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Artikel

Autor(en): Florian Glaser, Christian Schwaninger (LFD Tirol)
Redaktion: BFW, Österreich
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Waldameisen in Tirol

Waldameisen spielen im Ökosystem Wald eine zentrale Rolle. Das Land Tirol (Abteilung Umweltschutz und Landesforstdienst) hat im Rahmen von Erhebungen zwischen 2004 und 2006 in den Nord- und Zentralalpen sowie im gesamten Schutzwald die Waldameisenbesiedlung in 1152 Waldflächen untersucht. Acht der elf in Tirol vorkommenden Waldameisenarten konnten nachgewiesen werden: Erwartungsgemäß fehlen Offenlandarten und Raritäten. Die in Tirol eindeutig am häufigsten vertretene Waldameisenart ist die Schwachbeborstete Gebirgswaldameise.

In Tirol festgestellte Waldameisenarten (Erhebungen 2004 - 2006)
deutsche Bezeichnung Art Probeflächen (Anzahl)
Schwachbeborstete Gebirgswaldameise Formica aquilonia YARROW 1955 243
Starkbeborstete Gebirgswaldameise Formica lugubris ZETTERSTEDT 1840 30 
Formica paralugubris (kein dt. Name bekannt) Formica paralugubris  SEIFERT 1996 18
Rote Waldameise Formica rufa LINAEUS 1761 9
Kleine Waldameise Formica polyctena FÖRSTER 1850 
3
Strunkameise Formica truncorum FABRICIUS 1804 
1
Blutrote Raubameise Formica sanguinea LATREILLE 1798 4
Große Kerbameise Formica exsecta NYLANDER 1846 5
Probeflächen mit Waldameisen   313

Die mittlere Nestdichte bezogen auf alle Flächen liegt bei 3,6 Nestern/ha. Für die 313 positiven Flächen errechnet sich eine mittlere Dichte von 13,3 Nestern/ha. Die in Tirol dominierende Art Schwachbeborstete Gebirgswaldameise weist im inneralpinen-kontinentalen Wuchsgebiet geringere Dichten auf als in den übrigen Landesteilen. Dafür erreichen Starkbeborstete Gebirgswaldameise und Formica paralugubris in den Inneralpen tendenziell höhere Nestdichten.

Schlüsselfaktor Licht

Der Schlüsselfaktor für die Waldameisenbesiedlung sind die Sonneneinstrahlung und der Schatten durch den Bestand. Interessant ist, dass unterschiedliche Waldentwicklungsphasen verschiedene Waldameisenarten begünstigen. Folgendes "Sukzessionsmuster" zeichnet sich ab:
Schlagflächen oder andere Pionierflächen werden mit einsetzender Wiederbewaldung im noch lichten Bestand von verschiedenen Waldameisen mittels Koloniegründung bei Wirtsameisen gegründet. In dieser Phase haben auch Arten, die ausgesprochen lichte Verhältnisse bevorzugen, eine Chance zur Kolonisation (Große Kerbameise und Blutrote Raubameise). Die Artenvielfalt ist groß und alle Waldameisenarten können hier auftreten. Die Nestdichten sind eher gering.

Rote Waldameise (Bild: adrian.benko, http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Formica_rufa_detail.jpg)
Rote Waldameise. Bild: adrian.benko http://commons.wikimedia.org/wiki/ Image: Formica_rufa_detail.jpg

Mit zunehmenden Bestandesschluss geht die Artenfülle stark zurück. Im schattigen Baumholz ab etwa 80 Jahren dominiert die Schwachbeborstete Gebirgswaldameise, andere Arten wie Starkbeborstete Gebirgswaldameise, Formica paralugubris und Rote Waldameise treten zwar vereinzelt auf, haben aber keine quantitative Bedeutung. Die Nestdichten können wegen der Koloniegründungen durch die Schwachbeborstete Gebirgswaldameise ansteigen. Ab etwa 140 Jahren werden die Lebensbedingungen mit ersten Lücken und besseren Lichtverhältnissen wieder günstiger, sodass neuerlich Initialgründungen bei Wirtsameisen stattfinden können.

Weidewälder verfügen über dauerhaft günstige Umweltbedingungen, vor allem für die Schwachbeborstete Gebirgswaldameise. Auch im Waldgrenzbereich finden sich ideale Umweltbedingungen für viele Arten.

Rote und Kleine Waldameise gefährdet

Laut dieser Tiroler Studie sind die Schwachbeborstete Gebirgswaldameise, die Starkbeborstete Gebirgswaldameise, die Blutrote Raubameise und die Große Kerbameise sind nach aktuellem Kenntnisstand nicht gefährdet.

Besser Bescheid weiß man nun auch über die alpin-endemische Art Formica paralugubris: Sie wurde vermehrt in Flächen mit höherem Fichten-, Zirben- und Latschenanteil in den westlichen Zentralalpen gefunden. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist diese Art in Tirol wahrscheinlich nicht gefährdet.

Besonders gefährdet sind die an niedrigere Lagen gebundenen Arten Rote Waldameise und Kleine Waldameise. Auch für die Spezalisten Strunkameise und Formica pratensis muss weiterhin von einer Gefährdung ausgegangen werden. Die restriktiv verbreiteten Coptoformica-Arten Formica foreli und Formica suecica sind regional und national vom Aussterben bedroht.

Trotz dieser günstigen Gefährdungsbeurteilung für viele Waldameisenarten wird empfohlen, den Schutzstatus laut Tiroler Naturschutzverordnung für alle Arten zu belassen – nicht zuletzt, weil die Arten nur durch Experten und mit Hilfe mikroskopischer Untersuchung angesprochen werden können.

Verbreitungskarten der Waldameisen in Tirol - thumbnail
Verbreitungskarte der Waldameisen in Tirol (Originalbild-Ansicht)

Positiv wirkende forstliche Maßnahmen

Im Rahmen der Forstwirtschaft sind die im Merkblatt zusammengefassten Maßnahmen weiterhin zu berücksichtigen. Ganz besonders ist auf die in tieferen Lagen vorkommende Rote Waldameise und Kleine Waldameise und die auf Sonderstandorten und Randlagen angewiesenen F. truncorum und F. pratensis zu achten. Geeignete Maßnahmen hiefür wären der Erhalt oder die Neuanlage gut strukturierter Waldränder, die Förderung lichter Bestandesverhältnisse und das Zulassen natürlicher Sukzessionen nach forstlichen Eingriffen.

Weitere Informationen

Langfassung der Studie "Waldameisenmonitoring im Rahmen der Verjüngungs-Zustands-Inventur im Tiroler Wald" (pdf, 800 kB)

Waldameisen brauchen Platz an der Sonne (Was kann die Forstwirtschaft dazu beitragen)

Kontakt

Florian Glaser, Technisches Büro für Biologie, Gabelsbergerstr. 41, 6020 Innsbruck;
Christian Schwaninger, Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Waldschutz, Bürgerstraße 36, 6020  Innsbruck, Österreich