waldland in trockenwarmer Lage: Lockere Föhren- oder Flaumeichenbestände sowie mit Sträuchern durchsetzte Felsensteppe. In Wirtschaftswäldern werden nur Jungwuchsflächen, Lichtungen, Windwürfe und Waldbrandflächen genutzt. Früher auch im Weidewald und im Niederwald. Wichtig sind offener Wald mit lückigem Oberbestand oder bei vollem Kronenschluss offene Flächen als Jagdrevier. Sucht zum Nahrungserwerb häufig offene Felsensteppen und Rebflächen auf.

Anspruch an Fläche
Siedlungsdichten: 2 bis maximal 10 Paare/km2. Im Revier muss eine sehr licht bestockte Fläche von 0,5–1 ha vorhanden sein.


Nahrung
Jagt in der Dämmerung und während der Nacht, erbeutet hauptsächlich Nachtfalter, daneben auch andere fliegende Insekten, oft in Bodennähe (Wärmeabstrahlung zieht Insekten an). Jagt an Orten mit grossem Insektenreichtum, z.B. an Waldrändern, Ufergehölzen, aber auch an Strassen, wo Insekten durch Lichtquellen angelockt werden.

Verhalten
Dämmerungs- und nachtaktiv. Fliegt während der Jagd lautlos mit Seitwärtswendungen und kurzen Rüttelphasen, sonst eher langsam und schaukelnd. Ruht tagsüber am Boden, auf Baumstümpfen oder in Längsrichtung auf Ästen, die Augen bis auf einen Schlitz geschlossen. Durch seine Federfärbung sehr gut getarnt. Schnurrender Gesang.


Gefährdung

  • Lebensraumverlust in klimatisch begünstigten Lagen durch Erweiterung der Rebflächen oder Überbauungen und Verkehr sowie durch Verdichtung ehemals lichter Wälder.
  • Einwachsen von Waldlichtungen
  • Unfallgefahr bei der Jagd im Bereich von Strassen


Förderung
Die Ansprüche des Ziegenmelkers können mit dem naturnahen Waldbau allein nicht genügend abgedeckt werden. Als notwendige Ergänzung zu den übrigen Naturschutzinstrumenten ist der Ziegenmelker auf ein Artenförderungsprogramm angewiesen.

In Wäldern trockenwarmer Lagen wirken sich folgende Massnahmen fördernd aus:

  • Schützen der lockeren Flaumeichen- und Föhrenwälder
  • Auflockern der Eichen- und Föhrenwälder
  • Auflichten von Wäldern und Schaffen störungsfreier Lichtungen als Brut- und Jagdflächen auf mageren Standorten
  • Anlage von ökologischen Ausgleichsflächen in angrenzenden Rebkulturen


Verbreitung in der Schweiz

Brütet vor allem in tiefen, warmen Lagen und an klimatisch günstigen Südhängen bis auf 1400 m. Grösster Teil der Population an Südhängen zwischen Martigny und Brig im Kanton Wallis.

Verbreitung des Ziegenmelkers in der Schweiz

Wichtigste Merkmale: Rindenfarbiger, schlankflügliger Vogel. Auf dem Boden oder auf einem Ast ausgesprochen gut getarnt.

Grösse und Gewicht: 24–28 cm, 70–100 g

Ähnliche Arten: Keine

Brutort: Boden

Gelege: 1–2 Gelege à 2 Eier

Brutdauer: 17–18 Tage

Nestlingsdauer: 16–17 Tage

Zugverhalten: Langstreckenzieher; Nachtzieher

Bestand in der Schweiz: 50–70 Brutpaare

Trend: War in der Schweiz nie häufig. Eine der Arten mit grösstem Arealschwund seit den 70er Jahren. Vom Jurasüdfuss, aus dem westlichen Genferseeraum, dem Mittelland und den Föhntälern der Zentralschweiz verschwunden.

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