Waldforschungszentrum BFW
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| Autor(en): | Redaktion Waldwissen.net - BFW (M. Schreck) |
| Redaktion: | BFW, Österreich |
| Kommentare: | Artikel hat 1 Kommentar |
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Um auf seine Bedrohung hinzuweisen, wurde der prächtige Hirschkäfer in Österreich, Deutschland und in der Schweiz zum Insekt des Jahres 2012 gekürt.
Der aus der Familie der Schröter stammende Hirschkäfer (Lucanus cervus) ist eine imposante Erscheinung. Mit seinem Geweih erreicht er eine Körpergröße von bis zu neun Zentimeter und gilt damit als der größte Käfer im mitteleuropäischen Raum. Mit seinem rötlich-braunen Kopfschmuck bekämpft er Rivalen und versucht damit die Käferinnen des Herzens an sich zu binden. Die laufen nämlich gerne mal weg, will ihnen Herr Hirschkäfer zu nahe treten.
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Die Population des Hirschkäfers wird immer kleiner, schuld daran sind die fehlenden Eichen- und Flurbäume (Foto: Johannes Gepp) |
Aber darin sind vermutlich nicht die Ursachen für seine kleiner werdende Population zu finden. Es sind vielmehr die fehlenden Eichen- und Flurbäume, die sie fürs Überleben brauchen. Um auf seine Bedrohung hinzuweisen, wurde der Hirschkäfer in Österreich, Deutschland und in der Schweiz zum Insekt des Jahres 2012 gekürt.
Die flugtauglichen Hirschkäfer treten zwischen Mitte Juni bis Ende Juli in Erscheinung und lieben vor allem eines: den Baumsaft der Eiche. Dieser enthält Pilze, die für die Reifung der Keimzellen verantwortlich sind. Den Saft holen sie sich entweder aus Wundstellen, die durch äußere Faktoren wie Blitzschlag, Windbruch und Frostrisse verursacht wurden oder sie legen selbst Hand an bzw. ihre Gefährtinnen: Mit ihren kleinen, kräftigen Oberkiefern können sich die Weibchen durch die Rinde beißen, wo sie dann auf die lebensnotwendige Flüssigkeit stoßen, die sie mithilfe kleiner gelber Pinselchen aufnehmen.
An dieser Labstelle findet oft die Begattung statt, die mitunter mehrere Tage dauern kann. Gleich in der Nähe gräbt sich das Weibchen bis zu 50 Zentimeter in die Erde ein und legt in einem Zeitraum von 14 Tagen 50 bis 100 Eier in den morschen Wurzelstock des begehrten Eichenbaums.
Nach vierzehn Tagen ist es soweit. Aus den weißlich gelben Eier mit einem Durchmesser von ursprünglich drei Millimeter schlüpfen die Larven, die sich zweimal häuten und letztlich eine Länge von bis zu zwölf Zentimeter erreichen. Diese können merkwürdige, noch weitgehend unerforschte Laute von sich geben. Das für den Menschen nicht hörbare, durch Mittel- und Hinterbeine erzeugte Knarzen, dient vermutlich zur Abschreckung von Feinden.
Nahrungsgrundlage der Larven ist das morsche, verpilzte und feuchte Holz, in das sie hineingelegt wurden. Sie tragen dazu bei, dass aus diesem Holz Mulm entsteht, der für die Humifizierung der Waldböden verantwortlich ist. Dieses Verhalten brachte dieser Familie der Käfer auch den Namen Schröter (abgeleitet von Schroten).
Die in der Forstwirtschaft wichtige Entfernung von Totholz hat sich in Bezug auf die Population der Hirschkäfer negativ ausgewirkt, obwohl im Südosten von Österreich wieder ein vermehrtes Aufkommen zu beobachten ist. Selbst ihre Gestalt hat sich durch die Reduktion von Eichensaft verändert: Ihr Geweih wurde kleiner, sodass man ihm schon den Spitznamen „Rehkäfer“ gab. Für die Hirschkäfer wäre es somit hilfreich, wenn Eichenstümpfe im Wald belassen werden könnten, um dem Lucanus cervus wieder zu seiner ursprünglichen Stärke zu verhelfen.