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Alois Zollner

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Biodiversität,
Naturschutz, Jagd
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Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Pionierbaumarten: ökologisch wertvoll

Pionierbaumarten wie Salweide, Aspe, Sandbirke, Traubenkirsche oder Vogelbeere treiben die Waldsukzession voran. Aber warum sind gerade diese Baumarten für die Biodiversität des Waldes so wichtig?

Inhalt:

Pionierbaumarten

Baumarten mit niedriger Lebensdauer nehmen in unseren Wäldern immer mehr Fläche ein. Darunter sind in erster Linie Pionierbaumarten wie Salweide, Aspe, Sandbirke, Traubenkirsche und Vogelbeere. Diese Baumarten können sich auf Kahlschlag- und Sturmwurfflächen rasch ansamen und die Waldsukzession einleiten.

Gemeinsam ist all diesen Pionierbaumarten

  • eine reiche Samenproduktion,
  • ein rasches Jugendwachstum,
  • eine gute Regenerationsfähigkeit,
  • relativ geringe Standortsansprüche sowie
  • Mechanismen für eine weite Samenverbreitung.

Am Beispiel der Salweide soll hier deutlich werden, welch große ökologische Bedeutung die Pionierbaumarten hinsichtlich Vielfalt und Biodiversität in unseren Wäldern haben.

freistehende SalweideBlüten der SalweideBlätter der Salweide
Abb. 1: Freistehende Saalweide in der Feldflur (links), ihre männlichen Blüten (mitte) und Blätter (rechts) (Fotos: G. Aas).

"Wald-Weide" Salweide

Unsere Weidenarten spielen vor allem als bach- und flussbegleitende Bäume oder als Sträucher in Sumpf- und Überschwemmungsgebieten eine große Rolle. Die Salweide (Salix caprea) ist die einzige weit verbreitete Weidenart, die eben nicht auf Gewässernähe oder Auwälder angewiesen ist und stellt sich oft auf Sukzessionsflächen in Wäldern oder an Waldrändern ein.

Die Salweide ist in Mittel- und Westeuropa – ihr natürliches Areal reicht bis Nordasien – vom Tiefland bis in die Gebirge auf etwa 1.800 Meter weit verbreitet. Sie bevorzugt lockere, frische Lehmböden und wächst gerne an Waldrändern, auf Lichtungen und Kahlschlägen, aber auch in Steinbrüchen und Kiesgruben.

In Zeiten der Bodenreinertragslehre wurden die Weichlaubhölzer als "Unholz" bezeichnet und bevorzugt bei der Waldpflege als "verdämmendes Weichlaubholz" entnommen. Salweide und andere Weichlaubbaumarten kamen waldbaulich auch nicht als Füll- und Treibholz zum Einsatz.

Das Laub der Salweide besitzt ein ähnlich gutes Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis wie Lindenlaub und verbessert den Humuszustand und den Oberboden daher deutlich besser als Eichen- oder Buchenblätter.

Pollenquelle, Nektarspender und Futterpflanze

Raupe Gabelschwanz
Abb. 2: Die Raupe des Gabelschwanzes: Der Hinterleib endet in einer Schwanzgabel mit zwei langen Spitzen (Foto: W. Schön).
 
Rothalsiger Weidenbock
Abb. 3: Der Rothalsige Weidenbock (Oberea obulata), bohrt gerne in Weidentrieben. Der Käfer ist durchaus häufig zu beobachten (Foto: H. Bußler).

In der Regel sind Weiden zweihäusig, das heißt männliche und weibliche Blüten finden sich auf verschiedenen Individuen. Fast alle Weiden werden von Insekten bestäubt und sondern deshalb Nektar ab. Die blühenden Weidenkätzchen besuchen neben Hummeln, Wespen und Bienen vor allem Schwebfliegen, Käfer und Schmetterlinge. Da die Salweide früh und reich blüht, ist sie eine wertvolle Bienenweide.

Für die Honigbiene ist die Salweide die erste Massentracht im Jahresverlauf. Von den fast 60 Wildbienenarten, die im süddeutschen Raum die Weidenkätzchen besuchen, sind zehn Arten vollständig und ausschließlich auf Salix-Arten festgelegt.

Auf Weidenarten als Nahrungsgrundlage sind bei uns etwa 500 Insektenarten angewiesen. Dazu kommen noch Räuber und Parasitoide, die sich von den Primärkonsumenten ernähren. Damit erhöht sich die Zahl der auf Weiden vorkommenden Insektenarten auf über 1.000. Allein 179 Tag- und Nachtfalterarten kommen an Salix vor. 18 Prozent aller Großschmetterlingsarten in Mitteleuropa sind in irgendeiner Weise mit Salix-Arten verbunden. Gerade die Salweide besitzt eine herausragende Rolle für die Insektenwelt in Sukzessionsbereichen der Mittel- und Hochgebirge.

Sie gilt für 37 Tag- und Nachtfalterarten als Raupen-Nahrungspflanze, darunter beispielsweise für den Großen Gabelschwanz (Cerura vinula), der seinen Namen von seiner doppelschwänzigen Raupe hat (Abb. 2). Am Laub der Salweide saugen Wanzen und fressen auch Käfer- und Blattwespenlarven. Im Holz der Weiden kommen die bis zehn Zentimeter großen Raupen des Weidenbohrers (Cossus cossus) vor, in Stammfuß und Wurzeln entwickeln sich die Larven des stark bedrohten Weberbockes (Lamia textor).

Salweide und Vogelwelt

Blaumeise an Salweide
Abb. 4: Eine Blaumeise nascht Nektar und Pollen einer Salweide (Foto: K. Sandmann).

Bei nektarsaugenden Vogelarten denken wir sofort an Kolibris. Aber auch bei uns kommen Vogelarten vor, die gerne Blütennektar saugen. So suchen Blaumeisen (Parus caeruleus) im Februar/März gezielt blühende Salweiden auf, um dort Nektar zu saugen und die eiweißhaltigen Pollen zu sich zu nehmen (Abb. 4). In Europa sind bisher etwa 30 Vogelarten als fakultative Blütenbesucher bekannt, vor allem Meisen, Grasmücken und Laubsänger.

Aufgrund ihrer weiten Verbreitung spielt die Salweide daher für einige Vogelarten eine wichtige Rolle als Lieferant wertvoller, energiereicher Nahrung. Ältere, zum Teil anbrüchige Pionierbaumarten sind wichtiges Nahrungsbiotop für zum Beispiel den Kleinspecht (Dryobates minor).

Pioniere für die Vielfalt

Die Pionierbaumarten erhöhen nicht nur die Baumartenvielfalt in unseren Wäldern, sie tragen auch wesentlich zu einer größeren Biodiversität im Wald bei. Gerade Salweiden sollten daher aus ökologischen Gründen bei der Waldpflege nicht flächig entfernt werden. Wir sollten die Bedeutung der Pionierbaumarten für die Artenfülle unserer Wälder berücksichtigen.

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