deutsch | english | français | italiano | slovenian
Home
Home Kontakt | Impressum | Wir über uns | RSS-Feed | Sitemap
Themen  >  Waldökologie  >  Waldökosysteme  > 
Dokumentinformationen
Autor(en): Susan Lock, Sophie Pahlmann, Pascale Weber, Andreas Rigling
Originalartikel: Lock, S.; Pahlmann, S.; Weber, P.; Rigling, A., 2003: In Stalden kehren die Flaumeichen zurück. - Wald Holz 84, 9: 29-33.
Online-Version: Stand: 23.12.2004
Redaktion: WSL, CH
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch english

Föhrensterben im Wallis - die Flaumeichen kehren zurück

Unter absterbenden Waldföhren etablieren sich Flaumeichen

Unter den absterbende Waldföhren etablieren sich Flaumeichen, welchen ihre Blätter über die Wintermonate nicht abgeworfen haben.
Foto: U. Wasem (WSL)

 
Altersstruktur und Waldnutzung im Telwald

Grafik 1: Altersstruktur und Waldnutzung im Telwald: Die Aufgabe der Streunutzung und Ziegenweide vor zirka 20 Jahren geht einher mit einer erhöhten Laubholzverjüngung seit 1980.

 
Schutzwald – Blick auf Ackersand

Schutzwald – Blick auf Ackersand
Foto: WSL

Die Waldföhrenwälder im Wallis sind einem grossen Wandel unterworfen. Mit bis zu zehnmal grösseren Absterberaten als sie in vergleichbaren Beständen des Mittellandes auftreten, verschwinden die Föhren grossflächig aus den Beständen. Im Gegenzug erobern sich nach langer Abwesenheit Laubbäume ihr angestammtes Terrain zurück. Vor allem die Flaumeiche besiedelt die trockenen, strahlungsintensiven Standorte der süd-, west- und ostexponierten Talflanken unterhalb 1200 m ü. M.

Unterschiedliche Standortsansprüche

Waldföhre und Flaumeiche haben beide nur geringe Ansprüche an ihren Standort. Sie sind unempfindlich gegenüber Trockenheit und dadurch unter den extremen Bedingungen an den Walliser Talhängen anderen Baumarten überlegen. Was die beiden Baumarten jedoch grundsätzlich voneinander unterscheidet, sind ihre Strategien, mit denen sie sich auf bestimmten Standorten ansiedeln und zur Dominanz gelangen. Das herausragendste Merkmal der Föhre als Pionierbaumart ist ihr grosser Lichtbedarf. Sobald die jungen Bäume jedoch einen geschlossen Bestand bilden, verjüngt sich die Föhre kaum noch. Andere Baumarten nehmen ihren Platz ein. Dieser Prozess verzögert sich allerdings oder er findet nicht statt, wenn eine natürliche (Feuer, Insekten, Muren) oder unnatürliche (Weide, Holzernte) Störung den Bestand wieder auflichtet.

Die Flaumeiche hingegen wächst im Bestand auf und setzt sich auf solchen Standorten gegen Konkurrenten durch, wo hohe Sonneneinstrahlung in Kombination mit flachgründigem Boden und ausgeprägter Trockenheit vorherrschen. Zwar hat sie durch ihre Fähigkeit zum Stockausschlag die Möglichkeit zur vegetativen Vermehrung vor Ort, sie wird jedoch durch Vieh und Wild gerne verbissen, was sie in den vergangenen Jahrhunderten gegenüber der Föhre benachteiligte.

Veränderte Landnutzung als Vorteil für die Flaumeiche

Durch Streuentnahme und Waldweide entzog der Mensch dem Wald beträchtliche Mengen an Samen und Nährstoffen. Zudem beschädigten besonders Verbiss und Trittschäden die Keimlinge, so dass sich die Keimungsverhältnisse auf den offenen und verdichteten Böden veränderten. So lichtete die Waldstreunutzung nach und nach die Wälder auf und beeinflusste damit die Baumartenzusammensetzung: vom reichlichen Lichtangebot und von der Offenlegung des Rohbodens profitierte vor allem die Föhre. Vor 20 bis 30 Jahren verschwand das wirtschaftliche Interesse an den tief gelegenen Föhrenwäldern fast gänzlich und beschränkt sich heute auf die Schutz- und Erholungsfunktion. Das Ausbleiben der Beweidungsschäden im Speziellen, aber auch der Streuentnahme und des damit verbundenen Nährstoffentzugs führten zu der Waldvegetation, wie wir sie im Telwald heute vorfinden (s. Grafik)

Man kann davon ausgehen, dass der Rückgang der menschlichen Aktivitäten im Telwald der Flaumeiche Vorteile brachte und dass die Flaumeiche die Föhre über kurz oder lang ablösen wird. Das immer schlechtere Wachstum, die abnehmende Vitalität und die hohen Mortalitätsraten der Föhren auf der einen und das zunehmend überdurchschnittliche Wachstum der Flaumeichen auf der anderen Seite sprechen eindeutig für diese Prognose.

Download
Der Originalartikel ist als PDF-Datei verfügbar (781 KB).
Merkblatt für die Praxis: Verdrängen Flaumeichen die Walliser Waldföhren? (PDF, 796 KB)

Links

Kontakt und Informationen


(erweitert)