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Autor(en): Christian Schwaninger (LFD Tirol)
Redaktion: BFW, Österreich
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Waldameisen brauchen Platz an der Sonne

Formica_polyctena (Bild: User:Wofl, http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Formica_polyctena.jpg)
Kleine Waldameise (Bild: Commons/Wikimedia-Projekt, User:Wofl,  http://commons.wikimedia.org/ wiki/Image:Formica_polyctena.jpg)

Die hügelbauenden Waldameisen stehen in einem engen Beziehungsgefüge zu anderen Tier- und Pflanzenarten. Ein Ameisenvolk benötigt eine beträchtliche Menge an tierischer Nahrung. Auch forstlich relevante Schadinsekten sind in ihrem Nahrungsspektrum vertreten (Borkenkäferarten, Großer Brauner Rüsselkäfer, Fichtenblattwespe, Kiefernbuschhornblattwespe, Gespinstblattwespe, Lärchenminiermotte, Lärchenwickler). Vor allem Schmetterlings- und Blattwespenlarven können von Waldameisen in erheblichen Mengen dezimiert werden.

Für Grün-, Grau-, Schwarz- und Buntspecht sind Ameisen und Ameisenpuppen eine wesentliche Nahrungsquelle, ebenso für das Auerwild und Birkwild, insbesondere während der Jungenaufzucht.

Hilfsameisen- Voraussetzung für Waldameisenbesiedlung

Waldameisen kommen nicht von alleine: Ein wichtiger Schlüsselfaktor für die Erstbesiedlung durch Waldameisen ist das Vorhandensein von Hilfsameisen der Untergattung Serviformica. Nur in Waldbereichen mit wechselnden Lichtverhältnissen sind diese in ausreichend hoher Dichte zu erwarten.

Ein Platz an der Sonne

Was kann jeder Waldbesitzer oder -bewirtschafter zu ihrer Förderung beitragen? Waldameisen brauchen Wärme durch Sonneneinstrahlung. Durch forstliche Maßnahmen werden die Lichtverhältnisse am Waldboden direkt beeinflusst. Dichte und großflächige Dickungen und Stangenhölzer weisen auf Grund starker Beschattung schlechte Lebensbedingungen auf. Gerade hier wäre die positive Wirkung von Waldameisen wünschenswert. Was tun? Am effizientesten sei die Entfernung einzelner Bäume, die aus südlicher oder westlicher Richtung Schatten werfen, empfiehlt die Landesforstdirektion Tirol in ihrem Merkblatt (Download).

Trauf- und Belaufbäume

Waldameisen sind auf die Honigtaunutzung der Rindenläuse angewiesen. Bäume mit gutem Rindenlaus-Besatz werden als Belaufbäume bezeichnet. Diese sind während  der Sommermonate durch intensives Auf- und Ablaufen von Ameisen gut erkennbar. Deshalb: Einzelne Bäume in näheren Umgebung (Radius von 10 m) nicht fällen, sie dienen dann als Belaufbäume.

Besondere Bedeutung kommt dem Traufbaum zu, der den Ameisenhügel vor Witterungseinflüssen schützt. Bäume, unter dessen Schirm sich Ameisenhügel befinden, sollen daher nicht entfernt werden. 

Vorbeugung von Schäden durch die Holzarbeit

Bei der Holzarbeit sollen Ameisenhügel in die Planung mit einbezogen werden (Rückegassen, Fällrichtung, Holz-Zuzug). Speziell im Herbst und Winter kann die Zerstörung der Nestkuppel den Ausfall des gesamten Volkes durch Frost bedeuten. Mechanische Schäden sollen verhindert und keine Äste auf Ameisenhügel gelagert werden.

Forststraßen

Bei der Planung neuer Forststraßen oder Verbreiterungen sollen Ameisenhügel berücksichtigt werden. Sind seltene Ameisenarten oder Gebiete mit geringer Ameisenhügel-Dichte betroffen, so ist eine Notumsiedlung vorzunehmen.

Um- und Ansiedlungen von Waldameisen

Neuansiedlungen von Waldameisen durch Umsiedlung von Ameisenvölkern aus weiterer Entfernung sind abzulehnen (Faunenverfälschung, geringe Erfolgsquote). Notumsiedlungen machen in einzelnen Fällen Sinn, insbesondere wenn es sich um seltene, gefährdete Ameisenarten oder um Gebiete mit geringer Waldameisenbesiedelung handelt. Ein kleinräumiges Versetzen ganzer Ameisenhügel mittels Baggerschaufel kann im Einzelfall sinnvoll sein.

Merkblatt als Download

Merblatt "Waldameisen" (pdf, 1,1 MB oder unter http://www.tirol.gv.at/themen/umwelt/wald/naturschutz/waldameisen/ )

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