| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Heinz Bußler, Markus Blaschke | |
| Originalartikel: | Bussler, H.; Blaschke, M. (2004): Die Douglasie - (k)ein Baum für alle Fälle. LWFaktuell Nr. 46, Seite 14-15. | |
| Online-Version: | Stand: 28.03.2008 | |
| Redaktion: | LWF, D | |
| Verfügbare Sprachen: |
Druckansicht
|
|
Die Douglasie - (k)ein Baum für alle Fälle
Der vielgepriesene Allzweckbaum ist nicht unverwundbar
|
| Abb. 1: Nach Käferbefall abgestorbene Altdouglasien im Forstamt Freising (Foto: Wallrapp). |
Trockenheit als Feind der Douglasie
In den Jahren 1999/2000 wurden „verheerende Schäden“ an Douglasie durch Frosttrocknis aus Ostösterreich gemeldet (TOMICZEK, PFISTER 2000: Internet - Bundesamt und Forschungszentrum für Wald). Das Trockenjahr 2003 führte in Bayern regional zu starken Ausfällen vor allem in jüngeren Douglasienbeständen. Im Forstamt Heilsbronn waren hiervon auch Bestände auf mäßig frischen bis schwach wechselfeuchten, lehmig-tonigen Sandböden betroffen.
Insekten entdecken den Neuling
Die Douglasie wird in Bayern erst seit 100 Jahren verstärkt forstlich angebaut. Deshalb befinden sich verschiedene Holzkäferarten in einem permanenten „Entdeckungsprozess“ dieser neuen Nahrungsressource. Meldungen über Bruten an Douglasie liegen mittlerweile von vielen rinden- und holzbrütenden Borkenkäfern vor. Befallen wurde sie meist nach Vorschädigungen durch sommerliche Trockenheiten, Frosttrocknis oder Sturmereignisse. Stehendbefall vitaler Bäume oder größere Kalamitäten wurden bisher (noch) nicht registriert.
Vor allem die Borkenkäferarten von Fichte, Kiefer und Lärche werden immer wieder auch an der Douglasie festgestellt: Gekörnter Fichtenborkenkäfer (Cryphalus abietis), Furchenflügliger Fichtenborkenkäfer (Pityopthorus pityographus), Kupferstecher (Pityogenes chalcographus), Zweizähniger Kiefernborkenkäfer (Pityogenes bidentatus), Vierzähniger Kiefernborkenkäfer (Pityogens quadridens), Buchdrucker (Ips typographus), Großer Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae) und der Linierte Nutzholzborkenkäfer (Xyloterus lineatus).
An Jungpflanzen erkennt man regelmäßig den Großen Braunen Rüsselkäfer (Hylobius abietis), und, wie im Forstamt Eltmann beobachtet, den Kahlnahtigen Graurüssler (Strophosomus melanogrammum). Auch an gelagertem Douglasienholz finden einheimische Käferarten inzwischen Gefallen. So zeigte sich u.a. im Forstamt Heilsbronn massiver Befall durch den Buchenwerftkäfer (Hylecoetus dermestoides).
|
| Abb. 2: Die punktförmigen Fruchtkörper der Rußigen Douglasienschütte treten an der Unterseite der Nadeln hervor. |
Rußige Douglasienschütte – eine alte Bekannte
Die kleinen schwarzen Pünktchen der Pilzfruchtkörper, die aus den Spaltöffnungen infizierter Nadeln hervorbrechen, verschaffen ihnen einen entsprechend graues Aussehen (Abb. 2). Die Entwicklungszeit der Pilze beträgt nach BUTIN (1996) zwei bis drei Jahre, so dass selbst stark befallene Bäume immer mindestens zwei komplette Nadeljahrgänge besitzen müssten.
Offensichtlich schaukelte sich jedoch in Süddeutschland in den letzten zehn Jahren eine Welle der Rußigen Douglasienschütte auf. Unsere Forschungen seitdem zeigen, dass die Entwicklungszeit auch bei nur knapp einem Jahr liegen kann. Dies bedeutet, dass die Douglasie bereits kurz nach der Ausbildung des Maitriebes schon die Nadeln des Vorjahres verlieren und bei starkem Befall im Sommer nur noch einen einzigen Nadeljahr besitzen kann.
Die Rußige Douglasienschütte befällt alle Herkünfte. Dies bedeutet natürlich nicht, dass sie sich bei allen Herkünften gleich stark auswirkt. Schwachwüchsige Douglasien sind eher in wirtschaftlicher Hinsicht spürbar von dem Befall betroffen. Aber auch die geeigneten Herkünfte können soweit geschwächt werden, dass die Bäume für andere Schädlinge prädisponiert werden.
Als Gegenmaßnahme kann nur eine starke, waldbaulich gerade noch vertretbare Auflichtung der Bestände empfohlen werden. Die verstärkte Sonneneinstrahlung und Luftbewegung im Bestand soll die Feuchtigkeit verringern und eine Infektion der Nadeln so möglichst ausschließen. Bei der Neuanlage von Douglasienbeständen ist es ratsam, luftfeuchtere Muldenlagen gleich auszusparen.
Rostige Douglasienschütte - Die Herkunft macht’s
Diese Nadelerkrankung zeichnet sich durch orangegelbe bis rostrote Fruchtkörper aus, die meistens die ganze Nadelbreite einnehmen und eine Länge von bis zu 5 mm erreichen. Da die unbefallenen Nadelteile noch recht lang grün bleiben, sind die befallenen Nadeln im Winter oft auffällig marmoriert. Die Erkrankung läuft in der Regel viel schneller ab als bei der Rußigen Douglasienschütte. Damit werden die Douglasien bei Befall über mehrere Jahre hinweg massiv geschädigt. Kaum befallen wird die Variation Grüne Douglasie (var. menziesii = viridis), zu der die für Mitteleuropa geeigneten Herkünfte zählen. Allerdings kann der Pilz in älteren Beständen und vor allem auch in Naturverjüngungen von Grauen und Blauen Douglasien erheblichen Schaden anrichten.
|
| Abb. 3: Schadbild der Rostigen Douglasienschütte an Nadeln; gut zu erkennen ist die auffällige Marmorierung zwischen befallenen und unbefallenen Nadelteilen. |
Hallimasch als Totengräber
Sehr anfällig scheint die Douglasie gegenüber dem Hallimasch zu sein. Gerade in Beständen, die einen stärkeren Befall mit der Rußigen Douglasienschütte zeigen, kann sich der Wurzel- und Kambiumzerstörer etablieren. Erstes Befallszeichen ist oft die Labilität der Bäume, die im Alter von 20 bis 30 Jahren von Hand umgedrückt werden können, da das Wurzelwerk erheblich zerstört wurde.
Eine Frage der Zeit...
Die Geschichte der Douglasie in Bayern hat gerade erst begonnen. Den forstlichen Nimbus der „Biotischen Unverwundbarkeit“ wird sie sicherlich verlieren, denn die Anpassung der heimischen Schadorganismen an den Neuling geht weiter. Hier müssen Forstleute in den nächsten Jahren sehr aufmerksam beobachten.
Literatur
BUTIN, H. (1996): Krankheiten der Wald- und Parkbäume. Georg Thieme Verlag, Stuttgart-New York
TOMICZEK; PFISTER (2000): /Internet - Bundesamt und Forschungszentrum für Wald
Links
- Dossier Douglasie
- Rußige Douglasienschütte
- Ist die Douglasie hinsichtlich des Forstschutzes weniger problematisch als heimische Koniferen?
Kontakt
Wenn Sie Fragen zu diesem Beitrag haben, wenden Sie sich bitte an unseren zuständigen Fachexperten.
- Wie beurteilen Sie diesen Beitrag?
| sehr interessant interessant weniger interessant nicht interessant |
Durchschnittliche Bewertung dieses Beitrags:
40 Bewertung(en)
|
- Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu diesem Beitrag.
| 09.08.2008 | Verfasser Oberpfalz |
| Trockenschäden | |
| Sehr geehrte Herren, die Anbaueignung der (grünen) Douglasie muß für den Bereich der mittleren Oberpfalz (Raum Sulzbach-Rosenberg) m.E. wohl als eher negativ eingestuft werden. Die ca. 30 jährigen Douglasien, Mischung mit Rotbuche ( Niederschlag Mai - Juli 141 Liter/qm, stockend auf Sandboden unter ca. 60 jährigen Kiefernbestand) verloren seit ca. vier Wochen bisher die Hälfte der Nadeln, so dass nur noch die obersten Gipfelteile benadelt sind. Offensichtlich ist der Wasserentzug durch den Oberbestand an Kiefern bei Trockenheit so stark, dass die Douglasien stark unter Wassermangel leiden. Die beigemischten Rotbuchen zeigen keine Trockenschäden. Jetzt stehe ich also vor dem Problem, entweder die Douglasien aufzugeben, sprich sie mehr oder weniger dem Zufall zu überlassen oder aber den Kiefernaltbestand stark zu durchforsten, dass der Wasserverbrauch durch den Altbestand so verringert wird, dass er möglicherweise für die Douglasien noch ausreichend ist. Oder vielleicht doch auf die beigemischte Rotbuche zu setzen. Mit freundlichen Grüßen Pickel |
|
| Kommentar beantworten |
| 11.08.2008 | Verfasser RedaktionLWF |
| Douglasie in Jugend gefährdet | |
| Sehr geehrter Herr Pickel, vielen Dank für Ihre interessante Lagebeschreibung. Obwohl regional, ist Ihre Information sicherlich auch für alle anderen, ähnlich heiklen Standorte relevant. Es ist natürlich schade für Ihren Wald, aber Ihr Bestand stockt leider auf einem Boden, der bei Trockenheit für viele Baumarten rasch schwierig wird und Ihre Region ist durch seine Beckenlage zusätzlich benachteiligt. Und in Teilen Nordbayerns gab es heuer erneut eine Trockenphase, die jener von 2003 ähnelte. Ob die jüngsten Häufungen solcher Trockenphasen speziell in Nordbayern nun Zufall sind oder in Folge einer Klimaerwärmung immer häufiger auftreten werden, können Ihnen die Experten leider nur über Wahrscheinlichkeiten angeben. Aber die Douglasie ist trotz aller Vorteile eben nicht unverwüstlich. Gerade die Empfindlichkeit gegenüber Trockenheit in der Jugendphase ist einer ihrer Schwachpunkte und das Jahr 2003 dürfte auch noch nachwirken. Hinzu kommt, dass man vor allem früher öfter mal durch falsche Herkünfte in eine Falle tappen konnte. Möchten Sie konkrete Ratschläge für Ihren Fall, so empfehle ich Ihnen folgende Anlaufstellen: Amt für Landwirtschaft und Forsten Amberg http://www.alf-am.bayern.de/ Besuch beim 5. Bayerischen Waldbesitzertag am 2. Oktober 2008 in Freising http://www.bayerischer-waldbesitzertag.de/ Hier können Sie viele Experten und Waldbesitzerkollegen persönlich treffen und fragen. Der Waldbesitzertag findet jährlich im Herbst statt. Besuch bei einem unserer „Regionalen Waldbesitzertage“ in Bayern http://www.waldwissen.net/events/ Die Regionalen Waldbesitzertage gibt es heuer zum ersten Mal, der bisherige Erfolg deutet darauf hin, dass es auch nächstes Jahr wieder welche geben wird. Oder Anruf bei unseren Experten, z.B. Herr Dr. Christian Kölling http://www.lwf.bayern.de/organisation/mitarbeiter-verzeichnis/koe.php der sich speziell mit Boden und Standort in Verbindung mit dem Klimawandel beschäftigt. Er ist auch Experte für die Rotbuche in Bezug auf Klimawandel. Oder Sie wenden sich alternativ an Herrn Dr. Martin Bachmann http://www.lwf.bayern.de/organisation/mitarbeiter-verzeichnis/bach.php dem Sachgebietsleiter Waldbewirtschaftung-Waldbau. Mit freundlichen Grüßen Streckfuß, Redaktion LWF |
|
| Kommentar beantworten |


