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Dokumentinformationen
Autor(en): Geri Kaufmann, Thomas Wohlgemuth
Originalartikel: Kaufmann, G.; Wohlgemuth, T. (2008): Waldbrand bei Leuk - vier Jahre danach. Wald Holz 89, 3: 8-9.
Online-Version: Stand: 20.11.2008
Redaktion: WSL, CH
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch français italiano

Waldbrand bei Leuk - vier Jahre danach

2004
2004
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2005
Die gleiche Fläche 2005
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2006
Die gleiche Fläche 2006
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2007
Die gleiche Fläche 2007
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Fotos: Störungsökologie WSL

Im August 2003 loderte im Wallis einer der grössten Waldbrände der Schweiz. Vier Jahre später präsentierte sich an vielen Orten wieder eine geschlos­sene Vegetationsdecke. Die Wiederbesiedlung mit Waldbäumen erfolgte bisher allerdings nur zaghaft.

Im Hitzesommer 2003 brach am Abend des 13. August in der Nähe von Leuk ein Waldbrand aus. In nur einer Nacht zerstörte das Feuer über 300 ha Wald mit etwa 200’000 Bäumen. Das Brand­gebiet erstreckt sich von 800 m ü. M. bis zur Waldgrenze auf 2100 m ü. M. Ein Fünftel des praktisch vollständig zerstörten Waldes galt als Schutzwald für die Stadt Leuk und für die Strasse nach Leukerbad.

Ursache des Wald­brands war Brandstiftung. Im Brand­gebiet sind praktisch alle Bäume ver­brannt oder abgestorben. Ausser einer 10 ha grossen Waldinsel blieben Schutt und Asche zurück. Vier Jahre nach dem Waldbrand präsentiert sich an vielen Orten wieder eine geschlos­sene Vegetation (siehe Abb.).

Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL hat die Chance genutzt und im Jahr 2004 das Rahmenprojekt "Wald­brand im Wallis" als Teil des WSL-For­schungsprogramms "Walddynamik" ins Leben gerufen. Darin werden die Wieder­besiedlung der Waldbrandfläche und die zugrunde liegenden Prozesse anhand verschiedener Stichproben zu Vegetation, Wirbellosenfauna, Boden, Klima sowie mit Luftbildanalysen untersucht.

Vegetationsmonitoring

Über weite Flächen fehlte die Vegeta­tion im Jahr 2004 fast vollständig. Doch seit dem zweiten Jahr nach dem Brand ist eine sichtbare, bis heute anhaltende Rückeroberung festzustellen. Anders als Kräuter und Gräser sind Baumkeimlinge nicht gleichmässig über das Brandgebiet verteilt: In der subalpinen Höhenstufe entwickelt sich Naturverjüngung rascher als in tieferen Lagen.

Das Tempo der Wie­derbesiedlung hängt stark vom Betrach­tungsmassstab ab. Nur zwei Jahre nach dem Brand war die Vielfalt von Pflanzen­arten auf 200 m2 wieder gleich gross wie vor dem Brand. Auf 500 m2 war sie gar deutlich grösser als im ursprünglichen Wald. Besonders rasch schloss sich die Vegetation in den hohen Lagen und von den Rändern her. An Orten mit hoher Brandintensität beziehungsweise grosser Aschenauflage war die Artenvielfalt nach zwei Jahren am kleinsten.

Drei Jahre nach dem Brand sind die Unterschiede inner­halb der Brandfläche aber nur noch ge­ring. Weil mit zunehmender Höhe über Meer immer mehr Gebirgsarten in der Vegetation vertreten sind, nimmt die Artenvielfalt auf der Brandfläche gegen die ursprüngliche Waldgrenze zu.

Artenzusammensetzung

Im unteren Teil der Brandfläche hat sich eine starke Ruderal- und Pionier­vegetation etabliert. Die Artenzusam­mensetzung ändert sich relativ rasch. Im letzten Jahr hat sich beispielsweise das Weidenröschen (Epilobium angustifo­lium) von subalpinen Lagen, wo es bereits dominiert, gegen tiefere Lagen stark aus­gebreitet. Dabei wurde unter anderem der vorher weit verbreitete Erdbeerspinat (Blitum virgatum) stark zurückgedrängt.

Vom Erdbeerspinat waren vor dem Wald­brand zwei Fundorte an Strassenrändern am Rand des Waldbrandgebietes be­kannt. Eine Verbreitung der Samen nur von diesem Vorkommen aus ist unwahr­scheinlich. Vielmehr wird angenommen, dass die Samen bereits vor längerer Zeit durch Weidetiere (Ziegen und Schafe) in den Boden gelangten und dort lange Zeit überdauerten. Das Brandereignis machte erst deutlich, wie gross das Regenera­tionsvermögen von gewissen Pflanzen sein kann.

Biodiversität von Wirbel­losen

Nach dem Waldbrand musste die Brand­fläche von den meisten Insekten neu be­siedelt werden. In diesem Zusammenhang interessierte, wie schnell diese Wiederbe­siedlung auf verschiedenen Höhenstufen erfolgt und welche Präferenzen die holz­bewohnenden Insekten bei der Besiedlung der abgestorbenen Bäume haben. 

Bei den Heuschrecken wurden bis jetzt (März 2008) folgende Ergebnisse hergeleitet:

Bodenuntersuchungen

Der Brand zerstörte über grosse Gebiete die organische Auflage des Bodens teilweise bis vollständig. Die verbleibende Asche durch­mischte sich mit dem obersten Mineralerdehorizont, was den pH-Wert um bis 1,5 Einheiten erhöhte. Je intensiver der Brand war, desto basischer wurde der pH-Wert dieses Horizontes im Vergleich zu den Referenzprofilen im Wald ohne Brand.

Auf der Brandfläche wurde die Kationen-Austauschkapazität (KAK) der zwei obersten Mineralerdehorizonte im Ver­gleich zur Referenz reduziert. Je intensi­ver der Brand war, desto stärker war die Verminderung der KAK. Bei sechs Bodenprofilen im Lärchen-/ Fichten- und im Lärchenwald (2000 bis 2100 m ü. M.) wurden Holzkohlenstücke in Tiefen zwischen 5 und 77 cm gefunden. Sie deuten auf frühere Waldbrände hin.

Wiederbewaldung

Die Wiederbewaldung erfolgte bisher zaghaft. Laubholz tritt punktuell auf der ganzen Brandfläche auf. Am stärksten verbreitet sind Pappeln und Weiden. Nadelholz hat sich bis jetzt fast aus­schliesslich in Randbereichen und in höchsten Lagen angesiedelt.

In tieferen Lagen wird die Wie­derbewaldung länger dauern als in den höher gelegenen Gebieten. Es stellt sich nun die Frage, wie sich die Waldbäume von den bestehenden Verjüngungskegeln aus weiter ausbreiten und wie sich die Baumartenzusammensetzung verändern wird. Von besonderer Relevanz ist auch die Frage, ob sich Effekte der Klima­erwärmung in der Wiederbewaldung des Brandgebietes nachweisen lassen.

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