| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Geri Kaufmann, Thomas Wohlgemuth | |
| Originalartikel: | Kaufmann, G.; Wohlgemuth, T. (2008): Waldbrand bei Leuk - vier Jahre danach. Wald Holz 89, 3: 8-9. | |
| Online-Version: | Stand: 20.11.2008 | |
| Redaktion: | WSL, CH | |
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Waldbrand bei Leuk - vier Jahre danach
Im August 2003 loderte im Wallis einer der grössten Waldbrände der Schweiz. Vier Jahre später präsentierte sich an vielen Orten wieder eine geschlossene Vegetationsdecke. Die Wiederbesiedlung mit Waldbäumen erfolgte bisher allerdings nur zaghaft.
Im Hitzesommer 2003 brach am Abend des 13. August in der Nähe von Leuk ein Waldbrand aus. In nur einer Nacht zerstörte das Feuer über 300 ha Wald mit etwa 200’000 Bäumen. Das Brandgebiet erstreckt sich von 800 m ü. M. bis zur Waldgrenze auf 2100 m ü. M. Ein Fünftel des praktisch vollständig zerstörten Waldes galt als Schutzwald für die Stadt Leuk und für die Strasse nach Leukerbad.
Ursache des Waldbrands war Brandstiftung. Im Brandgebiet sind praktisch alle Bäume verbrannt oder abgestorben. Ausser einer 10 ha grossen Waldinsel blieben Schutt und Asche zurück. Vier Jahre nach dem Waldbrand präsentiert sich an vielen Orten wieder eine geschlossene Vegetation (siehe Abb.).
Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL hat die Chance genutzt und im Jahr 2004 das Rahmenprojekt "Waldbrand im Wallis" als Teil des WSL-Forschungsprogramms "Walddynamik" ins Leben gerufen. Darin werden die Wiederbesiedlung der Waldbrandfläche und die zugrunde liegenden Prozesse anhand verschiedener Stichproben zu Vegetation, Wirbellosenfauna, Boden, Klima sowie mit Luftbildanalysen untersucht.
Vegetationsmonitoring
Über weite Flächen fehlte die Vegetation im Jahr 2004 fast vollständig. Doch seit dem zweiten Jahr nach dem Brand ist eine sichtbare, bis heute anhaltende Rückeroberung festzustellen. Anders als Kräuter und Gräser sind Baumkeimlinge nicht gleichmässig über das Brandgebiet verteilt: In der subalpinen Höhenstufe entwickelt sich Naturverjüngung rascher als in tieferen Lagen.
Das Tempo der Wiederbesiedlung hängt stark vom Betrachtungsmassstab ab. Nur zwei Jahre nach dem Brand war die Vielfalt von Pflanzenarten auf 200 m2 wieder gleich gross wie vor dem Brand. Auf 500 m2 war sie gar deutlich grösser als im ursprünglichen Wald. Besonders rasch schloss sich die Vegetation in den hohen Lagen und von den Rändern her. An Orten mit hoher Brandintensität beziehungsweise grosser Aschenauflage war die Artenvielfalt nach zwei Jahren am kleinsten.
Drei Jahre nach dem Brand sind die Unterschiede innerhalb der Brandfläche aber nur noch gering. Weil mit zunehmender Höhe über Meer immer mehr Gebirgsarten in der Vegetation vertreten sind, nimmt die Artenvielfalt auf der Brandfläche gegen die ursprüngliche Waldgrenze zu.
Artenzusammensetzung
Im unteren Teil der Brandfläche hat sich eine starke Ruderal- und Pioniervegetation etabliert. Die Artenzusammensetzung ändert sich relativ rasch. Im letzten Jahr hat sich beispielsweise das Weidenröschen (Epilobium angustifolium) von subalpinen Lagen, wo es bereits dominiert, gegen tiefere Lagen stark ausgebreitet. Dabei wurde unter anderem der vorher weit verbreitete Erdbeerspinat (Blitum virgatum) stark zurückgedrängt.
Vom Erdbeerspinat waren vor dem Waldbrand zwei Fundorte an Strassenrändern am Rand des Waldbrandgebietes bekannt. Eine Verbreitung der Samen nur von diesem Vorkommen aus ist unwahrscheinlich. Vielmehr wird angenommen, dass die Samen bereits vor längerer Zeit durch Weidetiere (Ziegen und Schafe) in den Boden gelangten und dort lange Zeit überdauerten. Das Brandereignis machte erst deutlich, wie gross das Regenerationsvermögen von gewissen Pflanzen sein kann.
Biodiversität von Wirbellosen
Nach dem Waldbrand musste die Brandfläche von den meisten Insekten neu besiedelt werden. In diesem Zusammenhang interessierte, wie schnell diese Wiederbesiedlung auf verschiedenen Höhenstufen erfolgt und welche Präferenzen die holzbewohnenden Insekten bei der Besiedlung der abgestorbenen Bäume haben.
Bei den Heuschrecken wurden bis jetzt (März 2008) folgende Ergebnisse hergeleitet:
- Sowohl die Arten- als auch die Individuenzahl hat auf den Brandflächen zugenommen. Die Zunahme betrifft auch die Arten der Roten Liste.
- Die Individuenzahl ist im Randbereich am grössten, im intakt gebliebenen Wald am kleinsten.
Bodenuntersuchungen
Der Brand zerstörte über grosse Gebiete die organische Auflage des Bodens teilweise bis vollständig. Die verbleibende Asche durchmischte sich mit dem obersten Mineralerdehorizont, was den pH-Wert um bis 1,5 Einheiten erhöhte. Je intensiver der Brand war, desto basischer wurde der pH-Wert dieses Horizontes im Vergleich zu den Referenzprofilen im Wald ohne Brand.
Auf der Brandfläche wurde die Kationen-Austauschkapazität (KAK) der zwei obersten Mineralerdehorizonte im Vergleich zur Referenz reduziert. Je intensiver der Brand war, desto stärker war die Verminderung der KAK. Bei sechs Bodenprofilen im Lärchen-/ Fichten- und im Lärchenwald (2000 bis 2100 m ü. M.) wurden Holzkohlenstücke in Tiefen zwischen 5 und 77 cm gefunden. Sie deuten auf frühere Waldbrände hin.
Wiederbewaldung
Die Wiederbewaldung erfolgte bisher zaghaft. Laubholz tritt punktuell auf der ganzen Brandfläche auf. Am stärksten verbreitet sind Pappeln und Weiden. Nadelholz hat sich bis jetzt fast ausschliesslich in Randbereichen und in höchsten Lagen angesiedelt.
In tieferen Lagen wird die Wiederbewaldung länger dauern als in den höher gelegenen Gebieten. Es stellt sich nun die Frage, wie sich die Waldbäume von den bestehenden Verjüngungskegeln aus weiter ausbreiten und wie sich die Baumartenzusammensetzung verändern wird. Von besonderer Relevanz ist auch die Frage, ob sich Effekte der Klimaerwärmung in der Wiederbewaldung des Brandgebietes nachweisen lassen.
Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Waldwirtschaft Schweiz WVS
Links
- Dossier Waldbrand
- Waldbrand im Wallis (Forschungsanstalt WSL)
- Neues Leben nach dem Waldbrand
- Wiederbewaldung der Waldbrandfläche Müstair
- Grosse Dynamik nach Waldbränden auf der Alpensüdseite
- Pilze als Pioniere nach Feuer
- Erosion und Oberflächenabfluss nach Waldbränden
Kontakt
Thomas Wohlgemuth
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Störungsökologie
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 BirmensdorfTel: +41 44 739 23 17
Fax: +41 44 739 22 54
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