| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Claudio Defila (MeteoSchweiz) | |
| Erscheinungsjahr: | 2005 | |
| Erstveröffentlichung: | Defila, C. (2005): Phänologische Trends bei den Waldbäumen in der Schweiz. Schweiz. Z. Forstwes. 156, 6: 207-210. | |
| Redaktion: | SFV, CH | |
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Phänologische Trends bei den Waldbäumen in der Schweiz
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Abb. 1 - Die Bäume und Sträucher treiben durchschnittlich 14-15 Tage früher aus als vor 50 Jahren. |
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Abb. 2 - Bei Buchen tritt die Blattverfärbung 5 Tage früher auf als in den 1950er Jahren (Abb. 4). Fotos: T. Reich (WSL) |
Viele phänologische Eintrittstermine werden sehr stark von der Lufttemperatur beeinflusst. Somit spielt die Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte eine grosse Rolle bei Trends in den phänologischen Zeitreihen. Für die gesamte Schweiz beträgt die Verfrühung in den letzten 50 Jahren bei den Blühphasen 21 Tage, bei der Blattentfaltung und beim Nadelaustrieb 15 Tage, bei der Blattverfärbung neun Tage; beim Blattfall liess sich eine Verspätung von drei Tagen nachweisen.
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Phänologie Der Wortstamm "phäno" ist lateinisch und bedeutet "Erscheinung" oder "in Erscheinung treten". Die Phänologie beschäftigt sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen der Lebewesen. |
Das phänologische Beobachtungsnetz in der Schweiz
In der Pflanzenphänologie werden die Eintrittstermine (Datum) der so genannten phänologischen Phasen (Phänophasen) wie Blattentfaltung, Blüte, Fruchtreife, Blattverfärbung und Blattfall beobachtet und notiert.
Seit 1951 existiert in der Schweiz ein phänologisches Beobachtungsnetz, das alle Regionen und Höhenstufen der Schweiz umfasst. Die unterschiedlichen Klimaregionen und Höhenlagen machen die phänologischen Studien in der Schweiz besonders interessant. Die tiefstgelegene Station ist im Tessin in 200 m ü.M., die höchstgelegene im Engadin in 1800 m ü.M. An rund 160 Beobachtungsstationen werden 26 verschiedene Pflanzenarten und 69 Phänophasen beobachtet.
50-jährige Zeitreihen auf 95 Beobachtungsstationen
Im phänologischen Beobachtungsprogramm der MeteoSchweiz wird bei den Waldbäumen der Nadelaustrieb der Lärchen und Fichten und die Blattentfaltung und Blattverfärbung der Buchen beobachtet. Da im Herbst lediglich Zeitreihen der Blattverfärbung und Blattfall der Buchen zur Verfügung standen, wurden zu Vergleichszwecken diese beiden Phänophasen auch noch bei den Rosskastanien berücksichtigt, im Wissen darum, dass es sich nicht um Waldbäume handelt. Untersucht wurde die Zeitperiode 1951 bis 2002 auf insgesamt 95 phänologischen Beobachtungsstationen.
Die meisten Phänophasen früher
In Abbildung 3 ist die effektive Verfrühung bzw. Verspätung für die drei ausgewerteten Frühlingsphänophasen der Waldbäume dargestellt. Die grösste Verfrühung innerhalb von 50 Jahren ist mit 21,4 Tagen beim Nadelaustrieb der Lärchen zu finden. Beim Nadelaustrieb der Fichten ist zwar der grösste Anteil signifikanter Trends aufgetreten, doch ist das Ausmass der Verfrühung mit 8,0 Tagen geringer als bei den übrigen Frühlingsphasen. Die Blattentfaltung der Buchen weist eine Verfrühung von 11,9 Tagen auf.
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Abb. 3 - Phänologische Trends der Waldbäume im Frühling für die ganze Schweiz, 1951 bis 2000. |
Abbildung 4 zeigt die Trends der vier phänologischen Herbstphasen. Die Blattverfärbung der Buchen tritt 4,8 Tage früher auf. Die Rosskastanienblätter verfärben sich 13,3 Tage früher. Die stärkere Verfrühung bei den Rosskastanien ist auf Schädlingsbefall (Miniermotte) und auf möglichen Trockenstress zurückzuführen. Einzig der Blattfall der Buchen und Rosskastanien zeigt einen Trend zu späteren Eintrittsterminen von 4,8 Tagen bei den Buchen und 1,5 Tagen bei den Rosskastanien. Da die phänologischen Frühlingsphasen sehr stark von der Temperatur beeinflusst werden, sind diese Verfrühungen der phänologischen Frühlingsphasen der Waldbäume eindeutig auf die Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte zurückzuführen. In den letzten 100 Jahren konnte im Frühling in der Schweiz eine Zunahme der Lufttemperaturen von rund 1 °C nachgewiesen werden.
Eine plausible Erklärung für die frühere Blattverfärbung der Buchen zu finden, ist weit schwieriger, da sich die Herbsttemperaturen in den letzten 100 Jahren um etwa 1,5 °C erhöht haben und warme Herbsttemperaturen die Blattverfärbung verzögern. Inwieweit vermehrte Trockenperioden während der Vegetationszeit die Blattverfärbung der Buchen verfrüht haben, kann nicht nachgewiesen werden, da es für die Schweiz keine langjährige Statistik der Trockenperioden gibt.
Lediglich der Blattfall der Buchen und Rosskastanien hat sich leicht um 4,8 Tage bzw. 1,5 Tage verspätet. Diese Verspätung bei der Buche konnte vor allem auf der Alpensüdseite festgestellt werden. Die Blattfallphasen werden aber weniger von der allgemeinen Klimaerwärmung beeinflusst als von kurzfristigen Wetterereignissen wie Sturmwinde, Frost oder Schneefall.
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| Abb. 4 - Phänologische Trends der Waldbäume im Herbst für die ganze Schweiz, 1951 bis 2000. |
Relativ viele Daten liegen beim Nadelaustrieb der Lärchen vor. Deshalb konnten die Wissenschafter bei dieser Phänophase zusätzlich regionale Auswertungen vorgenehmen. Sie teilten die Schweiz in sechs Klimaregionen ein (Jura, Mittelland, Alpennordhang und Rheinbünden, Rhonetal, Alpensüdseite sowie Engadin) und berechneten die Verfrühung des mittleren Nadelaustriebes der Lärchen pro Region. Abbildung 5 zeigt die Resultate. Auffallend sind die grossen Unterschiede von Region zu Region. Die kleinste Verfrühung wurde im Jura (1,5 Tage) und die grösste auf der Alpensüdseite (32,6 Tage) gefunden. Aufgrund von unterschiedlich grossen regionalen Klimaerwärmungen lassen sich diese Unterschiede aber nicht erklären.
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| Abb. 5 - Regionale Trends beim Nadelaustrieb der Lärche, 1951 bis 2000. |
Vegetationsperiode um 7 Tage verlängert
Fasst man alle Frühlingsphasen der Waldbäume zusammen, so ergibt sich eine Verfrühung von 14,3 Tagen. Bei allen Blattentfaltungs- bzw. Nadelaustriebphasen (inklusive Sträucher) beträgt der Wert der Verfrühung für die ganze Schweiz 14,6 Tage. Wird die Vegetationsperiode als Differenz zwischen den mittleren Eintrittsterminen der Blattentfaltung und der Blattverfärbung der Buchen definiert, dann verlängerte sich die Vegetationsperiode in den letzten 50 Jahren um 7,1 Tage. Dies hat aber nicht nur einen positiven Einfluss auf eine erhöhte Biomassenproduktion; auch die Schädlinge oder Pflanzenkrankheiten können sich bei höheren Temperaturen und einer längeren Vegetationsperiode besser entwickeln und vermehren.
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Kontakt
Claudio Defila
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Tel. +41 44 256 94 05
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