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Autor(en): Koni Häne (externer Autor)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Die Weisstanne (Abies alba)

Die Zahl der Weisstannen, der Königin der Nadelhölzer, nimmt in vielen Wäldern ab. Einerseits sind dafür wirtschaftliche Gründe verantwortlich, weil die Fichte die ökonomisch interessantere Baumart ist. Zum andern stehen Weisstannen an vorderster Stelle auf dem Menüplan von Reh- und Rotwild.

Tannenwipfel mit Zapfen
Abb. 1 - Die Zapfen der Weisstanne stehen aufrecht. Im Gegensatz zu Fichtenzapfen zerfallen sie am Baum.
Foto: Ulrich Wasem (WSL)

Die schattenertragende Tanne ist ein Kieferngewächs und gehört zu unsern einheimischen Nadelbaumarten. Weltweit sind etwa 40 Arten der Gattung Abies bekannt. Während den letzten 15 Jahren hat die Tanne im schweizerischen Mittelland - bezogen auf die Stammzahl - um rund 11% abgenommen. Heute ist sie noch mit 13% vertreten, im Vergleich die Fichte mit 37%.

An wüchsigen Lagen können bei uns Tannen 50 bis 55 m hoch und bis 600 Jahre alt werden. Dabei produzieren sie wesentlich mehr Holz als beispielsweise die Fichte. Die Tanne ist ein sehr regelmässig verzweigter, immergrüner Baum mit durchgehendem Stamm, dessen Hauptäste quirlig, die kleineren Äste zerstreut spiralig angeordnet sind. In der Jugend weist sie eine meist kegelförmige Krone auf, die dann mit zunehmendem Alter eine storchennestartige Form annimmt. Ihr Wurzelwerk ist tiefgehend (bis 1.60 m tief) und eher schwach verzweigt. Von den Nadelbäumen ist sie am besten im Boden verankert und dadurch auch weniger sturmwurfgefährdet.

Die hellgraue Rinde junger Tannen bleibt lange glatt und weist kleine Harzblasen auf. Später, ab etwa einem Baumalter von 50 Jahren, entwickelt sich eine weiss- bis dunkelgraue, grobrissige, 3 bis 8 mm dicke Schuppenborke mit deutlichen Querrissen. Die nicht stechenden Nadeln der Weisstanne sind flach und an der Spitze meist eingekerbt. Oberseits sind sie glänzend und dunkelgrün, unterseits mit zwei bläulichweissen Wachsstreifen versehen.

Tannenzweig
Abb. 2 - Tannenzweige sind als Schmuck-, Kranz- oder Deckreisig beliebt.
Foto: www.unibas.ch/botimage

Im Gegensatz zur Fichte stehen die Zapfen der Tanne aufrecht, sie sind nur an Wipfeltrieben zu beobachten. Nach der Samenreife ab Ende September fallen die Zapfen nicht als Ganzes ab: sie zerfallen. Während die Samen und die Deckschuppen zu Boden schweben, bleiben die nackten "Zapfenspindeln" oft noch länger auf den Gipfelzweigen stehen. Ein Tannenzapfen enthält etwa 50 keimfähige Samen. Der dreikantige, dunkelbraune, mit einem Flügel fest verwachsene Samen ist rund sechsmal schwerer als derjenige der Fichte. Im Vergleich zum Fichtenholz wird das Tannenholz bei den Verarbeitern oft als minderwertiger betrachtet oder gar abgelehnt. Dies trotz den ebenfalls sehr guten technologischen Eigenschaften und folgenden Vorteilen gegenüber der Fichte:

  • Tannenholz hat keine Harzgänge und Harzgallen.
  • Es ist schwerer, dauerhafter und wetterbeständiger und wird deshalb bevorzugt für den Erd- und Wasserbau eingesetzt.
  • Tragfähigkeit und Imprägnierbarkeit der Tanne sind deutlich höher.

Gerechtigkeitshalber dürfen allerdings die standortsbedingten Qualitätsmängel "Nasskern" sowie "Ringschäligkeit" nicht verschwiegen werden. Als "Nasskern" bezeichnet man einen Holzkern mit einem hohen Feuchtigkeitsgehalt, der bei der Tanne um bis zu das 4-fache höher liegen kann als bei der Fichte. "Ringschäligkeit" entsteht durch Risse entlang der Jahrringe, ein Phänomen, das mit zunehmendem Alter des Baumes häufiger wird. Die Tannäste sind bei uns als Schmuck-, Kranz- und Deckreisig sehr beliebt. Früher, als noch genügend Tannen zur Verfügung standen, diente die junge Weisstanne als Weihnachtsbaum. Sie konnte die Nadeln wesentlich länger behalten als die Fichte.

Der Name der Tanne wird vom althochdeutschen "tanna" abgeleitet, was früher Wald bedeutete. Der Name wird aber auch aus dem altindischen "Dhanuch" hergeleitet, was "Bogen" bedeutet, der aus biegsam-zähem Holz hergestellt ist. Ich frage mich allerdings, ob da nicht eine Verwechslung mit der ebenfalls immergrün benadelten Eibe vorliegt, deren Holz tatsächlich äusserst biegsam und sehr zäh ist!

Ökologische Bedeutung

Dürsrütitanne
Abb. 3 - Dürsrüti-Tanne, einer der
mächtigsten Bäume der Schweiz.
Foto: Thomas Reich (WSL)

Die Weisstanne ist die ideale Baumart für Mischwälder, bzw. mehrstufige aufgebaute Wälder und somit ein unentbehrlicher ökologischer Stabilisator. Durch das tiefgreifende Wurzelsystem werden einerseits schwere und vernässte Waldböden aufgeschlossen, anderseits wird die Wasserspeicherung verbessert. Zahlreiche Tierarten finden in, an und um die Tanne ihren Lebensraum. Davon zeugen beispielsweise der Tannenhäher oder die Tannenmeise.

Die Weisstanne in der Forschung

An der Eidg. Forschungsanstalt WSL in Birmensdorf beschäftigen sich einige Forschungsteams mit der Weisstanne. Sei dies mit ertragskundlichen Langzeitversuchen und in Versuchen mit verschiedenen Provenienzen in unterschiedlichen Höhenlagen; oder seien es Untersuchungen zum sporadischen Auftreten der gefährlichen Weisstannentrieblaus und des Tannenborkenkäfers, den Befall durch weitere Insekten und parasitische Pilze oder die Verbissintensität an Weisstannen durch das Schalenwild.

Schlusswort

Im Jahr 2004 stand die Weisstanne im Mittelpunkt. Nur Beachtung schenken nützt dieser abnehmenden Baumart wenig. Wenn wir die Tanne fördern und für die Zukunft erhalten wollen, müssen wir handeln. Gefordert sind Taten von Waldbauern und Jägern, aber auch von Forschern und Holzverarbeitern. Wer Tanne sagt, muss Tanne meinen und wollen.

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