| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Heinz Mühle | |
| Originalartikel: | Mühle, H. (2007): Die Eiche – EI Dorado für Insekten. LWFaktuell Nr. 60, S. 56-57. | |
| Online-Version: | Stand: 08.08.2008 | |
| Redaktion: | LWF, D | |
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Die Eiche und ihre Prachtkäfer
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| Abb. 1: Der Weidenprachtkäfer (Anthaxia salicis). Foto: H. Bußler |
Die Eiche bietet von allen Baumarten mit Abstand der größten Anzahl von Insektenarten Lebensraum und Nahrung. Auch 17 der 100 heimischen Prachtkäferarten finden auf ihr Platz ohne sich ins Gehege zu kommen, darunter neben großen Schädlingen auch wahrhaft prächtige Farbwunder.
Die Eiche bietet einer immensen Anzahl von Insekten die Lebensgrundlage. Allein aus den bekannteren Insektengruppen leben etwa 400 Schmetterlings-, mehr als 50 Bockkäfer sowie etwa zehn Borken- und Kernkäferarten direkt oder indirekt an und von ihr, dazu noch Dutzende Zweiflügler und Hautflügler. Keine andere holzige oder krautige Pflanze beherbergt mehr Insektenarten als dieser Baum. Auch 17 heimische Prachtkäferarten leben in, auf und von der Eiche.
Neben einer Vielzahl anderer Insekten sicherten sich die mit etwas mehr als 100 Arten in Mitteleuropa verbreiteten Prachtkäfer ebenfalls ihre Nischen in der Eiche. 17 Arten, die auf diesem Baum ihr Auskommen finden, wurden in den letzten 50 Jahren in der Bundesrepublik nachgewiesen. Auf der Buche, der in Deutschland derzeit am weitesten verbreiteten Laubbaumart, kommen lediglich drei Arten vor, auf der Fichte immerhin zehn.
Prachtkäfer sind schwer zu beobachten
Die wenigsten Prachtkäfer sind häufig zu finden, die meisten stehen deshalb sogar in der Roten Liste und sind, bis auf wenige Ausnahmen, vollkommen geschützt. Allerdings liegt das Problem des Nachweisens eher im Geschick, die Tiere nachweisen zu können, als in ihrer tatsächlichen Seltenheit. Prachtkäfer fliegen in der Regel sehr schnell und wendig oder sie lassen sich bei Annäherung sofort fallen und stellen sich tot. Einen fünf bis zehn Millimeter großen, schmalen Käfer dann in der Streu zu finden, ist nicht leicht. Doch gibt es unter den Prachtkäfern auch einige Arten, die große Waldschäden anrichten können.
Die Larven der meisten eichenbewohnenden Prachtkäfer fressen in den nährstoffreichen Schichten der Kambialzone, der inneren Rindenschichten und der oberflächennahen Holzschichten flache Gänge. Die Fraßbilder sind sehr charakteristisch, verlaufen fast immer zickzackförmig und sind mit fest gepresstem Bohrmehl verstopft. Die Ausbohrlöcher sind flach oval, wobei der obere Bogen etwas höher gewölbt ist als die „Bauchseite“. Die Larven benötigen wie die adulten Tiere trocken-warme Bedingungen, die sie in aufgelockerten Beständen oder im lichten, aber windgeschützten Kronenraum der Bäume finden. Sie meiden grundsätzlich kühle Waldinnenräume mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit, die ihre Entwicklung hemmen. Viele Forschungsarbeiten zeigten, dass gut wasserversorgte Bäume die sich einbohrenden Larven meist abwehren können.
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| Tab. 1: Habitatansprüche der in der Eiche sich entwickelnden Prachtkäfer. Lebend beinhaltet auch frisch abgestorbenes Material, tot bedeutet, dass das Holz mindestens ein Jahr abgestorben ist. Vergleiche dazu auch Abbildung 2. | Abb. 2: Schematische Verteilung der Lebensräume der einzelnen Arten innerhalb einer Eiche. Siehe dazu auch Tabelle 1. |
Prachtkäfer findet man fast ausschließlich auf ihren Wirtsbäumen
Irrtümlich wird oft angenommen, alle Prachtkäfer seien Blütenbesucher. Dazu gehören von den bei uns an der Eiche vorkommenden Arten nur drei: Der Achtzehnfleckiger Ohnschild-Prachtkäfer (Acmaeodera degener), der Weißschuppige Ohnschild-Prachtkäfer (Acmaeoderella flavofasciata) und der Weidenprachtkäfer (Anthaxia salicis). Sie finden sich bevorzugt auf weißen und gelben Blüten von Rosen- und Doldengewächsen sowie Köpfchenblütlern (Rosaceae, Apiaceae und Asteraceae). Alle anderen Arten leben auf den Blättern der Wirtspflanze, an denen sie ihren Reifefraß durchmachen. Die Weibchen aller Arten legen an den Zweigen oder am Stamm ihre Eier ab. Dort trifft man auch die Männchen an, sofern sich die Tiere nicht auf den Blättern oder Zweigen paaren. Von Acmaeodera degener existiert in der Bundesrepublik nur noch einen Fundort, wenige Alteichen bei Stutensee/ Karlsruhe. Acmaeoderella flavofasciata kommt südlich des Alpenkammes häufig vor, bereits in Südtirol ist sie überall anzutreffen. Für Deutschland gibt es nur einen einzigen Fundnachweis: Der Schwanberg bei Windsheim in Unterfranken. Ob die Art dort jemals in einer stabilen Population vertreten war, ist nicht bekannt. Nachweise aus dem 19. Jahrhundert fehlen. Der Ungarische Prachtkäfer (Anthaxia hungarica), eine wunderschön grün gefärbte Art, die sich ebenfalls in Eiche entwickelt, wurde nur ein einziges Mal in Bayern und der Bundesrepublik gefunden. Hier handelte es sich um ein verschlepptes Tier aus dem Mittelmeerraum.
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Deutsche Namen der genannten Käferarten
Landessprachliche Bezeichnungen von Käfern sind nicht immer eindeutig und es kann verschiedene Namen für ein und die selbe Art geben. Zur besseren Verständlichkeit sind die deutschen Namen aber oft nützlich, unmissverständlich ist aber allein die wissenschaftliche Bezeichnung. Anthaxia salicis – Weidenprachtkäfer Anthaxia hungarica – Ungarische Prachtkäfer Acmaeoderella flavofasciata – Weißschuppiger Ohnschild-Prachtkäfer Acmaeodera degener – Achtzehnfleckiger Ohnschild-Prachtkäfer Agrilus angustulus – Schlanker Prachtkäfer Agrilus biguttatus – Zweipunktiger Eichenprachtkäfer Agrilus curtulus – Kurzer Schmal-Prachtkäfer Agrilus graminis – Haarstirniger Schmalprachtkäfer Agrilus laticornis – kein deutscher Name Agrilus litura – kein deutscher Name Agrilus obscuricollis – kein deutscher Name Agrilus sulcicollis – Blaugrüner Eichenprachtkäfer Melanophila acuminata – Schwarze Kiefernprachtkäfer Anthaxia salicis – Weidenprachtkäfer Chrysobothris affinis – Goldgruben-Eichenprachtkäfer Coraebus florentinum – Florentiner Prachtkäfer Coraebus undatus – Wellenbindiger Eichenprachtkäfer Eurythyrea quercus – Goldgrüner Eichenprachtkäfer (auch Eckschildiger Glanz-Prachtkäfer) Nalanda fulgidicollis – Nalanda-Prachtkäfer |
Prachtkäfer mit Infrarotdetektor
Eine Besonderheit unter den Prachtkäfern stellt der Schwarze Kiefernprachtkäfer (Melanophila acuminata) dar. Die Tiere sind mit einer Art Infrarotdetektor an der Bauchseite ausgerüstet und können damit brennendes Holz kilometerweit orten. Sie sind nicht speziell an Eiche gebunden, sondern nehmen zur Eiablage jede Baumart, ob Nadel- oder Laubbaum, an. Ausschlaggebend ist nur, dass das Holz frische Brandschäden aufweist. Der Käfer ist mittlerweile wegen dieser Fähigkeit ein beliebtes Forschungsobjekt.
Einige Lebensbilder von Prachtkäfern
Auch der Goldgruben-Eichenprachtkäfer (Chrysobothris affinis) ist nicht besonders wählerisch in der Wahl der Wirtspflanze, meidet jedoch Nadelbäume und bevorzugt eindeutig die Eiche. Das sehr flinke und mit 1 cm Größe recht beachtliche Tier kann man sehr leicht an Eichenpoltern sehen. Insbesondere zwischen 10 und 14 Uhr kommen die Tiere dorthin, um sich zu paaren und Eier abzulegen. Am häufigsten kommen Schlanker Prachtkäfer (Agrilus angustulus) und Blaugrüner Eichenprachtkäfer (Agrilus sulcicollis) an der Eiche vor. Sie entwickeln sich in schwächeren Ästen, das Fraßbild fällt nicht auf.
Der vor allem unter Forstleuten bekannteste Prachtkäfer dürfte der Zweipunktige Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus) sein. Auch er wäre sicher noch lange Zeit unerkannt an der Eiche zu Gange gewesen, hätten nicht andere, Primärschäden auslösende Faktoren sein Brutgeschäft ermöglicht, das dann letztlich den Tod des Baumes herbeiführt. Denn die meisten Arten besiedeln nur nach Pilz- oder Insektenbefall oder aufgrund ungenügender Wasserversorgung vorgeschädigte Bäume. Nur wenige Arten befallen primär lebende Zweige oder Stämme. Von den heimischen Arten zählt dazu nur der Florentiner Prachtkäfer (Coraebus florentinus). Seine Larve ringelt den Zweig unter der Rinde und bringt ihn dadurch zum Absterben. Sie bereitet damit auch den Weg für eine weitere Prachtkäferart, den Nalanda-Prachtkäfer (Nalanda fulgidicollis), die sich dann in dem toten Zweig entwickelt. Die Schwesterart des Florentiner Prachtkäfers ist der Wellenbindige Eichenprachtkäfer (Coraebus undatus), der sich in starken, Beschädigungen aufweisenden Ästen und Stämmen entwickelt. Charakteristisch für diese Art sind die sich schwarz färbenden Larvengänge und der vom Larvenfraß hervorgerufene Schleimfluss.
Der Goldgrüne Eichenprachtkäfer (Eurythyrea quercus) ist mit bis zu 25 mm die größte sich in der Eiche entwickelnde Prachtkäferart. Die Tiere sind sehr farbenprächtig, sie glänzen lebhaft metallisch grün. Die Art kommt allerdings nicht in Bayern vor, sondern nur an wenigen Stellen in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz. Die Larve entwickelt sich in den sonnseitigen, abgestorbenen Partien des Stammes und starker Äste.
Der Weidenprachtkäfer (Anthaxia salicis, Abbildung 1) ist eine kleine, besonders farbenprächtige Art. Kopf und Halsschild sind blau oder violett, die Flügeldecken feuerrot mit einem blaugrünen Dreieck an der Basis der Flügeldecken. Außer auf Blüten findet man die Tiere bereits ab April auch auf frischen Brennholzstapeln oder Zaunpfählen aus Eiche. Dort legen sie ihre Eier ab.
Literatur
Auf Anfrage beim Verfasser.
Links
Hans Mühle ist Entomologe und Experte für Prachtkäfer.
Email: muehleh@t-online.de
- Zunehmender Prachtkäferbefall
- LWF-Merkblatt Nr. 2 - Zweipunktiger Eichenprachtkäfer
- Ein Berliner im Steigerwald
- Der Asiatische Eschenprachtkäfer
- Prachtkäfer an Jungbäumen - Vorsorge und Haftung
- Bestandesbehandlung bei Zweipunkt-Eichenprachtkäferbefall
- Dossier Totholz
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| 08.08.2008 | Verfasser weiss |
| Kennen Sie Acmaeoderella flavofasciata (Mitt.) oder Melanophila acuminata (Deg.) ? - Nein ? Garnicht ? | |
| "Waldwissen.net - Informationen für die FORSTPRAXIS" Das ist ein tolles Konzept, dem forstlich interessierten Laien und Halblaien forstliches Fachwissen allgemeinverständlich zur Verfügung zu stellen. Ob jedoch die echte ForstPRAXIS die knapp 20 erwähnten Prachtkäferarten unter deren lateinischen Namen kennt, darf bezweifelt werden. |
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| 08.08.2008 | Verfasser RedaktionLWF |
| Deutsche Namen | |
| Sehr geehrter weiss, vielen Dank für Ihre Anregung und Ihre berechtigte Kritik, genau dafür ist die Kommentarfunktion gedacht! Die ursprünglichen Dokumente hatten oft eine andere, wissenschaftliche Zielrichtung und sind daher für Außenstehende oft nur schwer lesbar. Deshalb bemühen wir uns, sämtliche Dokumente so aufzubereiten, dass sie auch von Experten angrenzender Fachgebiete (in diesem Fall z.B. dem Naturschutz) oder dem Anwender draußen rasch genutzt und verstanden werden können. Wir betonen aber ausdrücklich, dass wir uns eben NICHT in erster Linie an den Laien richten, sondern an alle, die in der Forst- und Holzwirtschaft sowie allen angrenzenden Fachgebieten tätig sind. Bei diesem Klientel setzen wir die Kenntnis der grundlegenden Fachbegriffe voraus. Wissenschaftliche Namen von Käfern sind sicherlich ein Grenzfall, aber im Zweifel gebe ich Ihrer Kritik auf jeden Fall recht und meine ebenfalls, dass für die wichtigsten Arten der deutsche Begriff sicherlich auch für Experten hilfreicher ist. Aus diesem Grunde habe ich Ihre Anregung umgehend aufgenommen und die deutschen Bezeichnungen oben als Kasten und im Text hinzugefügt. Leider sind für drei Arten im Augenblick keine entsprechenden deutschen Bezeichnungen auffindbar, wenn möglich, werde ich sie später nachtragen. Hierzu möchte ich noch anmerken, dass die Vergabe landessprachlicher Namen für speziellere Tierarten in der Fachwelt durchaus umstritten und manchmal missverständlich ist. Roman Graf schreibt dazu im Vorwort zu seinem „Verzeichnis deutschsprachiger Namen für sämtliche Käferarten Mitteleuropas“ im Kapitel „Sinnfrage“: „Fassen wir zusammen: Die Notwendigkeit, den Käferarten Mitteleuropas landessprachliche Namen zu verleihen, kann nur teilweise begründet werden, es ist aber in manchen Fällen sinnvoll, es zu tun.“ Mit freundlichen Grüßen, Streckfuß, Redaktion LWF |
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