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Dokumentinformationen
Autor(en): Koni Häne
Originalartikel: Häne, K. (1996): Die Hagebuche. Baum des Jahres 1996. - Thema International (Internationales Mitteilungsblatt für Motivphilatelie) 25, 97: 36-39.
Online-Version: Stand: 08.11.2007
Redaktion: WSL, CH
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch

Die Hain- oder Hagebuche (Carpinus betulus) - Baum des Jahres 1996

Der Name

Blätter und Samenstand der Hagebuche
Die typischen Samenstände der Hagebuche.
 
unverwechselbare Borke
Die unverwechselbare Borke.
 
Holz mit hohem Brennwert
Hagebuchen-Holz ist hart und eignet sich hervorragend als Brennholz.
Fotos: Botanische Bilddatenbank (www.unibas.ch/botimage/)

Die Hagebuche (Carpinus betulus) weist je nach Land und Region verschiedene Namen auf, so beispielsweise: Hainbuche, Weissbuche, Hornbaum, Flegelholz oder Jochbaum. Verschiedene Ortschaften und auch Geschlechtsnamen, speziell in den Kantonen Aargau, Zürich, St. Gallen und Thurgau, tragen den Namen dieser Baumart. Erste urkundliche Erwähnungen gehen auf eine Alemannensiedlung von 850 (Haganbuah) und auf 1189 (Hagenbuochon) zurück. Das Geschlecht "Hagenbuch" erscheint erstmals 1130. Der Name wurde vermutlich abgeleitet vom Gehölz, welches nach Belieben beschnitten werden konnte und mit welchem Hecken oder lebende Zäune - eben Hage - hergestellt wurden.

Der im Dialekt noch oft gehörte Ausdruck "hanebüchen" dürfte aus dem mittelhochdeutschen "hagebüechin" (aus Hagebuchholz bestehend) abgeleitet sein und bedeutet unerhört, aber auch derb, klobig oder grob. Wesentlich humaner hört sich das Volkslied an: "Wenn eine tannigi Hose hät und hegebuechig Strümpf...!"

Der Baum

Die weltweit in etwa 30 Arten vertretene Hagebuche, ein Verwandter der Birke, ist ursprünglich im mittleren und südlichen Europa (ohne Spanien) beheimatet; bei uns kommt sie vor allem in der Nord- und Ostschweiz vor. In der Innerschweiz, in Graubünden sowie im Mittel- und Oberwallis fehlt sie.
Diese mit sperrigen, abstehenden Ästen und dem selten runden Stamm mit einer glatten, metallisch glänzenden, schwarzgrauen und weissgefleckten Rinde versehene Baumart wird etwa 25 m hoch und 80 bis 120 Jahre alt.

Die ovalen, etwa 12 cm langen, zugespitzten Blätter sind doppelt gezähnt und weisen meistens 15 Nervenpaare auf. Von allen Laubbäumen lässt die Hagebuche ihre Blätter am spätesten, erst im Verlauf des Winters, fallen. Der mit einem dreilappigen Hüllblatt (als Flugeinrichtung) versehene Samen ist ein hartes, flaches und geripptes Nüsschen von etwa 8 Millimeter Grösse. Mit Hilfe des Windes kann der Samen über einen Kilometer weit getragen werden. Die Hagebuche verbreitet sich nicht nur häufig durch Samen, sondern auch durch Stockausschlag (aus abgestorbenen oder abgeschnittenen Wurzelstöcken wachsen neue Triebe).

Ökologische Bedeutung

Die sich leicht verjüngende Hagebuche ist, waldbaulich gesehen, eine dienende Baumart. Als gut Schatten ertragend eignet sie sich vorzüglich als Begleitbaumart in Laubholz-Wertbeständen mit Eichen, Buchen oder Linden. Dank ihrem sich leicht und rasch abbaubarem Laub sorgt sie speziell für lockere und nährstoffreiche Waldböden.

Die ziemlich sturmfeste Hagebuche, ob als dienender Baum im Wald oder am Waldrand, als Windschutzpflanze oder als Baumhecke, trägt als eine der ersten im Frühjahr das Laub und behält es gegen das Jahresende. Dadurch bietet sie vielen Vögeln, Insekten und Kleinlebewesen Brutstätte und Lebensraum mit genügend Nahrung an.

Wirtschaftliche Bedeutung und Verwendung

Während den vergangenen Jahrhunderten wies die Hagebuche eine wesentlich grössere wirtschaftliche Bedeutung auf als heute. Im Nieder-, aber auch im Mittelwaldbetrieb war die Hagebuche eine äusserst begehrte und deshalb stark genutzte Baumart. Das äusserst harte und zähe, weisslich gelbe Holz war beliebt als Brennholz und zur Herstellung von Holzkohle von grosser Bedeutung. Drechsler und Wagner benutzten das Holz des "Eisenbaumes", wie er im Volksmund auch genannt wurde, für die Herstellung von hochbeanspruchten Teilen, wie Mühl- und Zahnräder, Speichen, Holzschrauben, Hobelböden, Walzen, Dreschflegel (Flegelholz), Joche (Jochbaum) und vieles mehr. Auch zur Laubfuttergewinnung (Scheideln) wurde die Hagebuche rege genutzt. Das Vieh schätzte das saftige, grüne Laub. Für lange Winterzeiten wurde das Laub gedörrt: Etwa 840 Gramm Hagebuchenblätter entsprachen einem Futterwert von einem Kilogramm Heu!

Abschliessend noch etwas über die Heilwirkung dieses Baumes: In der Volksheilkunde ist die Hagebuche wenig bekannt. In alten Botanikbüchern wird sie hinsichtlich ihrer Anwendung den Ulmen, Ahornen, Birken und Buchen zugeordnet. Mittels Tee, Umschlägen, Waschungen und Bädern aus den Blättern der Hagebuche dürfte der Haupteffekt vor allem in der entzündungswidrigen Wirkungsweise liegen.

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