Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Boden und Umwelt
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| Autor(en): | Klaus von Wilpert |
| Redaktion: | FVA, Deutschland |
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Energieerzeugung durch Verbrennen des regenerativen
Rohstoffes Holz ist ein zukunftsweisendes Konzept, da bei der Bildung des
Holzzuwachses im Wald genauso viel CO2 gebunden wird wie durch die
Verbrennung wieder in die Atmosphäre gelangt. Bei der Verbrennung von Holz
bleibt Holzasche übrig, in der basische Elemente wie Calcium, Kalium und
Magnesium angereichert sind, die gleichzeitig wertvolle Pflanzennährstoffe
sind. Angesichts der Tatsache, dass durch nutzungs- und immissionsbedingte
Einflüsse Waldböden in den vergangenen Jahrzehnten großflächig versauert sind,
ist die Rückführung der mit der Holzbiomasse den Wäldern entzogenen Basizität
in Form von Holzasche sinnvoll und entspricht dem im Abfall- und
Kreislaufwirtschaftsgesetz verankerten Kreislauf- und Recyclinggedanken.
Da in der Holzasche jedoch nicht nur nützliche Elemente, sondern auch Schwermetalle angereichert sind und außerdem durch die extrem hohe Alkalinität (pH-Werte > 10) und die hohe Löslichkeit von Holzaschen, deren Ausbringung auch Schäden verursachen kann, ist ein Kreislaufkonzept so zu gestalten, dass Schäden mit hohen Sicherheitsmargen vermieden werden und gleichzeitig eine hinreichend ausgeprägte Nutzwirkung der Ascheausbringung erzielt wird. Auf der Basis von Ausbringungsversuchen und Modellversuchen im Labor wird die Nutz- und Schadwirkung der Holzascheausbringung eingeschätzt und ein Regelwerk formuliert, das eine umweltverträgliche Gestaltung eines Holzaschekreislaufes bei hinreichender Nutzwirkung gewährleistet. Diese Regeln müssen so einfach und operational sein, dass sie routinemäßig kontrolliert und im praktischen Betrieb der Waldbodenmelioration umgesetzt werden können.
In Deutschland müssen derzeit auch reine Waldholzaschen noch
auf Deponien entsorgt werden – im Gegensatz zu Österreich und der Schweiz fehlt
eine rechtliche Grundlage, welche die Bodenmelioration mit Holzasche regelt.
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| Abb. 1: Schematisierte Darstellung der relativen Intensität von biogeochemischen Elementkreisläufen in Wäldern und deren Störung durch Depositionen und Nutzung. |
Durch die Deposition von starken Säurebildnern (SO42-, NO3-) in der Größenordnung von derzeit ca. 1,3 kmolc×ha-1×a-1 in Baden-Württemberg findet ein äquivalenter Austrag von Basizität in Form von Neutralsalzen statt (s. Abb. 1). Durch Holznutzung findet ebenfalls ein Basenexport statt, der zwar bei geringer oder nicht vorhandener Depositionsbelastung von der „nachschaffenden Kraft“ der Silikatverwitterung i.d.R. kompensiert wird, aber bei hohen Bodenversauerungsgraden relevant ist (Ulrich 1999). Wenn durch eine verstärkte Biomassenutzung für Energieerzeugung dieser nutzungsbedingte Basenexport verstärkt wird, wird insgesamt die Tendenz zur Entbasung und damit Versauerung des Bodens intensiviert. Der Basenexport mit der Holzernte kann bei hoher Ernteintensität die Größenordnung der weitgehend geschlossenen, internen Stoffkreisläufe mit dem Bestandesniederschlag (der K-Vorrat läuft im Bestandesniederschlag bis zu 7-mal um) und mit dem jährlichen Streufall erreichen oder übersteigen.
Gegenüber dem geringfügigen Basenaustrag in Form von Hydrogenkarbonaten in anthropogen nicht beeinflussten Waldökosystemen sind die Basenausträge durch die genannten anthropogenen Störfaktoren um Größenordnungen höher. Damit besteht ein massiver Bedarf, Basizität in Waldökosysteme zurückzuführen, wenn das Ziel geschlossener Stoffkreisläufe als wesentliches Merkmal einer auf Standortsnachhaltigkeit ausgerichteten Forstwirtschaft ernstgenommen wird (Hildebrand 1994, v. Wilpert et al. 2000). Diese Rückführung von Pufferkapazität erfolgt üblicherweise in Form von Bodenschutzkalkungen. Sie kann aber auch durch die Wiederausbringung der Holzaschen aus Verbrennung von Waldholz erfolgen (Andersson & lundkvist 1989).
Holzaschen sind jedoch nicht nur wegen ihres
Gesamt-Basengehaltes interessant, sondern auch wegen ihrer spezifischen
Nährelementgehalte. Hier steht besonders der Kaliumgehalt im Vordergrund, im
Zusammenhang mit den innerhalb des letzten Jahrzehnts deutlich ausgeweiteten
Kaliummangelsymptomen in Wäldern (Abb. 2). Während des vergangenen Jahrzehnts
haben sich in Baden-Württemberg die Areale mit latentem oder akutem Kaliummangel
auf alle Regionen mit flächig entbasten Lehmstandorten ausgeweitet (v. Wilpert & Hildebrand 1994).
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| Abb. 2: Areale mit Kaliummangel (blau markiert) bei Fichte (1. Nadeljahrgang) gemessen im Jahr 1994. |
Innerhalb der in Abb. 2 markierten Areale lag der
Kaliumgehalt im ersten Nadeljahrgang bei Fichte großflächig unter 4.5 g/kg
Trockenmasse und auf ca. ¼ dieser Flächen unter 3.5 g/kg, Letzteres zeigt
deutlichen Mangel an. Diese latente Kaliummangelsituation wird bei der
Bodenschutzkalkung derzeit durch Beimischung von 0.5 t/ha Kaliumsulfat
berücksichtigt, wenn der Kaliummangel im Einzelnen nadelanalytisch nachgewiesen
ist. Nach der Übersicht in Abb. 2 ist ein latenter Kaliummangel in
Baden-Württemberg auf ca. 1/3 der kalkungsbedürftigen Standorte, d.h. auf ca.
5000 ha Fläche pro Jahr, gegeben. Wenn auf dieser Fläche die Kaliumbeimischung
vollständig durch Holzasche erbracht wird, würde dies bei einem mittleren
Kaliumgehalt der Holzasche von 5 % K2O-Äquivalenten einen
jährlichen Aschebedarf von 25.000 t bedeuten. Diese Größenordnung liegt
aktuell im oberen Bereich des Holzascheaufkommens in Baden-Württemberg (Joos & Deines 2002), insbesondere wenn die Asche relativ strengen
Qualitätsnormen unterworfen wird. Wenn die Entwicklung der
Holzenergie-Initiative des Landes Baden-Württemberg weiter so dynamisch
verläuft wie in den vergangenen Jahren, wäre es realistisch, den gesamten
Kaliumbedarf bei der Waldkalkung durch Waldholzasche zu decken.