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Dokumentinformationen
Autor(en): Stefan Studhalter, Marcus Ulber, Patrick Bonfils
Erscheinungsjahr: 2001
Erstveröffentlichung: Studhalter, S.; Ulber, M.; Bonfils, P., 2001: Förderung der Elsbeere: Beiträge aus der Forschung und Praxis (1). Förderungsstrategie für eine seltene und wertvolle Baumart. - Wald Holz 82, 11: 31-32.
Redaktion: WSL, CH
Sprachen: Druckansicht  deutsch français

Förderungsstrategie für die Elsbeere

Elsbeerblatt
Abb. 1 - Die Blätter der Elsbeere haben eine unverwechselbare Form.
Foto: T. Reich (WSL)

Die Elsbeere ist in der Schweiz selten und in vielerlei Hinsicht eine wertvolle Baumart. Forschende der WSL stellen Förderungsstrategien für diese Baumart, aktuelle Forschungsprojekte und Erfahrungen aus der Praxis vor. Dieser erste Teil erläutert das besondere Interesse an der Elsbeere.

In der Schweiz kommt die Elsbeere (Sorbus torminalis) vor allem entlang des Jurasüdfusses, im Tafeljura, im Schaffhauser Randen und Reiat sowie im östlichen Mittelland vor. Diese konkurrenzschwache Baumart liebt warme Lagen. An Hängen und Kreten, auf trockenen und wechseltrockenen Böden gedeiht sie besonders gut. Es handelt sich dabei oft um für den Naturschutz im Wald bedeutende Standorte.

Viele Anzeichen weisen darauf hin, dass die Elsbeeren-Populationen in der Schweiz sowohl in ihrer Anzahl als auch in ihrer Grösse abgenommen haben. Wesentliche Gründe für den Rückgang sind wohl das Ausdunkeln der Wälder und die einseitige Förderung anderer Baumarten. Die Elsbeere ist daher in der Schweiz selten und gilt als gefährdet.

Verschiedene Aspekte machen die Elsbeere zu einer wertvollen Baumart: Blühende Elsbeeren ziehen eine Vielzahl von Insekten an; von den Früchten leben Vögel und Kleinsäuger. Im Herbst sorgt das orangerote Laub für Kontraste und macht die Elsbeere zu einem reizvollen Landschaftselement. Das rötliche Holz der Elsbeere weist hervorragende technologische Eigenschaften auf. Zudem ist das schlichte, edle Aussehen des Holzes in der Möbelherstellung geschätzt. Im Februar 2000 wurde in Deutschland mit damals 28'459 DM pro Festmeter ein Rekordpreis erzielt.

Seltene Baumarten fördern

Die Schweiz hat sich in internationalen Übereinkommen dazu verpflichtet, die biologische Vielfalt im Wald zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Die Eidgenössische Forstdirektion (BAFU) hat eine Strategie zur Förderung der Biodiversität im Wald entwickelt (vgl. Kasten unten). Insbesondere möchte man damit die Kernpopulationen seltener Baumarten langfristig erhalten oder sogar ausbauen.

Besonderes Augenmerk legen die Forstbehörden auch auf die Erhaltung und auf die nachhaltige Nutzung genetischer Ressourcen. Sie möchten Wälder von besonderem genetischem Interesse (BGI-Wälder) eingerichten, in denen die lokalen Waldbaumpopulationen an ihrem Wuchsort erhalten und gefördert werden. Ziel ist es, die besonderen genetischen Eigenschaften lokaler Populationen zu sichern und ihre evolutionäre Anpassungsfähigkeit über Generationen hinweg zu erhalten und zu fördern. Bei stark gefährdeten Baumarten sollte man auch die Einrichtung von Erhaltungsplantagen ins Auge fassen. Zudem ist es wichtig, die Versorgung mit Vermehrungsgut einheimischer Herkünfte zu verbessern, damit bei der künstlichen Bestandesbegründung mit qualitativ hochwertigem Material gearbeitet werden kann.

Der Bund unterstützt Massnahmen zur Erhaltung und Förderung seltener Baumarten mit Finanzhilfen. Priorität haben jene Projekte, die in sogenannten "Massnahmenregionen" liegen. Diese Regionen wurden aufgrund der Ergebnisse des BAFU-Projekts Förderung seltener Baumarten definiert. In diese Kategorie fällt insbesondere die Ausscheidung von BGI-Wäldern. Diese müssen die Förster in der forstlichen Planung ausweisen (Waldentwicklungs- und Betriebsplan) und die Kantone könnten sie vertraglich sichern, zum Beispiel in der Form eines Sonderwaldreservates.

Verbreitung der Elsbeere in der Schweiz
Abb. 2 - Verbreitung der Elsbeere in der Schweiz. (Quelle: Projekt SEBA, ETH Zürich)

Grundlagen erarbeiten

Strategie des Bundes zur Förderung der Biodiversität im Schweizer Wald

• Naturnaher Waldbau auf der gesamten Waldfläche

• Gezielte Massnahmen zur Förderung der biologischen und strukturellen Vielfalt (z. B. in Sonderwaldreservaten)

• Gezielte Förderung seltener Baumarten (z. B. natürliche und künstliche Verjüngung, Pflege, Wildschutz)

• Gezielte Eingriffe zur Erhaltung und Förderung von lokal angepassten Waldbaumpopulationen oder speziellen Ökotypen (z. B. Ausscheidung von BGI-Wäldern)

• Geregelte Verwendung von forstlichem Vermehrungsgut für künstliche Bestandesbegründung (nationaler Kataster der Samenerntebestände NKS, Berücksichtigung der OECD-Normen über den Handel mit forstlichem Vermehrungsgut)

• Einrichtung von Naturwaldreservaten ohne Eingriffe (Totalreservate)

Die Formulierung einer schweizerischen Förderungsstrategie und deren Umsetzung setzen verschiedene Grundlagenkenntnisse voraus. Für die Elsbeere und andere seltene Baumarten fehlte bis vor kurzem elementares Wissen über Häufigkeit, Verbreitungsmuster und Entwicklungstendenzen. Das Projekt Förderung seltener Baumarten, das an der Professur Waldbau der ETH Zürich durchgeführt wurde, hat diese Lücke geschlossen. Dadurch liessen sich neue Erkenntnisse über die lokale Verbreitung, Gefährdung und Förderung der Elsbeere und neun weiterer mehr oder weniger seltener Baumarten (Eibe, Flatterulme, Kirschbaum, Nussbaum, Sommerlinde, Speierling, Spitzahorn, Wildbirne und Winterlinde) gewinnen (Abb. 2).

Die waldbauliche Elsbeeren-Förderung baut heute auf Erfahrungen aus der Praxis und aus der traditionellen Waldbaulehre auf. Kenntnisse über die Genetik dieser Art sind rar oder fehlen vollständig. Deshalb untersucht die WSL seit 1998 die genetische Variation der Elsbeere in der Schweiz.

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