| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Jörg Müller | |
| Originalartikel: | Müller, J. (2006): Ein Berliner im Steigerwald. LWFaktuell Nr. 53, S. 36. | |
| Online-Version: | Stand: 11.04.2008 | |
| Redaktion: | LWF, D | |
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Ein Berliner im Steigerwald
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| Abb. 1: Der Goldene Prachtkäfer ist im Steigerwald entdeckt worden. Er lebt im besonnten Kronentotholz starker Altbuchen. (Foto: J. Müller) |
Der Goldene Prachtkäfer liebt es ausgesprochen warm
Der Goldene Prachtkäfer (Dicerca berolinensis, auch Berliner Prachtkäfer) konnte in den alten Rotbuchen des Steigerwaldes entdeckt werden. Aus Bayern sind nur wenige Altfunde aus dem 19. Jahrhundert bekannt, aktuelle Nachweise liegen nur aus den warmen Orchideenbuchenwäldern der Frankenalb vor.
Als stark wärmeliebende Art würde man den Käfer eigentlich nicht in den kühlen, schattigen Buchenwäldern vermuten. Doch im besonnten Totholz der Baumkronen starker Altbuchen ist es alles andere als kühl und feucht. An diesem Platz an der Sonne ist es extrem warm. Diese starken Totäste im Gipfelbereich findet man aber nur an Altbuchen, die mindestens 200 Jahre alt sind. Tote Gipfelbereiche sind ein Zeichen für den beginnenden langsamen Zerfall des Baumes. Während der Baum damit seinen ökonomischen Wert als wertvolles Holzprodukt immer mehr verliert, steigt seine ökologische Bedeutung gewaltig. Die angeblich artenarme Buche bietet in der Alters- und Zerfallsphase einer Vielzahl gefährdeter Insekten- und Pilzarten einen einzigartigen Lebensraum.
Bei Untersuchungen dieses wertvollen Kronentotholzes konnten Wissenschaftler der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft die unverwechselbaren Fraßspuren des seltenen Käfers an insgesamt drei Stellen nachweisen.
Dabei war der Steigerwald gerade nach dem Krieg beliebtes Urlaubsziel der West-Berliner. Durch die letzten Reste alter Buchenwälder konnte aber auch der Berliner Prachtkäfer überleben.
Steckbrief des Goldenen PrachtkäfersGefährdung: Deutschland RL 2 – stark gefährdet Bestimmung: 20-24 mm, metallisch bronzefarben Gesamtverbreitung: Westsibirien bis Frankreich, kontinentale Art, die den atlantisch getönten Bereich meidet. Fundmeldungen aus Deutschland (nach 1950) liegen noch aus Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg vor. Biologie und Ökologie: Lebensräume: Buchenreiche, urständige Laubwälder, Eichen-Hainbuchenwälder, Orchideenbuchenwälder Entwicklung: 3-4 Jahre Populationsentwicklung: In der Frankenalb kam es zu Populationsausweitungen als Folge von extremen Dürrejahren. Schirmart Dicerca berolinensis: Der Käfer steht stellvertretend für eine ganze Artengemeinschaft, die an anbrüchiges Rotbuchenholz in besonnter Lage gebunden ist. Die Erhaltung alter Buchen mit starken abgestorbenen Totästen fördert die seltene Vierpunktameise (Dolichoderus quadripunctatus), den Mittelspecht, Halsbandschnäpper und viele andere. |
Dr. Jörg Müller war Mitarbeiter im Sachgebiet 2.4 „Naturschutz“ der LWF. Er ist seit 1.1. 2006 in der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald tätig
Links
- Dossier Totholz
- Licht und Totholz - das Paradies für holzbewohnende Käfer
- Totholz als Lebensraum für Insekten
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