| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Andreas Schwyzer, Markus Keller | |
| Originalartikel: | Schwyzer, A.; Keller, M. (2009): Ergebnisse des Landesforstinventars LFI3. Schäden im Schweizer Wald. Wald Holz 90, 11: 32-35. | |
| Online-Version: | verändert, Stand: 01.12.2009 | |
| Redaktion: | WSL, CH | |
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Schäden im Schweizer Wald
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Abb. 1 - Von Sturm und Borkenkäfer verursachte Schadenfläche im Wägital (SZ). Foto: P. Rienth |
Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über die Ergebnisse
des dritten Landesforstinventars LFI3.
=> zur Übersicht aller Beiträge
Schäden sind wichtige Indikatoren für die nachhaltige Entwicklung des Waldes. Deswegen erfasst das Schweizerische Landesforstinventar seit 1983 Schäden an einzelnen Bäumen und im Jungwald. Auch Spuren von Beweidung sowie Überbelastungen und Störungen werden erhoben. Seit 2004 sammeln die Feldequipen auch Daten zu Flächen- und Bodenschäden im Waldareal.
Flächenschäden durch Wind, Insekten und Lawinen
Ein Flächenschaden wird im Schweizerischen Landesforstinventar (LFI) immer dann erfasst, wenn mindestens 10% einer Interpretationsfläche (50 × 50 m) in den letzten zehn Jahren durch ein Schadenereignis stark geschädigt wurde und die betroffenen Bäume und Sträucher wegen des Schadenereignisses abgestorben sind oder mit grosser Wahrscheinlichkeit in Kürze absterben werden.
Im LFI3 wurden Flächenschäden auf knapp 13% aller Interpretationsflächen – also auf jeder achten – beobachtet. In den meisten Fällen war nur ein Teil der Interpretationsfläche betroffen, so dass die effektiv geschädigte Waldfläche geschätzte 48'950 ha beträgt (Tabelle 1). Das entspricht etwa 4% der zugänglichen Waldfläche (ohne Gebüschwald) der Schweiz oder etwa der Fläche des Kantons Obwalden. Am stärksten getroffen wurden die Regionen Voralpen (17'700 ha), Mittelland (16'200 ha) und Alpen (10'600 ha).
Die mit Abstand wichtigsten Ursachen von Flächenschäden waren Wind und extreme Stürme wie der Orkan "Lothar" im Dezember 1999 (Abb. 2). Diese Schäden machen 63% (rund 30'700 ha) aller Flächenschäden in der Schweiz aus. An zweiter Stelle folgen mit 24% (rund 11'700 ha) Insektenschäden. Die restlichen 13% (rund 6600 ha) Flächenschäden sind auf Lawinen, Rutschungen, Schneelast, Feuer und übrige Ursachen zurückzuführen.
Wind ist die deutlich wichtigste Schadenursache in den
Regionen Jura, Mittelland, Voralpen und Alpen. An zweiter Stelle folgen die
Insektenschäden. In den Alpen sind von Lawinen verursachte Schäden fast ebenso
häufig wie Insektenschäden. Rutschungen hingegen kommen hauptsächlich in den
Alpen und den Voralpen vor, verursachen aber auch im Mittelland und auf der
Alpensüdseite Flächenschäden. Schäden durch Schneelast sind in allen Regionen
zu finden, allerdings auf tiefem Niveau. Auf der Alpensüdseite ist Feuer die
wichtigste Schadenursache, kommt aber mit Ausnahme der Alpen sonst in keiner
Region vor. Nur gerade in den Alpen und auf der Alpensüdseite konnte das LFI
sämtliche in Frage kommenden Ursachen für Flächenschäden beobachten.
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Abb. 2 - Flächenschäden im Schweizer Wald. Auf die Karte klicken, um sie zu vergrössern. |
Stabile Bestände mit weniger Flächenschäden
Flächenschäden können grundsätzlich auf dem ganzen Waldareal vorkommen. Bestände, die im LFI2 als stabil eingeschätzt wurden, sind gemäss LFI3 aber erwartungsgemäss deutlich weniger von Flächenschäden betroffen worden (etwa 2% der Waldfläche) als Bestände mit damals verminderter Stabilität (etwa 4% der Waldfläche). Daraus folgt: Mit stabilitätsfördernden Massnahmen lässt sich die Wahrscheinlichkeit eines Flächenschadens reduzierten und der Anteil der Zwangsnutzungen verringern.
Im Vergleich zum LFI2 hat der Anteil stabiler Bestände im Mittel über das ganze Land zugenommen, von 48% der Waldfläche auf 60%. Diese Zunahme ist zum Teil auf die Bewirtschaftung und zum Teil auf den durch die Stürme und den anschliessenden Insektenbefall erzwungenen Generationenwechsel in den Beständen zurückzuführen.
Durch Fahrzeuge verursachte Bodenschäden
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Abb. 3 - Bodenschaden im Mittelland Fotos: S. Speich (WSL), U. Wasem (WSL) |
Im Rahmen des LFI3 erfassten die Feldequipen zum ersten Mal Bodenschäden im Wald. Meistens handelt es sich dabei um Spuren von Fahrzeugen, die bei der Holzernte entstanden sind. Auf dem Waldboden hinterlässt praktisch jedes Fahrzeug Spuren. Besonders tiefgreifende Störungen des Waldbodens entstehen, wenn schwere Fahrzeuge zum falschen Zeitpunkt auf vernässten oder lehmigen Böden eingesetzt werden. Dezimetertiefe Radspuren können zurückbleiben, in denen die Struktur des Oberbodens zerstört, der Boden verdichtet und das Wurzelwerk der benachbarten Bäume verletzt ist.
Massgebend für die Intensität der Schädigung sind die Spurtiefe und der Zustand der organischen Auflagehorizonte. Ein starker Schaden liegt vor, wenn die Fahrspur auf der gesamten erfassten Spurlänge mindestens 10 cm tief ist und das Fahrzeug die organischen Auflagehorizonte (L, F, H) völlig durchwühlt hat. Dann ist das für die Wasserversorgung der Pflanzen wichtige Porensystem im Boden massiv und für lange Zeit gestört. Im LFI wurde auch erfasst, ob sich die Fahrspur auf einer Rückegasse oder auf einem Maschinenweg befindet. Für drei Viertel der Fahrspuren trifft dies zu. Daraus lässt sich schlossen, dass die beim Bundesamt für Umwelt BAFU in Ausarbeitung stehenden "Grundanforderungen für den naturnahen Waldbau" zu einem guten Teil erfüllt werden. Sie sehen vor, dass bei der Holzernte der Waldboden nicht flächig, sondern möglichst nur auf Waldwegen und Rückegassen zu befahren sei.
13'300 ha Waldfläche mit Bodenschäden
Holzerntefahrzeuge eignen sich nicht für jedes Gelände und kommen hauptsächlich im Mittelland, im Jura und in den Voralpen zum Einsatz. In den Alpen und auf der Alpensüdseite werden sie selten eingesetzt. Gemäss der im LFI integrierten Umfrage beim Forstdienst können oder könnten Holzerntefahrzeuge 58% des zugänglichen Waldes ohne Gebüschwald befahren. Anders ausgedrückt: Gut zwei Fünftel des Schweizer Waldes werden nicht mit Holzerntefahrzeugen befahren.
Betrachtet man nur die befahrbare Waldfläche (ohne Gebüschwald) in der Schweiz, so sind auf 12% der LFI-Probeflächen Fahrspuren vorhanden. Da die Spuren nicht die ganze Probefläche, sondern nur einen Teil davon abdecken, ergibt sich für den befahrbaren Wald ein geschätzter Flächenanteil von 2%, der durch Fahrspuren geschädigt ist. Insgesamt sind dies für die Schweiz 13 300 ha (Tabelle 2). Im Mittelland ist der Anteil der betroffenen Waldfläche mit fast 4% am höchsten. Etwa zwei Drittel der Fahrspuren im Mittelland sind schwach sichtbar oder gehören zum Bodenschadentyp "leicht gestört" (= Spurtyp 1). Jede zwölfte Fahrspur wird als starker Bodenschaden klassifiziert (= Spurtyp 3). Im Jura ist es jede neunte und in den Voralpen sogar jede vierte Spur. In den Haupteinsatzgebieten Mittelland, Jura und Voralpen kommen Fahrspuren am häufigsten vor.
Leichte Abnahme der Stammschäden
Geschätzte 8% aller Bäume im Schweizer Wald (Kluppschwelle 12 cm) sind tot, 8% sind schwer geschädigt und 13% weisen
leichte Stammschäden auf. Fast drei Viertel (71%) aller Bäume sind also
schadenfrei (Abb. 4). Bei den Baumschäden sind flächige
Rindenverletzungen am Stamm und am Wurzelanlauf bei weitem am häufigsten. 13%
aller Bäume haben eine solche Verletzung. Damit hat der Anteil dieser
Schadenskategorie seit dem LFI2 um einen Prozentpunkt abgenommen.
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Abb. 4 - Baumschäden nach Schadentyp in Prozenten der Gesamtstammzahl. Auswertungseinheit: zugänglicher Wald ohne Gebüschwald. Diagramm anklicken zum vergrössern. |
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Abb. 5 - Stammkrebs an Weisstanne. Foto: T. Reich (WSL) |
Während im Mittelland und im Jura wegen der Holzerei und anderer Aktivitäten in erster Linie der Mensch für die Schäden verantwortlich ist, gehen diese in den Alpen und auf der Alpensüdseite vorwiegend auf das Konto von Steinschlag und ähnlichen Naturereignissen. Im Vergleich zum LFI2 hat sich der Anteil der Holzerei als Ursache für Baumschäden halbiert und ist von 4% auf 2% im LFI3 zurückgegangen. Auch die Stammschäden, die durch Freizeitaktivitäten verursacht werden, sind seltener geworden, obwohl die Erholungsnutzung im Wald intensiver geworden ist.
Wenn Sie sich näher für das Schweizerische Landesforstinventar interessieren, finden Sie auf der folgenden Website zusätzliche Informationen:
=> www.lfi.ch
Harzfluss wird gesamtschweizerisch an 5% aller Bäume beobachtet, in der Region Alpen sogar an 7%. Dort häufen sich die Ereignisse, die Bäume verletzen können, und dort ist auch die Fichte, die eher zum Harzfluss neigt, am häufigsten. Die aussergewöhnliche Vermehrung der Borkenkäfer nach den Sturmschäden liess die Zahl der Bäume mit Harzfluss ebenfalls ansteigen. Andere Schäden haben eine vergleichsweise geringe Bedeutung.
Starke Zunahme der toten Bäume
Im Extremfall sterben geschädigte Bäume ab. Die Zunahme der Anzahl toter Bäume seit dem LFI2 (von 6% auf 8%) darf nicht als generelle Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes des Schweizer Waldes interpretiert werden und dürfte mit grösster Wahrscheinlichkeit auf den Orkan "Lothar" und die Folgen des Trockenjahres 2003 zurückzuführen sein. Beide Ereignisse haben zu einem – wahrscheinlich vorübergehend – erhöhten Anteil toter Bäume in den Regionen Voralpen (von 5% auf 9%) und im Mittelland (von 3% auf 4%) geführt. Der Anteil der toten Bäume wäre noch viel höher, wenn nicht 65% der Windwurfflächen vollständig und 20% teilweise geräumt worden wären. Insgesamt sind 13% der Probeflächen von Flächenschäden betroffen und auf diesen Flächen konzentriert befinden sich etwa 30% des gesamten liegenden und stehenden Totholzes in der Schweiz.
Download
- Der Origianlartikel mit Literaturangaben ist als PDF-Datei verfügbar (2.45 MB).
Links
- Das Schweizerische Landesforstinventar (LFI)
- Sturm, Witterung und Borkenkäfer: Risikomanagement im Forstschutz
- Dossier Sturm und Windwurf
- Sturmschäden und ihre Folgen
- Die Unwetterschäden in der Schweiz 1972 - 2002
- Bodenschutz beim Einsatz von Forstmaschinen im Wald
- Boden unter Druck – sind Bodenschutz und Holzernte vereinbar?
- Hagelschäden an Bäumen
- Frostschäden an Nadelbäumen und deren Folgen
Kontakt
Andreas Schwyzer
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Inventurdesign und Planung
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 BirmensdorfTel: +41 44 739 23 52
Fax: +41 44 739 22 15
Urs-Beat Brändli
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Wissenschaftlicher Dienst LFI
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 BirmensdorfTel: +41 44 739 23 43
Fax: +41 44 739 22 15
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